Samsonite: Kofferhersteller hat Tumi im Gepäck

Samsonite: Kofferhersteller hat Tumi im Gepäck

, aktualisiert 03. März 2016, 18:14 Uhr
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Die Pläne, den Rivalen Tumi zu kaufen, passt zur Langzeitstrategie von Samsonite-Chef Tim Parker.

von Georg WeishauptQuelle:Handelsblatt Online

Samsonite will seinen US-Rivalen im Koffermarkt Tumi kaufen, berichten Insider. Damit würde der Weltmarktführer in Sachen Gepäck das Premiumsegment erschließen – und die No-Name-Konkurrenz noch weiter hinter sich lassen.

DüsseldorfDie südkoreanische Schönheit und Schauspielerin Claudia Kim tut es. Auch Formel-Eins-Pilot Nico Rosberg. Beide werben für die Premium-Koffermarke Tumi. Sie sollen dem amerikanischen Unternehmen helfen, ihr Image als eine der weltweiten Spitzenmarken für Geschäftsreisende zu stärken.

Weltmarktführer Samsonite ist sicherlich nicht wegen der beiden Prominenten auf die Marke aufmerksam geworden, sondern wegen der guten Zahlen. Im vergangenen Jahr steigerte Tumi seinen Umsatz um knapp vier Prozent auf 548 Millionen US-Dollar. Auch der operative Gewinn wuchs um 3,7 Prozent auf 97 Millionen US-Dollar. Und das, obwohl Tumi im vergangenen Jahr noch ein Programm zur Kostensenkung durchgezogen hat.

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Nun will Samsonite den US-Konkurrenten nach Informationen des Wall Street Journal kaufen. Dafür dürfte Samsonite rund zwei Milliarden US-Dollar hinlegen müssen. Das entspricht dem Marktwert von Tumi, der sich derzeit auf rund 1,4 Milliarden US-Dollar beläuft, sowie einem bei solchen Übernahmen üblichen Aufschlag. Samsonite wollte sich zur Übernahme nicht äußern. Tumi war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Samsonite, die weltweite Nummer eins in Sachen Koffern und Reisetaschen, kann mit der Übernahme sein breites Markenportfolio im hochpreisigen Luxussegment abrunden. Mit den Marken Samsonite, American Tourister, Hartmann, High Sierra oder Gregory deckt der Konzern vor allem den hochwertigen Massenmarkt ab.

Das Unternehmen Samsonite, das einst in den USA gegründet wurde und seinen Firmensitz mittlerweile nach Luxemburg verlegt hat, wurde vor vielen Jahren mit seinen Hartschalenkoffern bekannt. So stellte sich zum Beispiel in den Werbespots ein Elefant auf das Reisegepäck, um damit die Stabilität unter Beweis zu stellen. Auch ein Skifahrer rutschte auf einem Koffer einen Hang herunter.

Doch die Erfolgsstory von Samsonite endete 2009 jäh. Denn die Wirtschafts- und Finanzkrise setzte dem Konzern massiv zu. So brach der Umsatz in den USA um fast 20 Prozent und in Europa um 25 Prozent ein.

Der damalige CEO und heutige Chairman Tim Parker musste deshalb handeln. „Wir haben deshalb unsere Produktionskosten reduziert“, sagte er 2014 dem Handelsblatt. Das heißt: Samsonite fertigt nur noch einen kleinen Teil seiner Koffer in eigenen Fabriken. Außerdem schloss Parker eigene Markenläden an teuren Standorten wie der Madison Avenue in New York oder der Regent Street in London. Außerdem versuchte Parker, mit neuen leichteren Kunststoffen zu punkten.

Damals kündigte Parker an, dass er den Umsatz von zwei Milliarden US-Dollar in den kommenden fünf Jahren verdoppeln wolle. Das wäre 2019. Von seinen eigenen hohen Zielen ist Parker jedoch heute noch weit entfernt. Im ersten Halbjahr 2015 schaffte er mit seinem Unternehmen gerade einmal einen Umsatz von 1,2 Milliarden US-Dollar.

Wenn Parker auch Wert auf organisches Wachstum zum Beispiel durch seine Kernmarke Samsonite legt, so ist der Konzern doch in den vergangenen Jahren auch durch zahlreiche Übernahmen gewachsen. Dazu gehörten American Tourister genauso wie Hartmann oder High Sierra. Insofern passen die jetzt bekannt geworden Pläne, den Rivalen Tumi zu kaufen, zur Langzeitstrategie von Parker.


„Unser größter Konkurrent ist der No-Name-Markt“

Das 1975 gegründete US-Unternehmen Tumi setzte, als die Verkäufe der Hartschalenkoffer von Samsonite und anderen ihren Höhepunkt erreichten, auf eine andere Strategie: auf Reisegepäck aus weichem Material und nicht für den Massenmarkt, sondern für anspruchsvolle Geschäftsreisende im oberen Preissegment. Das läuft zwar noch erfolgreich. Doch Konkurrenten wie Rimowa aus Köln mit seinen berühmten Alukoffern machen Tumi und anderen in der Oberklasse zunehmend Konkurrenz.

Darüber hinaus entdecken auch Unternehmen aus anderen Branchen den Koffermarkt. „Immer mehr Modemarken erweitern ihre Kollektion um Reisegepäck“, beobachtet Franz-Maximilian Schmid-Preissler von der gleichnamigen Strategieberatung. Dazu gehören Unternehmen wie etwa die französische Marke Longchamp, die durch ihre Falttasche berühmt wurde.

Sie alle setzen darauf, dass der Reisemarkt jedes Jahr weiter wächst. Alleine im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Menschen, die rund um die Welt privat oder geschäftlich reisen, um 50 Millionen auf rund 1,2 Milliarden, hat die World Tourism Organization errechnet.

Von diesem Boom wollen aber auch Billigmarken profitieren. Denn, so räumte Parker einmal ein: „Unser größter Konkurrent ist der No-Name-Markt.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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