Rohstoffe: Ölpreis geht nach Doha-Treffen auf Talfahrt

Rohstoffe: Ölpreis geht nach Doha-Treffen auf Talfahrt

, aktualisiert 18. April 2016, 07:59 Uhr
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Katars Mohammed bin Saleh al-Sada war Gastgeber des Öl-Gipfeltreffens – und trat alleine vor die Presse.

von Martin DowideitQuelle:Handelsblatt Online

Allein vor der Weltpresse: Nach dem Scheitern eines Treffens großer Ölnationen, gab der katarische Energieminister eine Pressekonferenz ohne Unterstützer. Das Zerwürfnis hat heftige Auswirkungen auf den Rohstoffmarkt.

DüsseldorfAm Vormittag hatte alles vorbei sein sollen. Für 10.30 Uhr Ortszeit am Sonntag hatten anderthalb Dutzend Ölförder-Nationen eine Pressekonferenz im katarischen Doha angekündigt. Doch die sicher geglaubte Einigung über eine Förder-Obergrenze wurde mit jeder Stunde unwahrscheinlicher. Erst gegen 21 Uhr begann die Pressekonferenz – und allein der katarische Energieminister trat vor die Mikrofone: Es habe keine Einigung gegeben. Die Stühle rechts und links von ihm auf dem Podium blieben frei.

Für den Ölmarkt ist das Ergebnis ein Schock. Am Montagmorgen rasseln die Ölpreise in den Keller: Um etwa vier Prozent geht es bergab für die wichtigen Futures auf die Marken Brent (jetzt bei 41,40 Dollar) und WTI (jetzt bei 38,59 Dollar). Zwischenzeitlich hatte das Minus sogar etwa sieben Prozent betragen. Denn eigentlich war eine Einigung wichtiger Mitglieder des Opec-Förderkartells und Russlands erwartet worden. An dem Kurseinbruch konnte auch ein Streik kuwaitischer Ölarbeiter nichts ändern, der zu einer deutlich gedrosselten Produktion der kuwaitischen Ölförderer geführt hat.

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Am Sonntagmorgen hatte in Doha eine Entwurf einer Gipfeleinigung die Runde gemacht. Demnach hatten sich die Nationen darauf verständigen wollen, die im Februar unter anderem von Russland und Saudi-Arabien getroffenen Begrenzung auf die Fördermengen von Januar bis Oktober festzuschreiben.

Ziel war es, mit einer Fördergrenze ein weiteres Abbröckeln des Ölpreises zu verhindern. Weltweit leiden die Ölnationen unter dem niedrigen Preisniveau, auch wenn sich die Preise von einem Tief bei etwas über 27 Dollar im Februar deutlich erhöht hatte. Die Ölländer beklagen große Haushaltslöcher, in den USA sind Milliardendarlehen an Ölförderer ausfallgefährdet oder bereits als Abschreibungen in den Büchern der Großbanken aufgeschlagen.

Doch in den Verhandlungen im Sheraton-Hotel in Doha – ohne Teilnahme großer Ölproduzenten wie USA, Kanada oder Norwegen – zog sich die Diskussion Stunde um Stunde hin, weil Saudi-Arabien eine harte Linie fuhr. Nur wenn alle Opec-Staaten mitzögen, würde das Land einer Fördergrenze zustimmen. Doch der Iran hatte die Teilnahme an dem Treffen verweigert und will weiter seine Produktion hochfahren nach dem Aufbrechen der Wirtschaftssanktionen gegen das Land. Doch dem will Saudi-Arabien, das eine tiefe Antipathie gegen den Iran hegt, nicht tatenlos zusehen.

Opec-Generalsekretär Abdallah Salem el Badri verließ kurz vor Platzen der Verhandlungen den Saal und wollte „nur auf sein Zimmer“, wie Journalisten vor Ort beim Kurznachrichtendienst Twitter meldeten. Fragen wollte er nicht beantworten.


„In dieser Beziehung komplett gescheitert“

Man sei überrascht gewesen, dass im Laufe des Sonntags „einige Opec-Staaten“ neue Forderungen gestellt hätten, hieß es aus der russischen Delegation. Im Vorfeld des Treffens hatte Saudi-Arabien schon ein gewisses Drohpotenzial aufgebaut und gesagt, dass das Land die Produktion ohne Einigung problemlos von derzeit etwa 10,5 auf bis zu 11,5 Millionen Fass Öl (à 159 Liter) hochfahren könnte und innerhalb eines halben Jahres sogar auf bis zu 12,5 Millionen Fass.

Der Kampf um Marktanteile wird Experten zufolge nun wohl weitergehen. Dass sich die Teilnehmer nicht auf eine Kappung verständigen konnten, zeige die Unfähigkeit aller Seiten zusammenzuarbeiten, sagte der Gründer der Beratungsfirma PIRA, Gary Ross in einer ersten Einschätzung. Die Bank Barclays schrieb, dass das Treffen von Doha das Zerwürfnis zwischen Saudi-Arabien und dem Iran verdeutliche. Mit dem Treffen hätte Vertrauen aufgebaut werden sollen, dass sich der Markt wieder ausgleiche und die Produzenten kooperieren könnten. „In dieser Beziehung ist das komplett gescheitert.“

Spekulationen auf eine Förderbremse hatten den Ölpreis in den vergangenen Tagen kräftig in die Höhe getrieben. Im Vergleich zu seinem Zwölfeinhalb-Jahres-Tief vom Januar verteuerte sich Brent um gut die Hälfte auf rund 43 Dollar je Fass vor dem Treffen in Doha. Das US-Öl WTI legte ähnlich stark auf gut 40 Dollar zu. Seit Mitte 2014 ist der Ölpreis wegen des weltweiten Überangebots und der mauen Weltkonjunktur allerdings um 70 Prozent eingebrochen. Täglich werden ein bis zwei Millionen Barrel Erdöl mehr als dem Boden gepumpt als benötigt werden.

Katars Energieminister Mohammed bin Saleh al-Sada versuchte dennoch das Gute in der Zusammenkunft zu finden: Der Ölpreis hätte sich zuletzt ja in die richtige Richtung bewegt. Für eine Übereinkunft bräuchten die Länder nur mehr Zeit. Ein weiteres Treffen soll im Juni stattfinden, doch einen Termin oder Ort dafür gibt es noch nicht. Die Türen stünden offen für ein zukünftiges Abkommen, so Russlands Energieminister Alexander Nowak nach der Sitzung. Nur werde „Russland nichts so optimistisch sein wie zuvor“.

Quelle:  Handelsblatt Online
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