Rolf Breuer wird 80: „Mr. Finanzplatz“ ohne Ausnahmetalent

Rolf Breuer wird 80: „Mr. Finanzplatz“ ohne Ausnahmetalent

, aktualisiert 03. November 2017, 11:16 Uhr
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„Ich hatte keine Ausnahmebegabung“, sagt Rolf Breuer. Und doch ist er eine prägende Figur der deutschen Wirtschaftsgeschichte.

Quelle:Handelsblatt Online

Er prägte über Jahre den Finanzplatz Frankfurt und die Deutsche Bank. Ein legendärer Satz kam ihm und seinem damaligen Arbeitgeber teuer zu stehen. Zu seinem 80. Geburtstag blickt Rolf Breuer auf bewegte Zeiten zurück.

FrankfurtIm Schatten der Deutsche-Bank-Türme hat Rolf Breuer sein Büro. Zwei bis drei Vormittage pro Woche arbeitet der ehemalige Chef des größten deutschen Geldhauses im Herzen Frankfurts – Tür an Tür mit Vorgänger Hilmar Kopper und weiteren alten Bekannten aus den goldenen Zeiten der Finanzbranche.

„Mr. Finanzplatz“, „Strippenzieher der Deutschland AG“ – Breuer, der am heutigen Freitag seinen 80. Geburtstag feiert, sammelte in seiner Karriere viele Attribute. Mit dem Namen des gebürtigen Bonners ist der Aufstieg der Deutschen Bank unter die führenden Finanzkonzerne der Welt verbunden. Aber auch das teuerste Interview der deutschen Wirtschaftsgeschichte.

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„Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen“ – Anfang Februar 2002 sprach Breuer in einem New Yorker Hotelzimmer in ein Reportermikrofon, was viele über Leo Kirchs Medienimperium dachten.

Gut zwei Monate nach dem Interview reichte KirchMedia Insolvenzantrag ein. Kirch gab Breuer („Der Rolf hat mich erschossen“) und dessen damaligem Arbeitgeber die Schuld. Die Beschuldigten wiesen die Vorwürfe stets zurück, für den Niedergang des Kirch-Konzerns verantwortlich zu sein. Ein teurer Vergleich stoppte Anfang 2014 die Prozesslawine: Die Bank zahlte den Kirch-Erben 925 Millionen Euro.

Breuer steuerte als Schadensbeteiligung 3,2 Millionen Euro bei. Was ihn der Dauerstreit insgesamt kostete, habe er nie zusammengezählt, sagt er. „Das ist zum Teil auch von der Versicherung gedeckt worden.“ Und wie sehr belastet es ihn, dass immer wieder dieser eine Satz zitiert wird? „Daran habe ich mich gewöhnen müssen. Man darf das nicht zu sehr an sich herankommen lassen“, sagt der Jubilar.

Einen Schlussstrich unter die Causa Kirch kann der promovierte Jurist Breuer allerdings noch immer nicht ziehen: Die Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) über die Freisprüche des Landgerichts München aus dem April 2016 steht aus. In diesem Verfahren ging es um den Vorwurf, Breuer und weitere Manager hätten Aussagen vor Gericht abgesprochen, um Schadenersatz-Zahlungen von der Bank abzuwenden.

Das Ringen um seine Reputation in Gerichtssälen hat Energie gekostet. Energie, die Breuer lieber in die schönen Dinge des Lebens steckt: Musik, Kunst, Literatur. „Als ich aus dem aktiven Dienst ausschied, hatte ich 35 Mandate, aktuell sind es noch 14.“ International Piano Forum, Schirn Kunsthalle, Feith-Stiftung, Center for Financial Studies: Die Liste der Ehrenämter, die Breuer vor allem in seiner Wahlheimat Frankfurt noch ausübt, ist lang.

„Ich bin nie in ein Loch gefallen, ich habe bis heute eine Fülle von Mandaten“, schildert Breuer. „Das hat dafür gesorgt, dass ich mich nicht gelangweilt habe. Ich habe jedenfalls immer vermieden, zu Hause über die Schnur des Staubsaugers zu fallen.“ Breuer ist in zweiter Ehe verheiratet. Das Paar hat einen Sohn und zwei Töchter. Seine Frau brachte aus erster Ehe zwei weitere Kinder mit. „Fünf Kinder, elf Enkel – alle kommen zum Geburtstag.“ Breuer freut sich darauf.


Geburtstag in der Toskana

Bei der Deutschen Bank landete Breuer, dessen vollständiger Vorname Rolf-Ernst ist, eher aus Zufall. „Mein Vater hätte gerne gewollt, dass ich Chemiker würde, weil er von diesem Berufszweig das größte Potenzial erwartete. Er hat mich mal in ein Praktikum geschickt und das hatte zum Ergebnis: kein Talent“, erinnert sich Breuer.

„Ich hatte keine Ausnahmebegabung: Ich war kein großer Musiker, der daraus hätte einen Beruf machen können. Auch zum Regisseur hat es trotz viel Lust und Engagement nicht gereicht“, resümiert Breuer, der in jungen Jahren Cello spielte. „Heute hätte ich Zeit zum Üben, aber die Finger machen jetzt nicht mehr mit.“ Und weiter: „So bin ich aus Not oder Zufall oder Verlegenheit Jurist geworden und Banker. Ich habe nach dem Abitur erst eine Banklehre gemacht, weil mein Vater auch eine gemacht hatte. Und das war schon die Deutsche Bank, so dass ich in meinem Leben nie einen anderen Arbeitgeber gehabt habe.“

Als Breuer im Mai 1997 Hilmar Kopper als Vorstandssprecher der Deutschen Bank beerbt, übernimmt er ein auf Deutschland bezogenes Institut mit Schwerpunkten im Kreditgeschäft und bei Privatkunden. Breuer treibt die Internationalisierung des Konzerns voran und baut das Kapitalmarktgeschäft aus – gegen manche Widerstände.

Eine seiner größten Niederlagen: Auf der Zielgeraden scheitert 2002 die Fusion von Deutscher Bank und Dresdner Bank. Wenig später, im Mai 2002, rückt Josef Ackermann auf den Chefsessel der Deutschen Bank, Breuer wird bis Mai 2006 Vorsitzender des Aufsichtsrates der Bank.

Ein abruptes Ende nimmt sein Engagement als Chefkontrolleur der Deutschen Börse: Großanleger torpedieren im Frühjahr 2005 zunächst erfolgreich die Übernahme der Londoner Börse LSE und drängen danach Börsenchef Werner Seifert und Breuer aus dem Amt.

Dem Finanzplatz Frankfurt blieb Breuer trotz dieser Rückschläge treu: „Frankfurt ist meine Heimat.“ Seinen runden Geburtstag feiert er aber lieber unter südlicher Sonne: „Ich habe meine Familie in die Toskana eingeladen. Am 3. November ist überall schlechtes Wetter, vielleicht in der Toskana nicht. Wir haben ein schönes Programm: Florenz, Siena – es wird auch Kultur geboten, das schulden sie dem Großvater.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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