Sanktionen aufgehoben: Was Investoren über Irans Aktienmarkt wissen müssen

Sanktionen aufgehoben: Was Investoren über Irans Aktienmarkt wissen müssen

, aktualisiert 19. Januar 2016, 14:46 Uhr
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Für westliche Investoren birgt der Tehran Stock Exchange (TSE) auch weiterhin Restrisiken.

Quelle:Handelsblatt Online

Unternehmen wittern bereits ein Milliardengeschäft und auch für Investoren bieten sich Chancen. Mit dem Ende der Iran-Sanktionen hat sich einer der am schwierigsten zugänglichen Aktienmärkte etwas geöffnet.

DubaiNachdem die Finanz-Sanktionen gegen den Iran gelockert wurden, haben Ausländer nun Zugang zur Börse in Teheran, an der fast so viele Unternehmen gelistet sind wie in Istanbul. In sechs bis acht Monaten könnten die Zuflüsse bis zu eine Milliarde Dollar betragen, erwartet Reza Soltanzadeh, Gründungs-Partner bei ACL Assets Management, einer Investmentfirma, die sich auf den Iran konzentriert. Dort lockt auch für ausländische Investoren Potenzial.

Worum geht es eigentlich?

Mit einer Marktkapitalisierung von etwa 90 Milliarden Dollar ist der Aktienmarkt des Iran der fünftgrößte im Nahen Osten. Nachdem die Sanktionen gelockert wurden, kann das Land mit Saudi-Arabien um Investoren konkurrieren, das vor sieben Monaten den Direktbesitz von Aktien für ausländische Investoren gestattet hat.

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Zwar war es auch bislang legal für viele ausländische Investoren, an der Börse Teheran zu investieren. Durch die Finanz-Sanktionen gegen das Bankensystem war es jedoch so gut wie unmöglich, Geld in das Land und wieder heraus zu überweisen. Die Mehrzahl dieser Sanktionen wurde vor dem Hintergrund des Atomabkommens mit dem Iran mittlerweile aufgehoben, sodass sich die Banken des Landes wieder dem Swift-System für internationale Finanz-Transaktionen anschließen können.

Auch wenn es Europäern nicht verboten war, Aktien zu kaufen, war ein Investment in bestimmte Branchen, wie beispielsweise dem Energiebereich, unmöglich.

Wer kann und wird investieren?

Zwar wurde viel darüber gesprochen, dass die Sanktionen aufgehoben wurden. Viele Verbote mit US-Hintergrund bleiben jedoch bestehen. So ist für amerikanische Bürger und Unternehmen der Handel mit dem Iran größtenteils verboten. Und die meisten in Dollar denominierten Transaktionen können nicht über das US- System abgewickelt werden, weshalb es wahrscheinlich nicht zu größeren Dollar-Deals kommen wird.

Für dutzende Europäer und in Europa lebende Amerikaner wurden hingegen in den vergangenen zwölf Monaten Investoren-Touren in den Iran organisiert, damit sie sich einen Überblick verschaffen und große börsennotierte Unternehmen besuchen können. Viele haben sich die notwendigen Investmentcodes und Lizenzen für den Börsenhandel besorgt, um auf die Aufhebung der Sanktionen vorbereitet zu sein.

„Zunächst werden die mutigeren Family Offices und Fondsmanager in den ersten sechs bis acht Monaten einsteigen“, sagt Soltanzadeh. Das seien Firmen „die dies schon häufig an gefährlicheren Orten weltweit getan haben und Risiken verstehen“.


Nicht alle sind Unternehmen handelbar

Wie bekommt ein internationaler Investor Zugang

Es bestehen zwei Möglichkeiten, Zugang zu iranischen Aktien zu erhalten: Direkt investieren oder über ansässige Fonds vorzugehen, sagt Parham Gohari, Co-Gründer von Frontier Partners, einem Berater von multinationalen Konzernen, die im Iran tätig sein wollen.

Wer direkt investieren will, benötigt dafür einen in Teheran ansässigen Broker, eine Handelslizenz und Auslandsanlagecodes der iranischen Wertpapieraufsicht. Die Codes werden benötigt, um im Iran Wertpapiere zu kaufen und zu verkaufen.

Die zweite Möglichkeit besteht darin, sich eines iranischen Fonds zu bedienen. Mehrere Firmen haben Investmentfonds für den Iran im Vorfeld der Aufhebung der Sanktionen vorbereitet. Ein börsennotierter Indexfonds für Ausländer existiert bereits. Ein kleiner Fonds, der sich auf Unternehmen konzentriert, die von den Sanktionen nicht betroffen sind, startete im Dezember.

Können Ausländer Aktien aller Unternehmen kaufen?

Nein. Etwa 200 Unternehmen und Personen sind weiterhin von Sanktionen betroffen. Einige von ihnen haben Verbindungen zu gelisteten Unternehmen. Dies gilt auch für Firmen, die im Besitz bestimmter Institutionen sind wie der Iranischen Revolutionsgarde.

Der Londoner Hedgefonds Sturgeon Capital hat eigenen Angaben zufolge etwa 50 Unternehmen identifiziert, die direkt von den Sanktionen nicht betroffen sind und auch keine Verbindungen zu Gesellschaften haben, die von Sanktionen betroffen sind oder waren. Das entspricht etwa zehn Prozent der an der Börse Teheran gehandelten Unternehmen.

Am Sonntag hatte zudem das US-Finanzministerium Sanktionen gegen elf Unternehmen und Personen wegen ihrer Verbindung zum iranischen Raketenprogramm verhängt.


Diese Rahmenbedingungen gelten

Werden wir einen großen Ansturm erleben?

Das ist nicht wahrscheinlich. Die verbleibenden Sanktionen stellen einen Alptraum für die Compliance-Abteilungen großer Institutionen dar, selbst wenn diese nicht in den USA ansässig sind. Eine weitere Schwierigkeit stellt der Standard der Finanzberichterstattung und der Regulierung an einem Markt dar, der seit Jahrzehnten von internationalen Investoren abgeschottet war.

Und schließlich besteht auch immer die Möglichkeit, dass die Vereinbarungen scheitern und die Sanktionen wieder eingeführt werden. Das würde eine potenzielle Falle für Investoren darstellen, deren Geld dann in dem Land gefangen wäre.

Was sind die Rahmenbedingungen?

Der Tedpix Index mit seinen mehr als 300 Mitgliedern kam Ende Dezember auf ein mittleres Kurs-Gewinn-Verhältnis von 5,7, zeigen die jüngsten erhältlichen Daten. Zum Vergleich: Aktien in Schwellenländern kommen MSCI zufolge im Schnitt auf ein KGV von 2,2.

Der Benchmark-Index büßte im vergangenen Jahr elf Prozent ein, nach einem Verlust von 21 Prozent in 2014 – das war der erste Jahresverlust seit 2008. Das durchschnittliche monatliche Handelsvolumen belief sich 2015 auf 902 Millionen Dollar.

Handel findet von Samstag bis Mittwoch täglich von 9 Uhr bis 12.30 Uhr statt. Die Kurse können auf der Website der Börse Teheran eingesehen werden.

Quellle:  Handelsblatt Online
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