Republikaner-Parteitag: Trump, Freund der Schwulen und Lesben?

Republikaner-Parteitag: Trump, Freund der Schwulen und Lesben?

, aktualisiert 22. Juli 2016, 14:39 Uhr
Quelle:Handelsblatt Online

Überraschung bei den Republikanern: Präsidentschaftskandidat Trump tritt auf dem Parteitag für den Schutz sexueller Minderheiten aus. Das kürzlich verabschiedete Parteiprogramm spricht jedoch eine andere Sprache.

DüsseldorfLGBTQ – mit fünf Buchstaben hat Donald Trump einen seit Jahrzehnten dominierenden Unwillen in seiner Partei weggewischt. Die Abkürzung steht für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender (Lesbian, Gay, Bisexual, Trans, Queer) und wurde noch nie in einer Rede erwähnt, mit der ein republikanischer Bewerber die Nominierung als Präsidentschaftskandidat annahm. Trump sagte dagegen: „Ich werde alles in meiner Macht stehende tun, um unsere LGBTQ-Bürger vor Gewalt und Unterdrückung einer hasserfüllten ausländischen Ideologie zu schützen.“ Bekräftigend fügte er hinzu: „Glaubt mir.“

Die Ovationen, die darauf folgten, schienen Trump selbst zu überraschen. „Ich muss schon sagen, es ist für einen Republikaner so schön, euch zu dem jubeln zu hören, was ich gerade gesagt habe“, sagte er, vom Redetext abweichend. „Danke.“ Vor vier Jahren hatte der damalige Präsidentschaftskandidat Mitt Romney noch nicht einmal das Wort „gay“ in den Mund genommen, geschweige denn die Abkürzung.

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Vor Trumps Abschlussrede hatte sich Peter Thiel, Mitgründer des Internet-Zahlungsdienstes PayPal, auf dem Parteitag öffentlich zu seiner Homosexualität bekannt. „Ich bin stolz darauf, schwul zu sein“, sagte der aus Deutschland stammende Star-Investor in seiner Rede. „Ich bin stolz darauf, Republikaner zu sein. Vor allem aber bin ich stolz darauf, Amerikaner zu sein.“ Das Publikum applaudierte und stimmte einen „USA, USA, USA“-Gesang an. Niemals zuvor hat jemand auf einem Parteitag der Republikaner seine eigene Homosexualität zum Thema gemacht – normalerweise sind aus den Reihen der Grand Old Party eher homophobe Aussprüche zu hören.

Während der Vorwahlen der Republikaner hatte zum Beispiel Kandidat Ben Carson gesagt, dass Gefängnisse schwul machten, da „viele Menschen dort hetero hineingehen und schwul herauskommen“. Das sei Beweis für ihn, dass Homosexualität eine Wahl sei – und nicht biologisch oder genetisch veranlagt, wie es die Mehrheit wissenschaftlicher Studien nahe legen.

Auch Ted Cruz, der hinter dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump die zweitmeisten Unterstützer gesammelt hatte, machte Schlagzeilen zum Thema gleichgeschlechtlicher Liebe: Im November 2015 trat er auf einer Veranstaltung auf, auf der ein Priester „Tötet alle Schwulen“ gerufen hatte. Sein Wahlkampfteam hat zwar inzwischen zugegeben, es sei ein Fehler gewesen, daran teilzunehmen, aber Cruz – wie viele andere in der Partei – kämpfen weiter vehement gegen die Zulassung der gleichgeschlechtlichen Ehe.


„Vorgetäuschter Kulturkrieg“ lenkt vom „Niedergang“ ab

„Ich gebe nicht vor, dass ich allem zustimme, was in unserer Partei gefordert wird“, sagte Thiel auf dem Parteitag. Doch dieser „vorgetäuschte Kulturkrieg“ um die Rechte von Homo-, Trans- und weiteren Sexuellen, „diese Debatten, wer wo auf die Toilette gehen darf“, würden nur vom „wirtschaftlichen Niedergang“ ablenken, sagte der Milliardär aus dem Silicon Valley. Unter einem Präsidenten Trump werde sich die Einkommensungleichheit in den USA verändern.

Doch auch wenn auf der Bühne ein offenerer Umgang mit dem Thema gepflegt wird, sieht es im kürzlich verabschiedeten Parteiprogramm anders aus. Darin entfernt sich die „Grand Old Party“ noch weiter als zuvor von der Gleichstellung von Homosexuellen in Staat und Gesellschaft. Zur Elternschaft Homosexueller heißt es etwa, von Mutter und Vater groß gezogene Kinder tendierten dazu, sich „physisch und emotional gesünder“ zu entwickeln. Die Ablehnung gleichgeschlechtlicher Ehen steht ebenso im Wahlprogramm wie der Widerstand dagegen, dass Menschen mit geänderter Geschlechtsidentität – Transgender – selbst entscheiden, in welche öffentliche Toilette sie gehen.

Trump hat zudem unlängst erklärt, er würde Richter ins Oberste Gericht der USA berufen, die vielleicht bereit sind, die höchstrichterliche Entscheidung zur bundesweiten Zulassung der Homo-Ehe zu kippen. Die Verfassungsgerichtsentscheidung hat er auch schon mal als „schockierend“ beschrieben und erklärt, den einzelnen Staaten sollte es vorbehalten bleiben, über die Zulassung gleichgeschlechtlicher Ehen in ihrem Bereich zu entscheiden. Das entspricht der konservativen republikanischen Linie. Dagegen hat sich Trumps voraussichtliche demokratische Rivalin Hillary Clinton klar zur Homo-Ehe bekannt.

Der New Yorker Milliardär hat immer wieder darauf verwiesen, dass er mit Homosexuellen Freundschaften pflege. Die schwulenfeindliche Rhetorik vieler anderer Republikaner vermeidet er. Nach dem Massaker in einem Schwulen-Nachtclub in Orlando mit 49 Toten hatte er gesagt, er sei besser als Clinton, weil er keine muslimischen Einwanderer in Land lassen würde, „die Schwule ermorden wollen“.

Quelle:  Handelsblatt Online
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