Rücktritt bei Bilfinger : Ein Konzern vor der Zerschlagung

Rücktritt bei Bilfinger : Ein Konzern vor der Zerschlagung

, aktualisiert 13. April 2016, 14:29 Uhr
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Noch ist der neue Bilfinger-Chef eine Schattenfigur: Es wird schwierig, einen internationalen Topmanager zu finden, der das arg gestutzte Unternehmen führen will.

von Georg WeishauptQuelle:Handelsblatt Online

Bilfinger-Chef Per Utnegaard ist mit der Sanierungsstrategie des Mannheimer Traditionskonzerns gescheitert. Seinem Nachfolger bei dem Industriedienstleister bleibt nur eine Sache übrig: die Zerschlagung. Ein Kommentar.

DüsseldorfDer Rücktritt von Vorstandschef Per Utnegaard markiert das Ende des einstigen Vorzeigekonzerns Bilfinger. Gleichzeitig ist er der Beginn der Zerschlagung des Mannheimer Konzerns. Damit ist die Sanierungsstrategie des gebürtigen Norwegers gescheitert, der erst vor gut zehn Monaten angetreten war, um den angeschlagenen Industriedienstleister wieder auf Kurs zu bringen.

Utnegaard wollte Bilfinger auf das Kerngeschäft konzentrieren, also auf die zwei Säulen Industriedienstleistungen sowie Building- und Facility-Management. Sein Plan: Er wollte den größten Verlustbringer, das Kraftwerksgeschäft, verkaufen. Doch der Plan ging bislang nicht auf, denn die hoch defizitäre „Powersparte“ lässt sich kaum an den Mann bringen. Die Energiewende sorgt dafür, dass die großen Versorger keine neuen Kohle- oder Gaskraftwerke mehr bauen oder alte modernisieren. Sie haben die Investitionen in Kraftwerke drastisch gekürzt. Und eine Trendwende ist nicht in Sicht. Damit sieht es mit dem Verkauf der Bilfinger-Sparte weiterhin schlecht aus.

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Doch das endgültige Ende von Utnegaards ursprünglicher Zwei-Säulen-Strategie deutete sich bereits im Januar ab. Da teilte Bilfinger mit, nun auch den Verkauf von großen Teilen der Immobiliensparte „Building and Facility“ zu prüfen. Offenbar hatten potenzielle Investoren ein Interesse an dem lukrativen Bereich bekundet.

Wenn der Konzern in seiner Not, einen Käufer für diese Sparte und für das Kraftwerksgeschäft finden würde, bliebe von dem einstigen stolzen Bilfinger-Umsatz von mehr als sieben Milliarden Euro am Schluss nur noch gut die Hälfte übrig.

Damit ist der Rücktritt von Utnegaard nur konsequent. Denn seine alte Strategie kann er so nicht mehr glaubwürdig verkaufen, weder den Beschäftigten und noch den vielen Kleinaktionären.

So endet die alte Strategie vom einstigen Baukonzern, der sich durch viele Zukäufe zu einem breit aufgestellten Industriedienstleister umwandelt, nun endgültig. Der frühere Bilfinger-Chef Herbert Bodner hat es vor Jahren versäumt, die Dutzenden Firmen, die er kaufte, zu einer Einheit zu formen.

Das gelang auch einem selbsternannten Integrator an der Konzernspitze wie etwa Hessens Ex-Ministerpräsidenten Roland Koch nicht mehr. Zu lange durften die Manager der übernommenen Firmen weiter herrschen. Die Missstände in dem Firmengeflecht fielen erst auf, als die Unternehmen nicht mehr die gewohnten Gewinne machten.

Es wird schwierig, einen internationalen Topmanager zu finden, der das arg gestutzte Unternehmen führen will, und sich an die Arbeit macht, das beschädigte Image wieder zu polieren. Außerdem muss der neue Vorstandschef bereit sein, den weiteren Zerschlagungskurs des Großaktionärs – der Finanzinvestor Cevian – mitzutragen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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