Rente für Angestellte: Von den Großkonzernen lernen

Rente für Angestellte: Von den Großkonzernen lernen

, aktualisiert 05. November 2016, 14:42 Uhr
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Im Gastgewerbe hat nur jeder Vierte Anspruch auf eine Betriebsrente.

Quelle: PR

Quelle:Handelsblatt Online

Für den Mittelstand ist die betriebliche Altersvorsorge ein Mittel, um Mitarbeiter zu binden. Hier zählen persönliche Bedürfnisse erheblich mehr als Angebote von der Stange. Welche Vorteile kleine Unternehmen haben.

SchwetzingenSparer stöhnen. Und das nicht erst seit gestern. Die Zinsen sind im Keller, die Renditen für sichere Bundesanleihen ebenfalls. Leider werden sie dort auch noch einige Zeit wie in Stein gemeißelt bleiben. Das schafft erhebliche Probleme bei der privaten und auch bei der betrieblichen Altersversorgung. Sobald es für die regelmäßigen Sparraten praktisch keinen Zins mehr gibt, kann auch der Zinseszinseffekt nicht wirken. Mit etwas Glück stehen bei Rentenbeginn gerade einmal die bis dahin angesammelten Beiträge als Versorgungskapital zur Verfügung.

Diese über Jahrzehnte lieb gewonnene Beitragsgarantie – insbesondere bei versicherungsgestützten Altersvorsorgeprodukten – wird zunehmend problematisch, in Einzelfällen sogar existenzbedrohend für Versicherer. Doch schlimmer geht immer, weil der Garantiezinssatz bei Neuverträgen ab dem kommenden Jahr auf nur noch 0,9 Prozent gesenkt wird. Folge: Wegen der vergleichsweise hohen Abschluss- und Verwaltungskosten können ältere Arbeitnehmer ab einem Alter von 45 Jahren künftig wohl keine Riester-Rente mehr neu abschließen, weil die vom Gesetzgeber geforderte Garantie der Beiträge und Zulagen bei Rentenbeginn nicht mehr darstellbar ist. Vergleichbares gilt für den Durchführungsweg „Direktversicherung“ in der betrieblichen Altersvorsorge.

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Das bereitet den Chefs kleinerer und mittlerer Unternehmen (KMU) zunehmend Kopfschmerzen. Zurecht, wie ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG) vom 30. September 2014 zeigt (Az.: 3 AZR 613/12). Danach muss ein Arbeitgeber Rentenzusagen einhalten, selbst wenn die Refinanzierung, auch über einen Versicherer, nicht aufgeht. Inzwischen ist die aktive Nachfrage von Arbeitgebern und Arbeitnehmern nach bAV-Versicherungskonzepten gering. Überdies ist die betriebliche Altersversorgung nach einer Studie im Auftrag des Bundesfinanzministeriums in KMU verglichen mit der bAV-Durchdringung in Großunternehmen weit im Hintertreffen.


Vom Konzept nicht überzeugt

Firmenchefs halten die Versicherungskonzepte längst für zu riskant, Arbeitnehmer genauso lange schon für unrentabel. Ziemlich heikel für die Politik, die auch weiter auf die Betriebsrente als naheliegender Lückenfüller für die gesetzliche Altersversorgung bauen will. Ungeachtet der Überlegungen des Arbeitsministeriums zur Neueinführung des „Sozialpartnermodells Betriebsrente“ steht fest: Die vorhandenen bAV-Konzepte reichen für den Mittelstand völlig aus. Die KMU müssen sich lediglich an dem orientieren, was Konzerne und die Großindustrie schon lange mit Erfolg für beide Seiten, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, praktizieren: das Betreiben eigener Versorgungswerke. Heruntergebrochen auf kleinere und mittlere Unternehmen bedeutet dies den verstärkten Zugang zu und die Beteiligung an Gruppeneinrichtungen, den sogenannten Unterstützungskassen.

Im Gegensatz zu Versicherern sind Versorgungswerke frei in der Kapitalanlage, so dass sich die Mittel in der Regel deutlich rentabler anlegen lassen. Der Vorteil für Unternehmen ist, dass sie ihre Betriebsrentenzusagen innenfinanzieren können. Deshalb fließt keine Liquidität ab, überdies ergeben sich attraktive steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten. Zudem sind die Rentenzusagen im Ernstfall, also bei Insolvenz des Unternehmens, durch den Pensionssicherungsverein abgesichert.

Unternehmen haben durch die Zusage einer vergleichsweise hohen Garantierente Vorteile im Wettbewerb um Fachkräfte. Wer hier das Feld Konzernen und Großunternehmen mit ihren gut dotierten Firmenversorgungswerken überlässt, dürfte auf Dauer erhebliche Probleme haben, ausreichend Fachkräfte zu finden und auch zu halten. Welche Risiken daraus resultieren, wissen Mittelständler sehr genau.

Quelle:  Handelsblatt Online
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