Rückversicherer: Der Bauernkrieg der Munich Re

Rückversicherer: Der Bauernkrieg der Munich Re

, aktualisiert 08. November 2017, 12:35 Uhr
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Die Munich Re muss sich auf einen langen Streit mit brandenburgischen Bauern einstellen.

von Carsten HerzQuelle:Handelsblatt Online

Das Land Brandenburg widerruft nach Kritik von Bauernverbänden die Genehmigung für einen Landkauf durch den Rückversicherer Munich Re. Der Dax-30-Konzern hält den Kauf jedoch für legal. Es droht ein langer Rechtsstreit.

FrankfurtDem Reiz der Scholle sind viele erlegen. Der Optiker-Filialist Günther Fielmann hat ein Landgut voll mit Schafen in Schleswig-Holstein, der britische Erfinder und Stabsauger-König James Dyson ist einer der größten Landbesitzer in Großbritannien. Ackerland wird immer wertvoller, lockt Anleger in Scharen und gilt als nachhaltiges Investment. Doch der Rückversicherer Munich Re hat sich mit dem Erwerb von größeren Ländereien in Brandenburg nun vor allem eines eingehandelt: kurzfristigen, großen Ärger.

Nach massiver Kritik von Bauern haben die Behörden nun ihre Genehmigung für den Deal teilweise zurückgenommen, obwohl der neue Eigner bereits ins Grundbuch eingetragen war. Der Rückversicherer aus München hat dagegen nun seinerseits Rechtsmittel eingelegt. Ein Sprecher der Meag, des Vermögensverwalters der Munich Re, der die Ländereien hält, wollte am Mittwoch auf Anfrage mit Verweis auf das laufende Verfahren keinen Kommentar zu dem Vorgehen der Behörden abgeben. Als erstes Medium hatte die Berliner Tageszeitung „Taz“ über den Widerruf berichtet.

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Immer Ärger um die Scholle: Was ein langfristiges, nachhaltiges Investment für den Dax-30-Konzern werden sollte, ist nun unversehens zum Streitfall geworden. 2015 hatte die Munich Re im großen Stil die Flächen über eine Firmenbeteiligung gekauft. Anlass war, dass die KTG Agrar, einmal Deutschlands größter Agrarkonzern, in die Insolvenz gerutscht war und Land verkaufen musste. Unter anderem griff damals auch die Munich Re zu und erwarb gut 2.400 Hektar landwirtschaftliche Fläche.

Doch die Münchner bedienten sich eines Kniffs: Die KTG reichte nicht das Land selbst weiter, sondern nur 94,9 Prozent der Anteile an der Tochtergesellschaft ATU Landbau, die die Flächen in Brandenburg besitzt. Es waren wohl nicht zufällig 94,9 Prozent, die die Munich Re übernahm: Denn ab einer Summe von 95 Prozent muss ein Käufer normalerweise Grunderwerbssteuer zahlen.


Versicherer suchen alternative Anlageformen

Es war durchaus nicht das erste Mal, dass der ehrwürdige, 137 Jahre alte Versicherungskonzern in Land investiert. Unter dem Druck der Niedrigzinsen suchen die Versicherer seit längerem nach alternativen Anlageformen und kaufen dabei auch Landwirtschaftsflächen, Wald oder größere Immobilien wie das Schloss Hohenkammer, das die Münchener 2003 erwarben und sorgfältig renovierten. Der Rückversicherer ist dabei normalerweise ein gern gesehener Investor, da sein Anlagehorizont lang ist und er nicht in dem Ruf steht, ein an kurzfristigen Profiten interessierter Finanzinvestor zu sein. Aber in Brandenburg beäugten die Landwirte den Schritt von Anfang an mit Argwohn.

Die Bauernverbände sehen es äußerst kritisch, dass immer mehr Landflächen nicht mehr in der Hand der Bauern, sondern im Besitz fremder Investoren liegen und machten gegen den Kauf in Brandenburg Front – obwohl kein Bauer nach dem Kauf seine Pacht verlor. Doch für die Landwirte treibt der Handel mit großen Ländereien die Preise für die Agrargrundstücke und gefährdet damit langfristig ihre Existenzgrundlage.

Das Land Brandenburg stellt sich in dem Konflikt nun auf die Seite der Bauern. „Die ATU hat dem Landkreis vorgetäuscht, die Flächen in ihrer Funktion als landwirtschaftlicher Betrieb zu kaufen, während sie aber tatsächlich einem außerlandwirtschaftlichen Investor zugeführt werden sollten“, sagte ein Sprecher des brandenburgischen Ministeriums nun der „Taz“. „Deshalb waren die Genehmigungen rechtswidrig.“ Stattdessen haben die Behörden jetzt Bauern gefunden, die für insgesamt fünf Millionen Euro einen Teil der Flächen kaufen wollen. Die Gesamtfläche sei damals für rund 27 Millionen Euro verkauft worden. Doch noch dürfen die Landwirte die fraglichen Äcker nicht nutzen.

„Es wurden Rechtsmittel gegen die Bescheide durch die damaligen Kaufvertragsparteien eingelegt“, schreibt das Ministerium. Erst wenn die Gerichte darüber rechtskräftig entschieden haben, würden die Landwirte ins Grundbuch eingetragen und damit offiziell Eigentümer. Für die Juristen auf beiden Seiten steht also einiges auf dem Spiel. Die Munich Re muss sich wohl auf einen langen Streit in diesem ungewöhnlichen Brandenburgischen Bauernkrieg einstellen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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