Rewe-Chef Alain Caparros: Der „Sonnenkönig“ bereitet seinen Abschied vor

Rewe-Chef Alain Caparros: Der „Sonnenkönig“ bereitet seinen Abschied vor

, aktualisiert 05. April 2016, 14:34 Uhr
Bild vergrößern

Der Rewe-Chef konnte glänzende Jahreszahlen vorlegen.

von Florian KolfQuelle:Handelsblatt Online

Mit der Präsentation von Rekordergebnisse steht Rewe-Chef Alain Caparros auf dem Höhepunkt seiner Macht – und kokettiert doch mit seinem baldigen Abgang. Er gibt auch schon dezente Hinweise auf seine Nachfolge.

KölnAlain Caparros klang fast ein bisschen traurig. „Das wäre jetzt ein schöner Abschied gewesen“, sagte der Rewe-Chef am Dienstag angesichts der Rekordzahlen, die er präsentieren konnte: den Umsatz um 3,7 Prozent auf 52,4 Millionen Euro gesteigert, mit einem bereinigten Gewinn (Ebita) von 587 Millionen Euro das beste operative Ergebnis der Firmengeschichte erzielt. „Schade, dass ich noch rund zwei Jahre machen muss.“

Während der gesamten Pressekonferenz kokettierte der 59-Jährige mit seinem baldigen Abschied. Tatsächlich läuft sein Vertrag als Vorstandsvorsitzender der Rewe-Group Ende Dezember 2018 ab. Und Caparros lässt keinen Zweifel daran, dass er dann auch „in Rente“ gehen will, wie der lebensfrohe Rotweinliebhaber es formuliert.

Anzeige

Bei Rewe endet damit eine Ära. Seit 2006 führt Caparros den Kölner Handelskonzern. Er hat geschafft, woran viele vor ihm gescheitert sind. Er hat dem Traditionsunternehmen effiziente Strukturen verpasst und das Durcheinander zahlreicher Marken mit Namen wie Minimal oder HL gestrafft. Sogar im Online-Verkauf von Lebensmitteln ist Rewe unter den deutschen Händlern Pionier.

Und Caparros ist stolz darauf, dass er selbst entscheidet, wann er den Posten verlässt. „Das wäre doch eine einmalige Situation in den vergangenen 50 Jahren, die meisten meiner Vorgänger sind doch rausgeschmissen worden“, sagt er mit einem verschmitzten Lächeln.

Sein Nachfolger werde vom Aufsichtsrat am 2. November 2017 benannt, so Caparros. Trotzdem will er seinen Vertrag auf jeden Fall „bis zum letzten Tag erfüllen“. „Pflichtbewusstsein gibt es auch bei Franzosen“, scherzt der Rewe-Chef.

Dabei ist Caparros seit September letzten Jahres Deutscher - und hat seine französische Staatsbürgerschaft abgegeben. Und er lobt sein neues Heimatland gerne in den höchsten Tönen - besonders in der Flüchtlingskrise. Deutschland sei ein „Leuchtturm der Humanität in Europa“, sagte er der „Lebensmittelzeitung“. Dagegen schäme er sich heute, aus Frankreich zu kommen.


„Sonnenkönig“ hat seine Macht schnell gefestigt

Geboren wurde Caparros am 17. September 1956 in Tiaret im Westen von Algerien, das damals noch zu Frankreich gehörte. Während des Unabhängigkeitskriegs 1962 musste seine Familie das Land verlassen und zog nach Pont-à-Mousson in Lothringen.

Der studierte Betriebswirt begann seine Karriere beim Kosmetik-Anbieter Yves Rocher. 1994 wurde er Generaldirektor von Aldi Frankreich. Seit Juli 2004 ist er Mitglied der Unternehmensleitung von Rewe, wo er zunächst für das Auslandsgeschäft und den Discounter Penny zuständig war, bevor den Vorstandsvorsitz übernahm.

Obwohl er als Franzose anfangs über kaum Hausmacht verfügte, konnte er seine Position bei Rewe rasch ausbauen und festigen. Mitarbeiter sagen, dass ihr Chef nicht nur extrem fordernd sei, sondern dass er auch rasch cholerisch werden könne, wenn ihm etwas nicht passt. „Sonnenkönig“ nennen ihn viele im Handelskonzern. Wie aggressiv und kämpferisch er sein kann, hat er gerade wieder im Konflikt um die Ministererlaubnis im Fall Kaiser's Tengelmann bewiesen. Dort wollte er mit aller Kraft verhindern, dass der ärgste Konkurrent Edeka die kränkelnde Supermarktkette übernimmt.

Im Foyer der Rewe-Zentrale hängt ein drei Meter hohes Bild, das den echten französischen Sonnenkönig zeigt, allerdings zusammengesetzt aus Lebensmittelverpackungen. Ob dieses Bild dann Ende 2018 abgehängt werden muss?

Wer Caparros nachfolgt, ist noch nicht klar. „Es wird ein perfekter Generationswechsel“, verspricht Caparros. Das könnte ein Hinweis sein. Denn als möglicher Nachfolger gehandelt wird Lionel Souque, der im Vorstand heute bereits für das Deutschlandgeschäft verantwortlich ist. Und der ist nicht nur erst 44, sondern ebenfalls gebürtiger Franzose.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%