Rohstoffe: Ebbt die Ölflut ab?

Rohstoffe: Ebbt die Ölflut ab?

, aktualisiert 14. April 2016, 18:53 Uhr
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Am Sonntag wollen einige Ölproduzenten ihre Fördermenge einfrieren.

von Matthias StreitQuelle:Handelsblatt Online

Laut der Internationalen Energieagentur könnten sich Ölangebot und -nachfrage 2017 ausbalancieren. Vom Treffen der Förderstaaten in Doha erhofft sie sich aber wenig. Aufsehen erregt derweil ein Brief aus Katar.

Frankfurt am MainDie schlechte Nachricht für alle Ölproduzenten zuerst: Die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet bis Ende des Jahres keine Ausbalancierung des Marktes. So soll zwar das Wachstum der Nachfrage von 1,8 Millionen Barrel (159 Liter) pro Tag im Jahr 2015 auf nur noch 1,16 Millionen Barrel sinken, während gleichzeitig die Produktion zurückgeht. Vor dem nächsten Jahr sei eine Marktbalance jedoch unwahrscheinlich.

Auch wenn der Förderboom in den USA weiter abebbe und der Iran nach Aufhebung der Atom-Sanktionen die Produktion nicht so stark hochfahre wie erwartet, werde in diesem Jahr weltweit dennoch immer noch mehr Öl produziert als verbraucht.

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Dennoch erkennt die Agentur, die Industrieländer in Energiefragen berät, einen deutlichen Rückgang beim Überangebot. Produzierte die Welt Anfang des Jahres noch 1,5 Millionen Fass über Bedarf, sollen es im dritten und vierten Quartal nur noch 200.000 Barrel zu viel sein.

Von dem für Sonntag in Doha (Katar) geplanten Treffen des Ölkartells Opec mit weiteren großen Ölförderländern wie Russland erwartet sich die IEA allerdings nur sehr wenig. „Wenn sich die Länder nur auf eine Deckelung statt eine Kürzung ihrer Produktion verständigen, wird der Effekt auf die Ölbestände begrenzt sein“, schreiben die Experten in ihrem monatlichen Report.

Nachdem zunächst Gerüchte über eine Einigung zwischen Russland und Saudi-Arabien bekannt wurden – und den Ölpreis befeuerten – mehrt sich kurz vor dem Treffen die Skepsis. „Wie aus Kreisen des russischen Energieministeriums verlautete, wird das Treffen nur eine lose Vereinbarung ohne verbindliche Produktionsobergrenzen beschließen“, schreibt die Commerzbank in ihrem Rohstoffkommentar.

Unterdessen machte die Nachrichtenagentur Bloomberg einen Brief Katars publik, mit dem das Emirat auch den Ölminister Norwegens, Tord Lien, zum Doha-Treffen einlud. Demzufolge habe schon die vorläufige Einigung auf eine Förderdeckelung zwischen Katar, Russland, Venezuela und Saudi-Arabien Mitte Februar einen „Boden unter den Ölpreisen eingezogen“.

Tatsächlich ist seitdem der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent um 37 Prozent gestiegen. Nun könnten die Förderer auf den Erfolg aufbauen, „indem die Deckelung auf mehrere Produzenten ausgeweitet und so das weltweite Überangebot eingedämmt wird.“ Der Brief endet mit der Bitte, die Einladung anzunehmen. Norwegen lehnte jedoch ab.


Die Produktion in den USA sinkt

Der Blick auf den aktuellen Ölpreis offenbart derweil die Spekulationslust der Anleger. Noch immer drängt mehr Öl in den Markt als gebraucht wird. Russland förderte zuletzt mit 10,9 Millionen Barrel pro Tag so viel wie noch nie und auch der Iran hat seine Förderung im Vergleich zum Jahresbeginn um knapp 400.000 Barrel gesteigert.

In den USA zeigt sich aber – aus Produzentensicht – ein Hoffnungsschimmer. Zwar stiegen die Lagerbestände allein in der vergangenen Woche um 6,6 Millionen Barrel, weil mehr importiert und weniger verarbeitet wurde. Doch die Produktion im Land sinkt. Wie am Mittwoch veröffentlichte Daten der US-Energiestatistikbehörde Energy Information Administration zeigen, sank die Rohölproduktion in der vergangenen Woche zum ersten Mal seit 18 Monaten unter neun Millionen Barrel. Das ist so wenig wie seit Ende Oktober 2014 nicht mehr. Im gleichen Zeitraum ging die Zahl der Bohraktivität in den USA um 80 Prozent zurück.

Dabei waren es gerade die USA, die den drastischen Preisverfall beim Öl von knapp 115 Dollar pro Fass im Juni 2014 auf unter 30 Dollar im Januar 2016 auslösten. So sind es auch vor allem die Zahlen aus den Vereinigten Statten, die den Ausschlag für die Prognose der IEA gegeben haben, dass sich der Markt 2017 ausbalancieren könnte.

Die Agentur geht sogar noch einen Schritt weiter. Bis 2020 könnte der Ölpreis auf 80 Dollar je Barrel klettern. Das ist die gute Nachricht für Produzenten zum Schluss. Für die Verbraucher eher weniger. Am Donnerstag kostete ein Barrel der Sorte Brent etwas mehr als 44 Dollar.

Mit Material von Reuters.

Quelle:  Handelsblatt Online
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