Republikaner-Parteitag: Ted Cruz verweigert Trump die Gefolgschaft

Republikaner-Parteitag: Ted Cruz verweigert Trump die Gefolgschaft

, aktualisiert 21. Juli 2016, 07:11 Uhr
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Der in den Vorwahlen unterlegene Rivale Ted Cruz hat dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump bei einem Redeauftritt demonstrativ die Unterstützung verweigert.

von Axel PostinettQuelle:Handelsblatt Online

Eklat in Cleveland: Ted Cruz verweigert Donald Trump die Empfehlung zum Präsidenten. Denn der texanische Senator denkt schon weiter. Zu viel Nähe zum Kandidaten kann bald zum Bumerang werden.

San FranciscoEs war ein Wahlkampf, in dem ihm nichts erspart blieb, bis zum Schluss. Senator Ted Cruz sprach am Vormittag auf einer Bühne vor dem Veranstaltungsort des republikanischen Parteitags zu seinen Anhängern. „In einer großartigen Kampagne haben wir 15 Kandidaten geschlagen“, sagte der Texaner und erntete dafür Applaus. „Nur aber eben nicht 16“, grinste er, was mit lauten Buhrufen quittiert wurde.

„Wir haben jetzt einen Kandidaten“, so Cruz, sorgfältig den Namen des ungeliebten Kontrahenten vermeidend. Und gerade in diesem Moment schwebte hinter ihm majestätisch ein großer roter Jet auf den nahegelegenen Flughafen ein. „Trump“ stand in übergroßen Lettern auf der Hülle der Boeing 757 und Cruz lachte verbittert auf und schüttelte nur ungläubig den Kopf: „Das ist ja großartig orchestriert.“
Es ist der Tag der geprügelten Hunde.

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Ted Cruz wollte später am Abend noch offiziell zur Partei sprechen und die Frage war, ob er es über sich bringen wird, den Mann als Präsidenten als Präsidenten zu empfehlen, der ihn als „Lying Ted“, als Ted den Lügner, immer wieder gedemütigt hatte. Und der Eklat passierte.

Cruz rief zum Kampf gegen Hillary Clinton auf, aber die Empfehlung kam ihm bis zum Schluss nicht über die Lippen, bis er dann unter lauten Buhrufen die Bühne verließ. Der ebenfalls im Vorwahlkampf unterlegene Marco Rubio wollte sich den Bußgang nach Cleveland ganz ersparen und war gar nicht erst gekommen.

Eine Videoansprache sollte reichen, um den Parteitag der Republikaner in Cleveland zu adressieren. „Die Zeit des Kämpfens ist vorbei“, räumte er ein, man „müsse zusammenhalten“. Dann lobte er halbherzig die Tugenden des Donald Trump, ohne ihn jedoch ausdrücklich zu empfehlen.

Dabei hatte die ultra-konservative Radiomoderatorin Laura Ingraham sich zu Beginn der abendlichen Kongressveranstaltung schon über die Unterlegenen lustig gemacht und an der Parteiehre packen wollen: „Für all die Jungs mit kleinen Kratzern und gekränkten Gefühlen“, spöttelte sie, „Jetzt gilt es das gegebene Versprechen einzuhalten und Donald Trump zu unterstützen.“

„Make America first again“ war das Motto des Tages und eigentlich sollte es um Außenpolitik gehen, wenn nicht gerade Familienmitglieder oder Geschäftspartner unermüdlich mit immer den gleichen Gründen darzulegen versuchten, warum nur Trump Amerika retten kann. Doch seit Trump im April seine Sicht auf die Außenpolitik ausgebreitet hat, geht die Angst um.

Was passiert, wenn der egozentrische Milliardär zum obersten Befehlshaber der mächtigsten Armee aufsteigt? „America first“, Amerika zuerst, stellte er in seiner Grundsatzrede in New York fest, werde die ultimative Maxime aller seiner Entscheidungen sein, und die Außenpolitik müsse auf „amerikanischen Interessen“ basieren.

Er will einen Handelskrieg mit Mexiko und China vom Zaun brechen, um die angeblichen Ungerechtigkeiten auszuräumen und den USA wieder Respekt verschaffen. Mit der Nato will er eine „neue Ausbalancierung der Finanzen“ vereinbaren, sprich die Verbündeten sollen zahlen , sonst könne „Amerika sie nicht mehr verteidigen“.

Wird Trump Bodentruppen gegen den Islamischen Staat einsetzen? Wird er die militärische Konfrontation mit Nordkorea und Iran suchen? Werden die USA internationale Handelsverträge aufkündigen? Seine Gegnerin Hillary Clinton jedenfalls hält ihn außenpolitisch nicht nur für „unvorbereitet“, sondern sogar „vom Temperament her nicht geeignet ein Amt zu halten, das Wissen, Stabilität und enormes Verantwortungsbewusstsein erfordert.“


Amerika braucht einen Präsidenten der „politisch unkorrekt“ ist

Rick Scott sah das in Cleveland anders. Der Gouverneur von Florida betrat um 20.00 Uhr Ortszeit die Bühne der Quicken Loans Arena und verschwendete mit Floskeln keine Zeit. Massive Angriffe gegen Barack Obama und seine angebliche Unfähigkeit den Terror in der Welt nur zur Kenntnis zu nehmen wurden gefolgt von ebensolchen voraussagbaren Angriffen gegen Hillary Clinton. „Dieses Jahr werden wir die Politiker feuern“, freut sich der Berufspolitiker Scott auch und meinte damit natürlich nur die anderen, die in Washington.

Amerika brauche einen Präsidenten der „politisch unkorrekt“ sei, sprach er auf Trumps verbale Ausfälle an und witzelte, er wisse, dass manch einer ein Problem mit der Immobilienmogul habe. Doch es gebe nur einen, der mit dem IS Schluss machen könne: Trump. Jubel im Saal. „Das Böse muss verschwinden. Und Donald Trump ist der Mann für diesen Job.“

Doch am dritten Tag des Krönungsparteitags von Donald Trump, an dem auch noch einer seiner Söhne und eine Angestellte eines seiner Unternehmen sprachen, wurde unmissverständlich klar, dass die Einigung der zerrissenen Partei noch nicht gelungen ist. Und einige haben offenbar schon den Blick ganz woanders als auf den Wahltag im November 2016 gerichtet.

Ted Cruz jedenfalls schaut offensichtlich schon über Cleveland und über vier potenzielle Jahre unter Donald Trump hinaus. Der beachtlichen Gruppe von Anhängern, die sich am Morgen um die kleine Freiluftbühne versammelt hatte, gab er zum Abschied mit auf den Weg: „Ich weiß nicht, was die Zukunft bereithält“, was die Menge mit „2020 – 2020“-Rufen quittierte.

Cruz lächelte und schwieg. Denn nach der Wahl ist vor der Wahl. Und vielleicht ist es in Zukunft einmal ganz hilfreich, wenn man sich beim Wähler 2020 nicht zu sehr für sein Verhalten im Sommer 2016 in Cleveland rechtfertigen muss.

Quelle:  Handelsblatt Online
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