Risiken in der Bankenwelt: Immer auf die Kleinen

Risiken in der Bankenwelt: Immer auf die Kleinen

, aktualisiert 16. März 2017, 11:27 Uhr
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Manager mit Kreditverantwortung kleiner Geldhäuser stehen einer Umfrage zufolge stärker im Visier der Bafin als große Institute.

Quelle:Handelsblatt Online

In der Regel gehen von größeren Banken höhere Risiken als von kleineren aus. Doch eine Umfrage zeigt: Manager mit Kreditverantwortung kleiner Geldhäuser stehen viel stärker im Visier der Finanzaufsicht.

BerlinAuf die Identifizierung der sogenannten Risktaker bei Banken legt die Finanzaufsicht Bafin besonderen Wert. Risktaner sind diejenigen Mitarbeiter, die Kreditrisiken verantworten, die größer als 0,5 Prozent des Eigenkapitals des Instituts sind. Das bedeutet für die Praxis: „Je größer das Institut, desto kleiner ist die Anzahl der Risktaker“, sagt der Vergütungsexperte von Willis Towers Watson in Deutschland, Florian Frank, im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Bei den größeren Instituten liege die Zahl der Risktaker bei zwei bis drei Prozent der Belegschaft. Das ist das Ergebnis einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage von Willis Towers Watson unter Banken zur Institutsvergütungsverordnung. „Bei kleineren Instituten kann es passieren, dass ein Drittel der Mitarbeiter so eingeordnet sind“, sagt Frank. Das hänge mit der Definition von „Risktaker“ zusammen. Die entsprechende Quote beim Eigenkapital sei bei kleineren Instituten eher erreicht als bei größeren.

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In der Praxis können das der Umfrage zufolge Mitarbeiter sein, die 60.000 bis 70.000 Euro im Jahr verdienen. Angesichts dieses Niveaus mute der Aufwand, der mit der Identifizierung der Risktaker verbunden sei, schon etwas unverhältnismäßig an. „Das trifft Leute, an die man nicht unbedingt gedacht hat“, urteilt Frank.

Mit der neuen Institutsvergütungsverordnung wird sich diese Praxis nicht ändern. Allerdings haben Banken künftig nach den neuen Clawback-Regelungen die Möglichkeit, Boni wieder zu kassieren. Gewährte Boni müssen dann zurückgefordert werden, wenn sich die Bank schlechter als erwartet entwickelt oder der betroffene Manager gegen interne und externe Regelungen in einem schwerwiegenden Maß verstoßen hat.

Diese neuen Regelungen gelten prinzipiell für Institute ab einer Bilanzsumme von 15 Milliarden Euro und für Angestellte, deren Boni die 50.000-Euro-Grenze erreichen. In Deutschland sind rund 50 Banken betroffen. Es kommen Institute hinzu, die aufgrund ihres Geschäftsmodells oder Gehaltsniveaus als bedeutend eingestuft werden wie Investmentbanken.

Nach der neuen Verordnung können Boni bis zu zwei Jahre nach Ende der Frist zurückgefordert werden. Endet die Auszahlungsfrist beispielsweise nach fünf Jahren, können Bonusanteile bis zu sieben Jahre nach Gewährung zurückgefordert werden. Diese Regeln gelten übrigens nicht für Abfindungen. Und sie können auch gezahlt werden, wenn das Unternehmen rote Zahlen schreibt.

Da Boni nur noch in Höhe des fixen Gehalts fließen dürfen, sind viele Experten davon ausgegangen, dass das fixe Gehalt bei Bankmanagern steigt. Doch mehrheitlich trifft das nicht zu. Untersuchungen von Willis Towers Watson ergaben, dass 78 Prozent der Institute in den vergangenen fünf Jahren ihren Vergütungsmix nicht systematisch verändert haben – das Grundgehalt wurde also nicht gesteigert und der Bonus nicht gesenkt. Und 86 Prozent der Institute planen auch künftig nicht, die fixe Vergütung zu Lasten der variablen Vergütung zu ändern.

Quelle:  Handelsblatt Online
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