Schiffskredite: Berenberg lässt eine halbe Milliarde Dollar vom Stapel

Schiffskredite: Berenberg lässt eine halbe Milliarde Dollar vom Stapel

, aktualisiert 04. Juli 2016, 10:23 Uhr
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Die Charterraten für Schiffe und die Frachtpreise für den Transport von Containern und Rohstoffen sind in den Jahren nach der Finanzkrise abgestürzt.

Quelle:Handelsblatt Online

Deutsche Banken haben sich aus der Finanzierung von Containerschiffen weitgehend zurückgezogen. Diese Lücke will Deutschlands ältestes Geldhaus schließen - und holt sich dafür viel Kapital bei einem Finanzinvestor.

FrankfurtDie Hamburger Privatbank Berenberg hat sich sich eine Private-Equity-Finanzierung über rund 500 Millionen Dollar gesichert, um in Schiffskredite zu investieren. Die Anlageklasse, die viele Konkurrenten des Bankhauses links liegen lässt, gewinnt in Niedrigzinszeiten offenbar wieder an Attraktivität.

Das älteste Bankhaus Deutschlands hat Ende Juni eine Absichtserklärung mit einer internationalen Investmentfirma unterzeichnet, die nicht namentlich genannt werden will. Gemeinsam wollen beide Vertragspartner Kredite an die etwa 400 Schifffahrtskunden von Berenberg vergeben. 

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Sie wollten damit einige der Lücken füllen, die andere hinterlassen hätten, sagte Philipp Wünschmann, Leiter Schiffsfinanzierung bei Berenberg, in einem Interview. Die größten Schiffsfinanzierer Deutschlands haben sich aus der Neukreditvergabe zurückgezogen oder sie gedrosselt - und konzentrieren sich verstärkt auf die Abwicklung alter Darlehen, die nach der Finanzkrise in Schieflage geraten waren. 

Die Charterraten für Schiffe und Frachtpreise für den Transport von Containern und Rohstoffen sind in den Jahren nach der Finanzkrise abgestürzt, als sich der Welthandel abkühlte und neue Schiffe, von denen viele vor dem Crash bestellt worden waren, die Welthandelsflotte ausweiteten. Die Überkapazitäten vergrößerten sich dadurch noch, die Schiffspreise gerieten weiter unter Druck. Nachdem die Preise nun nahe dem Schrottwert liegen, sind die Ausfallrisiken geringer, und die Kreditvergabe wird für renditehungrige Investoren risikoärmer. 

Berenberg zielt auf „US-Dollar-basierte Fonds“ und „institutionelle Großanleger“, die „dem Thema Shipping schon viel näher als viele europäische InvestorenV stehen, erklärt Wünschmann, der vor einem Jahr zu Berenberg kam und die Leitung eines 20-köpfigen Teams übernahm. „Viele PE-Firmen wollen in einer Assetklasse wie Shipping nicht eigene Leute anstellen, daher brauchen sie unsere Expertise“, ergänzt der ehemalige Commerzbank-Mitarbeiter.

Die Partner wollen sogenannte Unitranche-Kredite anbieten, die Komponenten vorrangiger und nachrangiger Kredite kombinieren. Dadurch kann die Beleihungsquote, ein wichtiger Risikofaktor, auf 70 Prozent angehoben werden, im Vergleich zu etwa 40 Prozent bei einzelnen Darlehen, erläuterte Wünschmann. 

Der Private-Equity-Partner fährt einen anderen Ansatz als andere Investmentfirmen in der Vergangenheit. WL Ross, Oaktree Capital, Blackstone und andere wollten nach der Finanzkrise mit Schiffen - nicht mit Krediten - Geld verdienen, finanzierten neue Schiffe und kauften gebrauchte Modelle zu Niedrigpreisen. Ihre Absicht, auf einer weltweiten Erholungswelle mitzuschwimmen, habe sich wegen der Flaute im Container- und Trockengutmarkt bislang aber nicht erfüllt, und der Kapitalzufluss habe die Überkapazitäten, unter denen der Markt leide, nur verschlimmert, sagt Wünschmann.

„Viele Private-Equity Firmen haben sich in den letzten Jahren die Finger verbrannt“, erklärt er. Viele Investments seien „ohne substanzielle Analyse geschehen, nur auf der Basis, dass hier ein Markt am Boden ist, wo es eine Commodity- und eine China-Story gibt“. Es sei „an der Zeit, die Schifffahrt anders zu positionieren“, mit konservativeren Kreditinvestments.


Jahresrenditen von bis zu zehn Prozent erwartet

Berenberg strebe jährliche Renditen von bis zu zehn Prozent an, verglichen mit bis zu fünf Prozent für Kredite mit niedrigeren Beleihungsquoten, kündigt Wünschmann an. Gebrauchte Schiffe würden zu Preisen nahe dem Schrottwert verkauft, daher sei die Gefahr eines weiteren Rückgangs sehr gering, und das Chance-Risiko-Profil verbessere sich. 

Die Versuche einiger Investoren, mit notleidenden Schiffskrediten Geld zu verdienen, seien ein „Trugschluss“, sagt Wünschmann. „Seit der Lehman-Pleite sind acht Jahre vergangen, das heißt, die Schiffe, die dahinter stehen, sind acht Jahre oder älter, auch das Schiffsdesign ist nicht mehr unbedingt auf dem letzten Stand.“

Die Kredite, die Berenberg von anderen Banken erwirbt, würden auch für einen neuen in Luxemburg angesiedelten Fonds verwendet, der im Mai aufgelegt wurde, nach Ankündigung im Februar 2015, so Wünschmann. Bei diesem hypothekenbesicherten Wertpapierfonds agiert Berenberg als Mittler zwischen Schiffseignern und institutionellen Investoren. Der Fonds werde auch neu vergebene Kredite beinhalten, die mit Schiffen verschiedener Größe und Typs besichert sind, sagte er.

Berenberg, die insgesamt Vermögen von 40 Milliarden Euro verwaltet, hat sich in ihrem Schiffsgeschäft in der Vergangenheit auf kurzfristige Kredite und die Begleitung von Containerreedereien wie Hapag-Lloyd bei Anleiheemissionen und Börsengängen konzentriert. Die Ausfallquote der Bank bei den in den letzten zehn Jahren vergebenen Schiffskrediten im Volumen von zusammen rund einer Milliarde Euro liege unter einem Prozent, erklärte Wünschmann.

Quelle:  Handelsblatt Online
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