Riskante Finanzwetten: CFD-Branche wehrt sich gegen drohendes Verbot

Riskante Finanzwetten: CFD-Branche wehrt sich gegen drohendes Verbot

, aktualisiert 19. Januar 2017, 15:15 Uhr
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Die Behörde räumte der Finanzbranche eine Frist bis zu diesem Freitag (20. Januar) ein. Danach entscheidet sie über ein Verbot.

Quelle:Handelsblatt Online

Mit sogenannten CFDs können Anleger schnell hohe Gewinne erzielen, aber ebenso große Verluste einfahren. Den Verkauf besonders riskanter Papiere will die Finanzaufsicht Bafin verbieten. Die Anbieter wehren sich.

Frankfurt/MainDie Anbieter riskanter Finanzwetten, so genannter CFDs, stemmen sich gegen ein drohendes Verbot bestimmter Papiere durch die Finanzaufsicht Bafin. „Es ist der falsche Ansatz, eine ganze Produktart verbieten zu wollen, wenngleich wir Pläne zum Schutz von Privatanlegern unterstützen“, sagte Rafael Neustadt, Geschäftsführer des CFD-Verbands, der Deutschen Presse-Agentur. „Vielmehr müssten unregulierte Anbieter stärker in den Fokus genommen werden.“ Aus diesem Bereich kämen fast alle Anlegerbeschwerden. Dies habe man der Bafin in einer Stellungnahme erklärt.

Zugleich signalisierte der CFD-Verband der Aufsicht Entgegenkommen: Die Mitglieder hätten sich vergangenes Jahr einen Transparenz- und Fairnesskodex auferlegt. „Dieser könnte 2017 um weitere Regeln für Produkte mit Nachschusspflicht nachgebessert werden“, sagte Neustadt.

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Mit CFDs (Contracts for Difference, Differenzkontrakte) können Anleger auf die Kursentwicklungen etwa von Aktien spekulieren. Anders als bei Direktkäufen zahlen Anleger nicht den vollen Preis, sondern hinterlegen nur eine Sicherheitsmarge. Dank dieses Hebeleffekts können sie schnell viel Geld verdienen - und verlieren.

Die Bafin hatte im Dezember verkündet, den Verkauf von CFDs mit Nachschusspflicht aus Anlegerschutzgründen verbieten zu wollen. Bei dieser Art der Papiere wetten Anleger nicht nur mit ihrem eingesetzten Geld, sondern müssen zudem unter Umständen Geld nachschießen, wenn sie falsch liegen. Die Behörde hatte der Finanzbranche eine Frist für Reaktionen bis zu diesem Freitag (20. Januar) eingeräumt. Danach entscheidet sie über ein Verbot.


„Vorwürfe sind nicht vollständig nachvollziehbar“

„Das Verlustrisiko bei CFDs mit Nachschusspflicht ist für den Anleger unkalkulierbar“, hatte die Chefin der Wertpapieraufsicht der Bafin, Elisabeth Roegele, erklärt und auf große Kursschwankungen an der Börse binnen kurzer Zeit hingewiesen. Gegen CFDs ohne Nachschusspflicht will die Finanzaufsicht nicht vorgehen.

In Deutschland gibt es laut Neustadt rund 50 000 aktive CFD-Anleger. Im dritten Quartal 2016 handelten sie Wertpapiere im Volumen von 435 Milliarden Euro. Beschwerden, etwa zu nicht korrekt ausgeführten Orders oder Lücken im Handel, kämen fast alle aus dem unregulierten Bereich, sagte Neustadt. Sonst kämen sie nur selten vor. „Die Vorwürfe der Bafin sind daher nicht vollständig nachvollziehbar“.

Der CFD-Verband vertritt nach eigenen Angaben rund 80 Prozent des deutschen Gesamtmarkts, darunter Anbieter wie die Commerzbank und CMC Markets. Alle Mitglieder seien von der Bafin reguliert.

Das geplante Verkaufsverbot für CFDs mit Nachschusspflicht ist das zweite Mal in jüngster Zeit, dass die Bafin am Markt für Finanzwetten eingreift. Im Juli 2016 hatte sie bereits verkündet, den Vertrieb so genannter Bonitätsanleihen für Privatanleger verbieten zu wollen. Nachdem Banken sich in der Folge strengere Regeln für die Produkte auferlegt hatten, nahm die Bafin ihre Pläne zurück.

Quelle:  Handelsblatt Online
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