Scaramucci nach nur zehn Tagen gefeuert: Sollte man einen kurzen Job im Lebenslauf erwähnen?

Scaramucci nach nur zehn Tagen gefeuert: Sollte man einen kurzen Job im Lebenslauf erwähnen?

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Wo Menschen zusammenarbeiten, wird es immer wieder Konflikte geben.

von Carina KontioQuelle:Handelsblatt Online

Gefeuert nach zehn Tagen – viele Bewerber teilen das Schicksal von Anthony Scaramucci. Doch welche Lücken sind im Lebenslauf kritisch? Wie sollte man richtig mit ihnen umgehen? Tipps für Job-Hopper.

Anthony Scaramucci, Trumps Kommunikationsdirektor, verliert nach nur zehn Tagen im Amt seinen Job. Gefeuert und damit ein Rekord an Kurzlebigkeit. Doch wie soll der Geschasste in Zukunft in seinem Lebenslauf damit umgehen, wenn er sich wieder auf Jobsuche begibt? Gibt man so ein kurzes Gastspiel überhaupt an?

Nun, der millionenschwere Ex-Finanzier Scaramucci muss sich um seine Karriere wohl keine allzu großen Sorgen machen. Ein Mann wie dieser verfügt sicherlich über die nötigen Kontakte und Netzwerke, um schnell wieder in Lohn und Brot zu kommen. Die Frage stellt sich viel mehr all denjenigen Menschen, die weniger einflussreich und nach einem kurzen Intermezzo wieder auf Jobsuche sind. Schauen Sie mal ins Netz, die Internetforen sind voll mit Fragen verunsicherter Bewerber, die mit ihren Unterlagen nicht gleich auf dem Absage-Stapel der Personalabteilung landen wollen. „Sollte man einen kurzen Job im Lebenslauf erwähnen?“, „Kann ich auch mal Mut zur Lücke riskieren?“ oder: „Was, wenn ich nur sehr kurz bei einem Unternehmen angestellt war?“

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Wenn Sie selbst Arbeitnehmer betroffen sind, gilt es erst einmal Ruhe zu bewahren, auch wenn es schwerfällt. Denn: Gekündigt zu werden ist zwar ein herber Rückschlag, der durchaus auch als traumatisch empfunden werden kann, er muss aber keinen Karriereknick bedeuten. Wenn Sie gehen müssen, machen Sie einfach das Beste daraus.

Diese Informationen haben im Lebenslauf nichts verloren

  • Familie

    Ihr Familienstand geht den Arbeitgeber nichts an, die Information, ob sie verheiratet, ledig oder geschieden sind und wie viele Kinder Sie haben, hat im Lebenslauf genauso wenig etwas zu suchen, wie der Beruf Ihrer Eltern oder Namen und Anzahl Ihrer Geschwister. Fragt man Personaler, stehen solche Angaben jedoch noch recht häufig in den Bewerbungsunterlagen. Dies nimmt nur Platz weg für die wirklich wichtigen Informationen.

  • Religion

    Genauso wenig hat Ihre Konfession etwas im Lebenslauf verloren. Es sei denn, Sie bewerben sich bei einer Kirche oder einer kirchlichen Organisation.

  • Kindergarten und Schulzeit

    Grundsätzlich sind nur die vergangenen zehn Jahre des Berufslebens interessant. Sie müssen im Lebenslauf weder ihren Kindergarten, noch alle besuchten Schulen aufführen.

  • Noten

    Außerdem gehören weder die Abiturnote noch die Abschlussnote vom Studium in den Lebenslauf.

  • Minijobs und Praktika

    Auch Berufseinsteiger müssen nicht jedes Schulpraktikum und jeden Nebenjob angeben. Es sei denn, er hat etwas mit der Stelle zu tun, auf die Sie sich bewerben. Dass man mit 14 Zeitung ausgetragen hat, bringt einen in der Regel jedoch nicht weiter.

  • Referenzen

    Referenzen von ehemaligen Arbeitgebern oder Kunden gehören in die persönliche Lob-Mappe oder das Profil bei einem Karriereportal. Im Lebenslauf hat das Lob allerdings nicht zu suchen.

  • Besondere Kenntnisse

    Sie können einen Text in Word schreiben oder etwas in Excel berechnen? Toll. Schreiben Sie das aber bitte nicht in den Lebenslauf, Computergrundkenntnisse werden ebenso vorausgesetzt wie sich selbstständig anziehen zu können. Eine wichtige Information wäre dagegen, welche Programmiersprachen Sie beherrschen und in welcher Sie am sichersten sind.

  • Hobbys

    Sie können Hobbys in ihrem Lebenslauf erwähnen, wenn sie etwas mit der angestrebten Position zu tun haben: Wenn Sie sich also um eine Stelle als Tierpfleger bewerben, sollten Sie unbedingt in den Lebenslauf schreiben, dass Reiten und Schlittenhunderennen zu Ihren Hobbys gehören. Wenn Sie dagegen am liebsten lesen oder telefonieren, vielleicht noch Spazieren gehen, behalten Sie es für sich. Das sagt leider nichts über Ihre Talente oder sozialen Fähigkeiten aus. Gerade passive Hobbies wie Fernsehen oder Kino werfen kein gutes Licht auf den Kandidaten.

Das Karriere-Portal Monster.de empfiehlt hier eigentlich eine klare Strategie: Ist die kurze Anstellung auf äußere Umstände zurückzuführen, können Sie diese ruhig nennen, etwa „Beendigung des Arbeitsverhältnisses wegen Insolvenz des Unternehmens“ oder „… wegen Umstrukturierungsmaßnahmen nach Fusion mit Unternehmen XY“.

Auch eine Anstellung für die Dauer eines bestimmten Projekts ist generell kein Problem, denn hier können Sie in den Fokus rücken, dass Sie als Spezialist als Verstärkung für das Team angestellt wurden.

Die härtesten Fragen im Vorstellungsgespräch

  • Wie würden Sie Probleme lösen, wenn Sie vom Mars kämen?

    Diese Frage sollte ein Bewerber auf die Stelle des Senior Recruiting Managers bei Amazon beantworten. Hier soll die Kreativität abgeklopft werden. Die Personaler wollen wissen, ob man in der Lage ist, sich in eine andere Lage hinein zu versetzen. "Ich würde zum Beispiel erzählen, wie erstaunt ich als Mars-Mensch von den Problemen auf der Erde bin, da wir auf dem Mars schon viel weiter sind", schlägt Bewerbungsexperte Jürgen Hesse vom Berliner Büro für Berufsstrategie vor.

  • Sie haben einen Sack mit einer Anzahl N von Seilen. Ziehen Sie zufällig ein Seil heraus und verknoten Sie es mit einem anderen. Wiederholen Sie dies, bis keine losen Enden mehr übrig sind. Wie viele Schlaufen haben Sie letztendlich?

    Auch solche mathematisch-logischen Fragen kommen immer wieder vor. Diese Aufgabe sollte ein Business Operations-Praktikant bei Facebook lösen. Hier muss man Aufmerksamkeit beweisen. Die Antwort ist "N Schlaufen" - es sind so viele Schlaufen, wie Seile. Denn wenn "keine losen Enden mehr übrig" sein dürfen, muss man einen Ring bilden. Hilfreich bei so einer Aufgabe ist es, sich eine kleine Skizze zu malen.

  • Warum sollten wir Sie nicht einstellen?

    Das wurde ein Personaler bei Twitter gefragt. Hier gilt das gleiche wie bei Fragen nach den Stärken und Schwächen. "Fragt man im Bewerbungstraining nach Schwächen, sieht man auf der Stirn gleich, dass demjenigen sofort mindestens drei Schwächen einfallen", erzählt Hesse. Was wir nicht können, fällt uns meist leichter auf als unsere Stärken. Solche Antworten sollte man sich im Voraus überlegen. Hier kann es auch helfen, Freunde und Familie zu fragen, die vielleicht schneller und ganz andere Stärken sehen, als man bei sich selbst finden würde. Bei der Frage, warum man eben nicht eingestellt werden sollte, kann man sich charmant herauslavieren und etwa antworten: "Bitte haben Sie Verständnis, dass ich Ihnen das jetzt nicht sagen kann - damit würde ich mich ja selbst schlecht dastehen lassen." Dann sollte man schnell wechseln und viele Gründe für eine Einstellung aufzählen.

  • Wie würden Sie einen Fahrstuhl designen?

    Als Praktikant bei Microsoft muss man sich auf solche Fragen gefasst machen. "Hier haben wir wieder eine Kreativitätsfrage", erklärt Hesse. In die gleiche Kategorie fällt die Frage "Sie wollen ein Telefon für Taubstumme entwickeln. Wie gehen Sie vor?", die ein Produkt-Manager bei Google beantworten sollte. Die Personaler wollen sehen, dass man Fantasie besitzt, außerhalb der festgefahrenen Bahnen denken kann und auch auf ungewöhnliche Fragen nicht patzig oder unhöflich reagiert. "Man lernt den Bewerber so noch einmal von einer anderen Seite kennen".

  • Wenn Sie ein Straßenschild wären, was wären Sie?

    Das wurde ein Sales Associate beim Unternehmen Pacific Sunwear gefragt. Jürgen Hesse erklärt: Hier handelt es sich um eine Psycho-Frage. Sie soll den Bewerber aus der Ruhe bringen. Doch auch die metaphorische Ebene sollte man bei solchen Fragen beachten: Wer hier "Stoppschild" antwortet, sammelt sicher Minuspunkte - wer braucht schon Bremser im Team. Charmanter wäre zum Beispiel ein Autobahn-Schild. Es weist die Richtung zu einem schnelleren Weg.

  • Wie schneiden Sie einen runden Kuchen in acht gleiche Stücke?

    Diese Frage sollte einen Investment-Praktikanten bei AIG aus dem Konzept bringen. Eigentlich ist die Lösung total einfach, man vermutet in der Formulierung nur eine Gemeinheit. Wer hier nervös wird und einen Blackout bekommt, sollte sich ein Blatt Papier und einen Stift zu Hilfe nehmen. Man malt einfach einen Kreis und macht zwei Kreuze durch - da sind die acht Stücke.

  • Wie viel wiegt eine Boeing 707?

    Ein Operations-Analyst bei Goldman Sachs Operations-Analyst bei Goldman Sachs sollte diese Frage beantworten. Wer hier sagt "zehn Tonnen" oder "zehn Megatonnen", der liegt gehörig daneben. Solche Schätz-Fragen sollen die Allgemeinbildung abklopfen - niemand erwartet eine exakte Zahl. In die gleiche Kategorie fallen Fragen wie "Was glauben Sie, wie viele Menschen in Deutschland haben ein Handy?". Man kann sich helfen, indem man sich an die Lösung herantastet und das laut ausspricht. Etwa: "Es gibt rund 82 Millionen Deutsche, wenn man Babys, sehr alte und arme Menschen abzieht, sind es vielleicht rund 60 Millionen."

  • Wie würden Sie einem achtjährigen Kind einen Dynamometer beschreiben?

    Diese Aufgabe bekam ein Technischer Ingenieur bei Tesla Motors gestellt. Der Fachmann wird wohl wissen, was ein Dynamometer ist - mit der Forderung, es kindgerecht zu erklären, soll der Job-Anwärter auch sein Gefühl für Worte beweisen und zeigen, dass er sich Mühe gibt, komplizierte Sachverhalte einem Laien geduldig zu erklären.

  • Glauben Sie an eine höhere Macht?

    "Eine klare Psycho-Frage", urteilt Hesse. So eine Frage nach dem Glauben ist eigentlich nicht erlaubt - eine Ausnahme sind kirchliche Einrichtungen. Ein Merchandiser bei PepsiCo wurde die Frage trotzdem gestellt - man sollte in so einer Situation nun nicht auf stur stellen und gar nicht antworten oder mit erhobenem Zeigefinger "Das dürfen Sie nicht fragen" antworten. Besser: Mit einer Gegenfrage kommen, etwa "Gibt es aufgrund der Tätigkeit einen bestimmten Grund, warum Sie nach meiner Konfession fragen?".

  • Was ist der kreativste Weg, wie Sie eine Uhr zerstören können?

    Wer ein Praktikum bei Apple machen will, muss sich auf diese Frage gefasst machen. Hier geht es darum, die Fantasie spielen zu lassen. Spinnen Sie einfach herum - es gibt kein Richtig und Falsch. Wem partout nichts anderes einfällt, als "drauftreten", der sollte vielleicht besser die Gegenfrage stellen, warum die schöne Uhr denn zerstört werden muss.

  • "Ein Zwerge-fressender Riese reiht zehn Zwerge der Größe nach auf...

    ... Jeder Zwerg sieht nur die kleineren Zwerge vor sich, kann sich aber nicht umdrehen. Der Riese verteilt zufällig schwarze und weiße Hüte auf die Köpfe der Zwerge, ohne dass die Zwerge ihre eigene Hutfarbe sehen. Der Riese sagt den Zwergen, dass er jeden einzelnen nach der Farbe seines Hutes fragen wird, den größten zuerst. Ist die Antwort falsch, frisst der Riese den Zwerg. Jeder Zwerg hört die Antwort seines Hintermanns, aber nicht, ob der Zwerg danach noch lebt. Bevor die Hüte verteilt werden, können die Zwerge sich heimlich beraten. Welche Strategie sollten die Zwerge wählen, um möglichst viele zu retten? Wie viele können mindestens gerettet werden?"

    Puh - mit dieser Horror-Aufgabe sah sich ein QA Automation Engineer bei BitTorrent konfrontiert. Wer bei solchen Logik-Fragen nur noch Bahnhof versteht, kann manchmal nur noch die Notbremse ziehen und sagen, dass die Aufgabe in der aktuellen Stress-Situation nicht lösbar ist. Wer dann von den Personalern beharrlich gequält wird, ist vielleicht auch in dem Unternehmen nicht richtig.

  • Sie bekommen eine Kiste mit Bleistiften. Nennen Sie zehn Dinge, die Sie damit anstellen können.

    Damit sah sich ein Verwaltungsassistent bei Google konfrontiert. "Schreiben" galt dabei nicht als Antwort. Solche Kreativitätsfragen kommen in abgewandelter Form immer wieder vor. Eine Version ist etwa "Was für Bücher gibt es?". Da sei bei vielen schon nach "Krimis" Schluss, erzählt Hesse. Andere können unzählige herunterbeten. Hier hilft das spielerische Üben solcher Brainstormings, zum Beispiel "Welche Automarken gibt es?" oder "Wie viele Farben fallen Ihnen ein?".

  • Nennen Sie so viele Microsoft-Produkte wie möglich!

    Seien Sie ehrlich: Wäre Ihnen mehr eingefallen, als "Windows"? Nicht nur, wer sich als Associate Consultant bei Microsoft vorstellt, sollte sich vorher gut über das Unternehmen, in dem man arbeiten möchte, informieren.

Anders ist die Lage, wenn sich der Arbeitgeber aus „persönlichen“ Gründen von Ihnen getrennt hat - aber auch nicht aussichtslos. Bezeichnen Sie die Anstellung eventuell als befristetes Arbeitsverhältnis oder Praktikum, raten die Monster-Experten – selbstverständlich dürfen Sie auch hier nicht offen lügen, wenn es sich anbietet, können Sie die Tatsachen aber ruhig etwas „kreativ“ darstellen. Oder erklären, dass Sie sich beruflich neu orientieren wollten.

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