Rohstoffmärkte: Ist ein Ende des Ölpreisverfalls in Sicht?

Rohstoffmärkte: Ist ein Ende des Ölpreisverfalls in Sicht?

, aktualisiert 07. März 2016, 18:55 Uhr
Quelle:Handelsblatt Online

Der Ölpreis der Nordseesorte Brent hat seinen Verlust seit Jahresanfang wieder gutgemacht. Am Montag notierte er bei fast 40 Dollar. Ist das mehr als eine kurzfristige Korrektur?

Die Ölpreise sind zum Start in die neue Woche weiter gestiegen. Am Montagmorgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Mai 39,50 Dollar - das waren 72 Cent mehr als am Freitag und der höchste Stand seit Dezember vergangenen Jahres. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im April stieg um 67 Cent auf 36,59 Dollar. Die Ölpreise steigen damit seit gut drei Wochen in Folge, über solch einen langen Zeitraum konnten die Preise für den Rohstoff zuletzt im Mai 2015 steigen.

Vom Anstieg der Ölpreise profierten eine Reihe von Ölunternehmen in der Golfregion. Der Bloomberg GCC 200 Index, der die 200 größten Titel der Region umfasst, kletterte am Freitag um zwei Prozent auf den höchsten Stand seit zwei Monaten.

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Mehrere Gründe sorgen derzeit an den Märkten für den Aufschwung. Zum einen treibt der zuletzt schwächere Dollar den Ölpreis nach oben. Denn eine schwächere US-Währung führt meist zu einer höheren Nachfrage, weil das in Dollar notierte Erdöl für Investoren außerhalb des Dollarraums günstiger wird. Zum anderen verweisen Experten auf den Trend geringerer Förderstellen in den USA. Entsprechend ist die US-Ölproduktion in der Tendenz rückläufig, bislang sinkt sie aber nicht besonders stark.

Was Sie über den Ölpreis wissen müssen

  • Maßeinheit

    Da Öl ursprünglich in Fässern abgefüllt wurde - Barrel im Englischen -, wird diese Maßeinheit in der Branche bis heute verwendet. Ein Barrel sind 159 Liter.

  • Preisrutsch

    Die steile Talfahrt begann Mitte 2014, bis Anfang 2016 hat sich der Preis mehr als gedrittelt. Hintergrund ist ein knallharter Wettbewerb zwischen den klassischen Ölförderern wie Saudi-Arabien und neuen Konkurrenten vor allem in Nordamerika, die Rohöl mit der aufwendigen Fracking-Methode aus Schiefergestein lösen. Beobachter gehen davon aus, dass die Ölförderer aus der Golfregion die ungeliebte Konkurrenz mit hohen Fördermengen und Dumpingpreisen aus dem Markt spülen wollen.

  • Ölsorten

    Rohöl ist nicht gleich Rohöl. Es gibt eine Vielzahl von unterschiedlichen Sorten - je nach Region. Alleine der Finanzinformationsdienst Bloomberg listet mehr als 100 Stück auf, wovon allerdings nur wenige große Bedeutung haben. Als Richtwert am Finanzmarkt gilt das US-Rohöl West Texas Intermediate (WTI). Eine weitere wichtige Sorte ist das Nordsee-Öl Brent.

  • Qualitätsunterschiede

    Bei den Ölsorten gibt es gravierende Unterschiede bei der Qualität, was auch zu merklichen Preisunterschieden führt. So kann etwa die Sorte North Dakota Sour in der Raffinerie nur schwer verarbeitet werden, weil es stark schwefelhaltig ist. Das schlägt sich auch im Preis nieder.

  • Terminkontrakte

    Für US-Öl und Brent-Öl werden die Preise über das Spiel von Angebot und Nachfrage gebildet. Aber auch diese Sorten können eine Vielzahl von unterschiedlichen Preisen haben, was daran liegt, dass sie in sogenannten Future-Kontrakten gehandelt werden. Der Käufer erwirbt dabei Rohöl mit unterschiedlichen Lieferdaten. Der am meisten gehandelte und damit für die Anleger wichtigste Future-Kontrakt läuft über einen Monat.

  • OPEC-Ölpreis

    Auch die Ölsorten des Ölkartells Opec (Organisation erdölexportierender Länder) sind für die Weltwirtschaft von hoher Bedeutung. Von der Opec-Zentrale in Wien wird einmal täglich der sogenannte Opec-Korbpreis ermittelt. Hierfür melden alle Mitgliedstaaten des Ölkartells - darunter Saudi-Arabien, Kuwait und Nigeria - ihre jeweiligen Ölpreise, dann wird der sogenannte Korbpreis aller 13 Opec-Sorten errechnet. Dieser Durchschnittspreis wird allerdings immer mit einem Tag Verzögerung veröffentlicht und spiegelt daher nicht die neueste Entwicklung wider.

Zudem sorgten die überraschend positiven Arbeitsmarktdaten aus den USA am Freitag für einen Anstieg der Preise. Die Arbeitslosenquote in den USA bleibt auf dem tiefsten Stand seit acht Jahren. Nach Angaben des Arbeitsministeriums verharrte sie im Februar bei 4,9 Prozent. Außerdem schaffte die US-Wirtschaft im abgelaufenen Monat 242.000 neue Jobs, dieser Wert liegt deutlich über den Erwartungen. Der US-Wirtschaft scheint es also besser zu gehen, als bisher erwartet.

Doch Experten sind sich uneinig, ob es sich beim aktuellen Preisanstieg des Rohstoffes nur um eine kurzfristige oder um eine nachhaltige Erholung handelt.

Die Vereinigten Arabischen Emirate jedenfalls sind sich sicher, dass die Ölpreise weiter steigen werden. „Ich bin optimistisch, dass wir am Ende des Jahres eine Korrektur der Preise sehen werden“, sagte Suhail Al Mazroueider, Energieminister der Vereinigten Arabischen Emirate am Montag in Dubai. Doch man müsse geduldig sein. „So eine Korrektur passiert nicht in Wochen oder in Monaten, sondern braucht Zeit.“

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Quelle: Illustration: Ben Wiseman

Viele Experten hoffen derzeit auf eine Einigung der wichtigen Ölförderländer, die eine Begrenzung der Ölproduktion zur Folge haben könnte. Zuletzt hatten viele Ölförderstaaten ihre Produktion ausgeweitet, um sinkende Einnahmen im Staatshaushalt durch steigende Exportmengen auszugleichen. Auf dem Weltmarkt weitete sich dadurch das Überangebot an Öl immer weiter aus – der Ölpreis gab immer weiter nach.

Mitte Februar einigten sich die wichtigen Förderländer Saudi-Arabien, Katar, Venezuela und Russland angesichts der fallenden Ölpreise darauf ihre Produktion vorübergehend einzufrieren. Saudi-Arabien und Russland seien bereit, ihre Ölförderung auf dem Januar-Niveau einzufrieren, wenn andere große Förderländern sich diesem Schritt anschließen, bestätigte ein Sprecher der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec).

Diesem Abkommen hätten sich Venezuela und Katar angeschlossen. Voraussetzung für die Vereinbarung sei, dass auch „andere große Produzenten mitmachen“, wie Katars Energieminister al-Sada erklärte. Katar führt derzeit den Vorsitz der Opec.

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