Saudi-Arabiens Ölkonzern: So könnte Saudi Aramco die Börse erobern

Saudi-Arabiens Ölkonzern: So könnte Saudi Aramco die Börse erobern

, aktualisiert 21. April 2016, 13:36 Uhr
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Öltanker an einem Anlegeplatz.

Quelle:Handelsblatt Online

Vize-Kronprinz Mohammed bin Salman ist der starke Mann beim Umbau der saudischen Wirtschaft. Der 31-Jährige gibt Details bekannt, wie der Staatsschatz Nummer eins – der staatliche Ölkonzern – an die Börse kommen könnte.

RiadDer saudische Ölkonzern Aramco ist einer der großen Unbekannten auf dem Weltölmarkt. Er liefert zwar täglich mehr als zehn Millionen Barrel Rohöl in alle Welt. Doch das Unternehmen ist extrem verschwiegen – bislang. Der in den vergangenen Jahren stetig gefallene Ölpreis zwingt Saudi-Arabien zum Umdenken. Die Wirtschaft des Landes soll sich öffnen, ausländische Geldgeber wollen angelockt und die Abhängigkeit vom Öl gesenkt werden.

Ein Baustein auf dem Weg dorthin ist ein Börsengang Aramcos, das auf einen Schlag zur wertvollsten Aktiengesellschaft der Welt avancieren dürfte. Die US-Bank JP Morgan und der frühere Starbanker der Citigroup, Michael Klein, sollen dabei helfen, den Konzern an die Börse zu bringen, wie Bloomberg am Dienstag berichtet hatte. Der saudische Vize-Kronprinz Mohammed bin Salman hat zudem im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Bloomberg Details zu den Plänen für den Börsengang verraten, der für das 2017 oder 2018 avisiert ist.

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Das Land denkt über ein Listing der Aktie an zwei Börsen nach, um auch Investoren jenseits des weitgehend abgeschotteten einheimischen Aktienmarkts zu erreichen. „Wir denken über mehre Optionen nach“, sagte bin Salman, der dem obersten Aufsichtsgremium des Ölkonzerns vorsitzt. Das Gespräch hatte Bloomberg bereits vergangenen Woche geführt. „Entweder wird es ein doppeltes Listing geben oder wir legen einen Fonds im US-Markt auf, der nur in Saudi Aramco investieren kann.“ Solche Fonds gebe es bereits für den Handel mit Gold oder Öl, sagte bin Salman, ohne dies weiter auszuführen.

Prinz Mohammed ist für die Planung des Börsengangs verantwortlich, bei dem zunächst wohl weniger als fünf Prozent des Konzerns verkauft werden sollen. Doch schon dadurch seien wohl 106 Milliarden Dollar (94 Milliarden Euro) zu erlösen, schätzt das Sovereign Wealth Fund Institute, das zu Staatsfonds in aller Welt forscht. Die Erlöse aus dem Börsengang sollen in einen saudischen Staatsfonds fließen, um Investitionen zur Reduktion der Abhängigkeit vom Öl zu finanzieren.

Auf dieser Basis könnte der Firmenwert zwei Billionen Dollar betragen – und Aramco damit mehr als dreimal so viel wert sein wie die derzeit wertvollste Aktiengesellschaft der Welt, Apple, mit einem Börsenwert von 590 Milliarden Dollar.

Die Notwendigkeit, ausländische Aktionäre einzubinden, erschließt sich aus der geschätzten Größe des Börsengangs. Denn alle Firmen im saudischen Aktienindex Tadawul haben aktuell einen kumulierten Börsenwert von knapp 400 Milliarden Dollar. Selbst ein kleiner Aramco-Teil würde die gesamte Börse dominieren.

Der weltweit bislang größte Börsengang war der IPO des chinesischen Online-Händlers Alibaba, der 2014 insgesamt 25 Milliarden Dollar erlöst hatte. Unklar ist aber, inwieweit sich Saudi Aramco in die Bücher schauen lassen würde: Das könnte die Preisfindung für die Aktien deutlich erschweren. Bislang hat der Konzern nie Finanzdaten veröffentlicht. Die Aktien anderer börsennotierter staatlicher Ölkonzerne werden mit einem großen Abschlag gegenüber der privaten Konkurrenz gehandelt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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