SAB Miller und AB Inbev: Die Fusion der Giganten geht auf die Zielgerade

SAB Miller und AB Inbev: Die Fusion der Giganten geht auf die Zielgerade

, aktualisiert 21. Mai 2016, 17:12 Uhr
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Anheuser-Busch Inbev will den Rivalen SABMiller aufkaufen.

Quelle:Handelsblatt Online

Von Beck's bis Peroni: Schon bald könnten viele Biermarken aus einem Haus kommen. Nur noch die Kartellwächter müssen über die Fusion von SAB Miller und Anheuser-Busch Inbev entscheiden. Es steht viel auf dem Spiel.

Leuven/LondonDie Pläne für die größte Übernahme auf dem Biermarkt liegen auf dem Tisch – nun sind die Kartellwächter am Zug. Sie müssen entscheiden, ob sie den Megadeal gegen Wettbewerbsbedenken durchwinken. Der belgisch-amerikanische Branchenprimus Anheuser-Busch Inbev (AB Inbev) will den britisch-südafrikanischen Rivalen SAB Miller kaufen. Kommende Woche Dienstag rechnen die Konzerne mit einer ersten Aussage der EU-Behörden, andere Aufseher rund um die Welt folgen.

Fast jedes dritte Bier weltweit, mit Gemeinschaftsunternehmen über 650 Millionen Hektoliter jährlich, mehr als 64 Milliarden US-Dollar Umsatz – das bringen die weltweite Nummer eins und zwei mit ihren Dutzenden Marken wie Budweiser, Beck's (AB Inbev) oder Miller und Foster's (SAB Miller) auf die Waage. Zum Vergleich: Der deutsche Brauprimus, die Radeberger-Gruppe, kam im vergangenen Jahr auf rund 13 Millionen Hektoliter Absatz – inklusive Selters-Wasser.

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AB-Inbev-Chef Carlos Brito hofft, die 71 Milliarden Pfund (91 Milliarden Euro) schwere Übernahme bis Jahresende durchzupeitschen. Er hat den Aufsehern versprochen, dort Marken abzugeben, wo die Marktmacht zu groß würde: In Italien und den Niederlanden gehen Peroni und Grolsch für geschätzt 2,6 Milliarden Euro an den japanischen Brauer Asahi. In Osteuropa sollen Marken unter den Hammer kommen, die laut Analystenschätzungen mehr als 6 Milliarden Dollar wert sein könnten – darunter auch die tschechische Brauerei von Pilsner Urquell.

Ob das der EU-Kommission reicht, dürfte sich am Dienstag zeigen. Allerdings sehen Branchenexperten die Überschneidungen in anderen Regionen eh kritischer: In den USA verkauft SAB Miller daher Anteile für 12 Milliarden Dollar. Die Zustimmung der US-Regulierer ist für Analyst Javier Gonzales Lastra von der Berenberg Bank die höchste Hürde.


Arbeitnehmer könnten die Zeche zahlen

Abgesehen hat es Brito auf die SAB Miller-Braukessel in Afrika und anderen Schwellenländern. In den kommenden Jahren erreichen dort nicht nur viele Millionen Menschen das gesetzliche Mindestalter für den Bierkonsum – zusätzlich setzt der Brasilianer auf eine stetig wachsende, zahlungskräftige Mittelschicht. In Europa und Nordamerika indes ist der größte Durst gestillt; die Kunden greifen nun verstärkt zu Bierspezialitäten.

Auf Deutschland hat das Geschäft ohnehin vergleichsweise geringe Auswirkungen. Vor allem SAB Miller ist auf dem vorrangig mittelständisch geprägten Markt hierzulande kaum vertreten. Der Verband der Privaten Brauereien Deutschlands erwartet daher auch keine großen Veränderungen im harten Wettbewerb um die Handelsregale. Geschäftsführer Roland Demleitner beobachtet ohnehin „eine Rückbesinnung auf regionale Marken, bei denen der Verbraucher die Herkunft auch nachvollziehen kann“.

Aber Obacht: AB-Inbev-Chef Brito gilt als harter Hund, der die Dinge auch mal durchboxt. Bestärkt wird er darin von seinem Mentor, dem brasilianischen Milliardär Jorge Paulo Lemann, Mitgründer des umtriebigen Finanzinvestors 3G aus Rio de Janeiro. Gemeinsam mit anderen kontrolliert er große Teile von AB Inbev. Nach seinem Einstieg 1989 begann der Aufstieg des brasilianischen Brauers zur heutigen Weltmacht auf dem Biermarkt, die 2008 im Coup der Anheuser-Busch-Übernahme für 52 Milliarden Dollar gipfelte.

Nach der Übernahme von Anheuser-Busch strich Brito in den USA 1400 Arbeitsplätze und tauschte im Hauptquartier in St. Louis die obersten Führungsebenen aus. Im belgischen Leuven sind vor allem Gewerkschafter nicht nur voll des Lobes, wenn sein Name fällt. Investoren dürften das anders sehen: Brito lieferte ihnen über seine Amtszeit deutlich mehr Ertrag durch Aktienkursanstiege und Ausschüttungen als die direkte Konkurrenz.

Auch beim SAB Miller-Zukauf könnten Arbeitnehmer die Zeche zahlen: Um die angestrebten Einsparungen zu erreichen, würden unter Umständen bestimmte Umbauten im Konzern nötig, hieß es bei der Vorlage des Angebots im November.

Quelle:  Handelsblatt Online
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