Rekrutierungstrend mit Tücken: Wie Online-Portale Bewerber aussortieren

Rekrutierungstrend mit Tücken: Wie Online-Portale Bewerber aussortieren

, aktualisiert 27. September 2016, 10:57 Uhr
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Wer in seinem Lebenslauf bestimmte Dinge nicht erwähnt oder sich vertippt, wird im schlimmsten Fall direkt vom Computer aussortiert.

von Carina KontioQuelle:Handelsblatt Online

Immer öfter sortieren Computer Bewerbungen aus. Wer den digitalen Personaler mit der Vita nicht überzeugt, schafft es nicht bis ins Vorstellungsgespräch. Damit das nicht passiert, sollten Sie drei Ratschläge beherzigen.

DüsseldorfDie digitale Transformation geht in Deutschlands Unternehmen langsam voran und macht selbstverständlich auch vor den Personalabteilungen nicht Halt. So lassen immer mehr Firmen Bewerbungen, die sie erhalten, über Online-Portale aussortieren. Von Computerprogrammen (da haben Sie richtig gelesen). Ein fragwürdiger Trend, der seine Tücken hat. Denn wer den digitalen Personaler mit seinem Lebenslauf nicht überzeugt, schafft es erst gar nicht bis zum Vorstellungsgespräch. Wer mit einer besonders kreativen Bewerbung aus der Masse herausstechen will, kann sich die Arbeit also gleich sparen.

Christian Umbs, Managing Director bei der Personalberatung Robert Half, erläutert den digitale Entwicklung: „Immer mehr Unternehmen greifen auf sogenannte „Applicant Tracking Systems“ (ATS) zurück. Das beobachten wir vor allem bei größeren Unternehmen, die auf Stellenausschreibungen tausende Bewerbungen erhalten und so den Einstellungsprozess verkürzen sowie optimieren möchten. Diese ATS scannen Bewerbungen auf bestimmte Inhalte, wie etwa Schlüsselbegriffe und sortieren bei Diskrepanzen oder fehlender Übereinstimmung aus.“

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Was den Unternehmen also das Leben erleichtert, macht den Menschen – lassen Sie sich das Wort nochmal auf der Zunge zergehen – auf der Jobsuche den Bewerbungsprozess in Bits und Bytes zu einer großen Herausforderung. Damit das nicht passiert, sollten Kandidaten folgende drei Ratschläge beherzigen, die einfach umzusetzen sind, und die Chancen auf die nächste Runde verbessern.

1. Wählen Sie eine einfache Formatierung für Ihre Online-Bewerbung

Lebenslauf-Scanner sind keine Fans von kreativen Layouts. Statt dem Bewerber seine Individualität hoch anzurechnen, haben sie Schwierigkeiten beim korrekten Lesen des Lebenslaufs. Anstatt die Online-Bewerbung als kreativ einzustufen, wird sie schlimmstenfalls sofort aussortiert. Tipps für Bewerber:

  • Verzichten Sie im Lebenslauf auf extravagante Elemente wie Logos oder Symbole.
  • Wählen Sie in der Online-Bewerbung keine ausgefallenen Schriftarten. Nutzen Sie Standardschriften wie Arial, Calibri oder Times New Roman.
  • Verwenden Sie für die einzelnen Abschnitte im Lebenslauf gängige Überschriften, wie Ausbildung, Berufserfahrung oder Qualifikationen.
  • Verwenden Sie allgemein häufig genutzte Bezeichnungen. Unbekannte Begriffe erschweren es den Maschinen, die Daten im Lebenslauf richtig einzuordnen.
  • Prüfen Sie genau, welche Dateiformate das ATS akzeptiert und korrekt lesen kann. Passen Sie Ihre Online-Bewerbung entsprechend an.


Nehmen Sie die Rechtschreibprüfung ernst!

2. Nutzen Sie relevante Schlüsselbegriffe in Ihrer Online-Bewerbung

Durch die Verwendung bestimmter Begriffe können Sie den Computer davon überzeugen, dass Sie zu den vielversprechenden Kandidaten gehören. Dazu zählen keine Bewerbungsfloskeln wie „belastbar“, „motiviert“ oder „teamfähig“. Vielmehr sind damit spezielle Schlüsselbegriffe gemeint, die für Branche und Beruf typisch sind. Tipps für Bewerber:

  • Verwenden Sie im Lebenslauf der Online-Bewerbung Schlüsselwörter aus der Stellenanzeige – natürlich nur, wenn Sie sie auch tatsächlich besitzen.
  • Versuchen Sie nicht, Schlüsselbegriffe möglichst oft in der Online-Bewerbung unterzubringen. Faustregel: Die Lesbarkeit darf darunter nicht leiden. Schließlich wollen Sie damit anschließend auch den Personaler überzeugen. Unzusammenhängende Formulierungen, die lediglich möglichst viele Schlüsselbegriffe enthalten, werden in der Regel ebenfalls aussortiert.

3. Vermeiden Sie Rechtschreibfehler

Diese Regel gilt natürlich für jede Bewerbung. Während allerdings ein Personaler einen einzelnen Buchstabendreher verzeiht, kann die Maschine das Wort im schlimmsten Fall nicht lesen. Handelt es sich dabei um einen der wichtigen Schlüsselbegriffe, ist das in etwa so, als hätten Sie diese Fähigkeit überhaupt nicht. Und das kann Sie die Jobchancen kosten. Tipps für Bewerber:

  • Nehmen Sie die Rechtschreibprüfung ernst!
  • Lassen Sie sich von der automatischen Rechtschreibkontrolle Ihres Textverarbeitungsprogramms helfen. Sie identifiziert die meisten Fehler.
  • Geben Sie die Bewerbung zusätzlich einem Freund oder Bekannten zum Gegenlesen.

Damit Sie jetzt aber nicht gleich die Digitalisierung generell verteufeln (die ja auch viel Gutes bringt): Es gab natürlich auch schon in analogen Zeiten mehr oder weniger gerechte Aussortier-Verfahren. So soll es in einem großen deutschen Konzern gang und gäbe gewesen sein, sich die Kandidaten anhand der Farbe ihrer Bewerbungsmappe heraus zu picken. Bei den Personalern gab es dann „blaue Tage“, an denen sie immer nur diejenigen Bewerber einluden, die ihre Unterlagen in einer blauen Mappe geschickt hatten, gefolgt von „roten Tagen“ und.so.weiter. Alle anderen Mappen landeten üblicherweise ungelesen im Mülleimer.

Quelle:  Handelsblatt Online
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