Schiffsbauer: KfW-Bank stützt die Werften

26. Februar 2012, aktualisiert 26. Februar 2012, 20:15 Uhr
Im Baudock der Wadan-Werft in Wismar wird ein Containerschiff gebaut. Quelle: dpaBild vergrößern
Im Baudock der Wadan-Werft in Wismar wird ein Containerschiff gebaut. Quelle: dpa
von Thomas Bauer Quelle: Handelsblatt Online

Weil Geschäftsbanken vor der Schiffsfinanzierung zurückschrecken, springt immer öfter die staatliche KfW in die Bresche. Ihr Kreditvolumen hat sie dadurch stark aufgebläht.

FrankfurtDer Schiffbau in Deutschland leidet unter dem Rückzug vieler Banken. Die traditionellen Kreditgeber sind skeptisch, weil die Frachtraten geschrumpft sind und der Welthandel lahmt. Deshalb bremsen sie ihre Neuengagements. Darunter leidet eine Branche, in der allein die zehn größten Werften fast 15.000 Menschen beschäftigen.

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So war die HSH Nordbank früher einer der international größten Schiffsfinanciers. Doch nachdem das Institut während der Finanzkrise mit Steuergeldern und Bürgschaften gerettet wurde, hat die EU-Kommission in Brüssel die Schiffsfinanzierung der HSH Nordbank auf 15 Milliarden Euro gedeckelt. Darunter leidet das Neugeschäft der HSH Nordbank. Die Finanzierung von Großfähren und Kreuzfahrtschiffen wurde der Bank ganz untersagt. Auch wenn ein HSH-Sprecher betont, die Schiffsfinanzierung bleibe Kerngeschäft, schrumpft der Kredittopf für Reeder und Werften.

Während die HSH Nordbank ihre Kreditbremse von der EU verordnet bekam, steigen andere Banken aus, um ihre Eigenkapitalbasis an die schärferen Vorgaben der Europäischen Bankenaufsicht anzupassen.

So kündigte die italienische Großbank Unicredit jüngst an, dass sie die Schiffsfinanzierung nicht mehr zu ihrem Kerngeschäft zählt. Viele Kredite würden nach dem Ende ihrer Laufzeit nicht mehr erneuert, sagte eine Sprecherin. Die Unicredit ist mit einem Kreditbuch von neun Milliarden Euro bisher einer der zehn größten Schiffsfinanziers.

Und auch die Norddeutsche Landesbank, die gemeinsam mit ihrer Tochter, der Bremer Landesbank, mit 18 Milliarden Euro Kreditvolumen international ganz oben mitspielt, hat ihr Neugeschäft im vergangenen Jahr reduziert, wie ein Sprecher bestätigt.

Besonders die Frachtschifffahrt leidet unter der schwachen internationalen Konjunktur und dem Druck auf die Frachtraten. „Salopp formuliert kann man sagen, wenn die Entwicklung anhält, geht jeden dritten Tag eine Ein-Mann-Schiffsgesellschaft über die Wupper“, so ein Hamburger Bankier zur Lage im Norden.

In diese Lücke wird immer häufiger die staatseigene Förderbank KfW gezwungen. Seit 2011 gehe praktisch kein Großschiff mehr in den Export, ohne eine Finanzierung der KfW, beschreibt KfW-Vorstand Norbert Kloppenburg dem Handelsblatt die Situation. So hat allein die KfW über ihre Tochter Ipex vergangenes Jahr 40 Schiffsneubauten und 100 bestehende Flotten mitfinanziert. Auch Bernhard Meyer, Chef der gleichnamigen und auf Luxusliner spezialisierten Werft im schleswig-holsteinischen Papenburg, ist alarmiert: „Die Finanzierung der Kreuzfahrtschiffe der Meyer-Werft ist ohne das Engagement der KfW Ipex-Bank kaum realisierbar.“ Die Zahl der mit der Ipex-Bank in den vergangenen Jahren finanzierten Schiffe liege inzwischen allein bei seiner Werft bei über 30, so Meyer.


Die KfW ist in der Schiffsfinanzierung eine Branchengröße

Doch so stößt die KfW Ipex-Bank an Grenzen, die sie eigentlich nicht überschreiten möchte. So hat sie allein 2011 ihr Neugeschäft in der Schiffsfinanzierung um 50 Prozent auf 1,98 Milliarden Euro ausgeweitet. Ihr Kreditvolumen stieg damit um knapp eine Milliarde Euro auf 14,3 Milliarden Euro. Die KfW ist mittlerweile eine wesentliche Branchengröße in der Schiffsfinanzierung – und dazu die am schnellsten wachsende. Eine Prognose für das Kreditvolumen in diesem Jahr ist von der KfW noch nicht zu bekommen, wohl auch, um das angekündigte Jahresziel, die Kreditvolumina auf Vorjahresgröße zu halten, nicht bereits im Februar schreddern zu müssen.

Doch wird daran wahrscheinlich kein Weg vorbeiführen, wenn der Trend sich fortsetzt. Die Kredite der Ipex-Bank sichern nicht nur Aufträge und Jobs der Werften, sondern auch der Zulieferer. Rund 700.000 Stellen im deutschen Maschinen- und Anlagenbau hängen am Schiffbau, viermal mehr als bei den Werften selbst. Insbesondere die internationalen Hersteller von Schiffen für die Öl- und Gasexploration füllen hoch spezialisierten deutschen Mittelständlern die Auftragsbücher.

Doch nicht nur bei Schiffen geht ohne die nach Bilanzsumme drittgrößte deutsche Bank immer weniger. Die Anträge stiegen auch in allen Bereichen der Export- und Projektfinanzierung, sagt KfW-Vorstand Kloppenburg.

Bei der Exportfinanzierung nimmt die KfW Ipex-Bank allerdings nur Anfragen ab zehn Millionen Euro entgegen. Da aber auch die mittelständische Nachfrage unterhalb dieser Schwelle seit Jahren steigt, vermittelt die KfW diese Unternehmen inzwischen an die AKA Bank weiter. Die AKA Bank in Frankfurt betreibt Export- und Handelsfinanzierungen im Auftrag von 19 deutschen Banken. Die KfW hat sich 2011 in den Gesellschafterkreis eingekauft. „Auch heute müssen wir noch viele kleinvolumige Kreditanfragen abweisen, weil sie nicht in unser Geschäftsmodell passen. Aber jetzt können wir den Unternehmen wenigstens sagen, an wen sie sich wenden können“, so KfW-Vorstand Kloppenburg.

Damit aber auch Mittelständler mit Exportkreditanfragen zwischen 500.000 und fünf Millionen Euro nicht im Regen stehen bleiben, hat die KfW eine Kooperation mit der Luxemburger Tochter der kanadischen Northstar begonnen. Die Kanadier haben nur standardisierte Exportkredite im Angebot, locken dafür aber mit niedrigen Gebühren.

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