SAB Miller verkauft an Asahi: Grolsch und Peroni werden japanisch

SAB Miller verkauft an Asahi: Grolsch und Peroni werden japanisch

, aktualisiert 10. Februar 2016, 11:17 Uhr
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Die italienische Biermarke könnte bald zum japanischen Asahi-Konzern gehören.

von Carsten HerzQuelle:Handelsblatt Online

Der britisch-südafrikanische Bierkonzern SAB Miller muss sich nach der Übernahme durch AB Inbev von Marken trennen. Nun scheint ein Käufer für die beiden Premiumbiere Peroni und Grolsch endgültig gefunden – in Japan.

LondonDie Flasche schimmert grün, auf dem Etikett prangt in roter Schrift Peroni. Das italienische Bier aus dem Hause des Konzerns SAB Miller kennt in Großbritannien jeder Biertrinker. Denn die italienische Biermarke hat in den letzten Jahren die Insel erobert – und wächst weiter gegen den Trend auf dem schrumpfenden britischen Biermarkt.

Doch nun findet sich schäumende Beziehung zwischen dem britisch-südafrikanischen Konzern und der 1846 gegründeten Marke ein jähes Ende. Die führende japanische Brauerei Asahi steht einem Medienbericht zufolge unmittelbar davor, die SAB-Miller-Premiummarken Peroni und Grolsch zu übernehmen. Dafür wollten die Japaner gut drei Milliarden Euro ausgeben, berichtet die Wirtschaftszeitung Nikkei am Mittwoch.

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Es ist eine Trennung, die nicht ganz freiwillig erfolgt. Mit dem Verkauf der Marken an die Japaner räumt SAB Miller eine Hürde für die Übernahme durch den belgisch-brasilianischen Konkurrenten AB Inbev aus dem Weg. Der weltweit größte Brauereikonzern AB Inbev hatte vergangenen November angekündigt, SAB Miller für die Rekordsumme von 112 Milliarden Euro zu übernehmen.

Durch einen Zusammenschluss würde ein Bierriese entstehen, der rund 30 Prozent des weltweiten Biermarktes beherrscht. Die Kartellwächter wollen den Deal jedoch nur unter Auflagen durchwinken, weshalb die Briten sich nun von Teilen ihrer Marken trennen müssen. So trennte sich SAB Miller bereits auch von seinem Mehrheitsanteil an der US-Brauerei Miller-Coors.

Ein Schicksal, dem Peroni und Grolsch nun folgen sollen. Bereits Anfang Dezember hatte SAB Miller eingeräumt, dass der Konzern in den nächsten Wochen potentielle Käufer für Peroni und Grolsch sowie deren Geschäfte in Italien, den Niederlanden und Großbritannien kontaktieren werde. Gut zwei Monate später sind die Briten offensichtlich fündig geworden.


Kein Platz mehr für Craft-Biere

Asahi sticht damit Finanzinvestoren wie KKR als Rivalen aus, der ebenfalls als Interessent gehandelt worden war. Peroni zählte bisher für SAB Miller zu den Hoffnungsträgern. Es sei die derzeit größte und wachstumsstärkste italienische Export-Biermarke im Konzern, hieß es zuletzt. Der Hersteller wirbt auf seiner Website mit modernem italienischem Flair, das eher untypisch für die traditionelle Biernation Großbritannien erscheint. Auch ist das Lagerbier teurer als andere internationale Marken – aber es kommt an.

Für die Japaner ist Peroni und Grolsch nun eine milliardenschwere Flucht nach vorne. Asahi kommt in Japan auf einen Marktanteil von 38 Prozent. Weil Japaner aber vermehrt zu Wein greifen und die Bevölkerung schrumpft, ist das Geschäft auf dem Heimatmarkt seit langem unter Druck. Die Japaner sind deshalb angesichts des stagnierenden Bierabsatzes auf dem Heimatmarkt zunehmend auf der Suche nach mehr Wachstum im Ausland.

Für den Brauer, dessen bekanntestes Produkt das Bier Asahi Super Dry ist, gehören Fusionen und Übernahmen zur Strategie. Analysten glauben, dass Asahi zudem die Vertriebsstrukturen von Peroni aus Italien und Grolsch aus den Niederlanden für einen vermehrten Vertrieb von Asahi Super Dry nutzen könne.

Der Ausverkauf bei SAB Miller hat jedoch mit der Trennung von den beiden wichtigen Marken Peroni und Grolsch voraussichtlich noch nicht sein Ende gefunden. Wie SAB Miller bereits andeutete, wird auch noch für die Craftbier-Brauerei Meantime in Großbritannien nach einem Käufer gesucht.

Es ist eine hektische Rolle rückwärts: Erst 2015 hatte SAB Miller die 1999 gegründete Meantime Brewing mit Bieren wie „London Pale Ale“ oder „London Lager“ übernommen. Doch augenscheinlich ist nach dem Inbev-Deal nicht nur für Peroni und Grolsch, sondern auch für den Pionier der Craftbiere kein Platz mehr unter dem Konzerndach.

Quellle:  Handelsblatt Online
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