Schiffskredite: „Interessantes Chancen-Risiko-Profil“

Schiffskredite: „Interessantes Chancen-Risiko-Profil“

, aktualisiert 08. August 2016, 19:09 Uhr
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Die großen Banken wollen Schiffskredite loswerden, kleinere Schnäppchenjäger wittern eine Chance.

Quelle:Handelsblatt Online

Traditionelle Schiffsfinanzierer wie die HSH Nordbank bauen Milliarden an Schiffskrediten ab. Die ersten Investoren wittern schon eine Chance, in das Geschäft mit den Ozeanriesen günstig einzusteigen.

HamburgDie Landesbank aus dem Norden ist nicht allein mit dem Plan, das einstmals lukrative Geschäft mit Schiffskrediten herunterzufahren. Die Commerzbank baut schon seit Jahren ihre Bestände ab, die Deutsche Bank zieht mit Verzögerung nach. Die NordLB und die Bremer Landesbank wollen gern Schiffskredite loswerden, ebenso die Royal Bank of Scotland und nach wie vor auch die HSH Nordbank. Aber es gibt auch Investoren, die jetzt solche Kredite in die Bücher nehmen. Was für die einen eine "Unwucht in der Bilanz" ist, ist für andere eine interessante Chance, in das Geschäft einzusteigen. Denn die Kredite kommen mit deutlichen Abschlägen auf den Markt.

Dass so viele Großbanken ihre Schiffsfinanzierungen loswerden wollen, hängt auch mit den Vorschriften für die Unterlegung von riskanten Geschäften mit Eigenkapital zusammen. Zu hohe Summmen in der Schiffsfinanzierung stellen für die Banken ein Klumpenrisiko dar. Laut Paul Slater, Chef der Finanzberatung First National, haben oder hatten deutsche Banken mehr als 50 Milliarden Dollar faule Schiffskredite in den Büchern. 

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Das starke maritime Engagement deutscher Kreditinstitute beruht auf den Erfolgen der Vergangenheit. Bis zum Jahr 2008 boomte die Schifffahrt. Deutsche Reeder bauten die größte Containerschiffsflotte der Welt auf; zeitweise kontrollierten sie mehr als 3500 Schiffe. Begünstigt wurde die starke Position der deutschen Schifffahrt durch Steuervorteile für Anleger und das Engagement der Schiffsbanken. Die HSH Nordbank wurde so zum größten Schiffsfinanzierer der Welt. Die deutschen Banken finanzierten weltweit Tanker und Massengutschiffe, Containerfrachter und alles, was schwimmt. 

Doch seit 2009 ist die Schifffahrt von einer tiefgreifenden Krise ergriffen; viele Schiffe fahren kaum ihre Betriebskosten ein und können Zins und Tilgung für die Kredite nicht mehr bedienen. Auch für wohlhabende Anleger wurde manche Schiffsbeteiligung zum Alptraum, die kein Geld einbrachte, sondern nur kostete. Folglich verfielen auch die Preise für gebrauchte Schiffe, die als Sicherheit für die Kredite damit nicht mehr ausreichten. Mit allerlei kreativen Instrumenten, Stundungen, Streckungen, Nachschüssen, Tilgungspausen und Ähnlichem konnten Banken und Reeder bislang die Pleitewelle eindämmen.

Aber die deutsche Flotte schrumpft und neue Kredite vergeben die Banken kaum noch. Die zersplitterte Branche der Charterreedereien scheint in dieser Form kaum mehr zukunftsfähig. 

Weltweit sieht die Lage etwas anders aus. Die 30 größten Schiffsbanken haben Kredite in Höhe von 300 bis 400 Milliarden Dollar vergeben. Die gebrauchten Schiffskredite, die nun auf den Markt kommen, lassen sich nicht genau beziffern; es dürften um die 20 Milliarden Euro sein. Das ist viel, aber gemessen am Gesamtmarkt doch überschaubar. Der Verkaufsdruck ist dabei für die einzelnen Institute unterschiedlich. Die HSH Nordbank muss unbedingt noch Kredite loswerden, ehe sie selbst verkauft werden kann; andere Institute können das Thema gelassener angehen.

Am Ende wird der Preis entscheiden. Die Länder haben die HSH-Kredite mit einem Abschlag von rund 50 Prozent gekauft. Im Sommer 2015 lag die gängige Rate für den Weiterverkauf von Schiffskrediten bei rund 93 Prozent; heute sagt man, die verkäufliche Rate läge eher bei 80 bis 85 Prozent. Nachfrager sind andere Banken, Versicherungen, Hedgefonds, Private-Equity-Fonds und andere Investoren. Es gibt genug Geld auf der Welt, das nach sicherer und rentierlicher Anlage sucht. Aber es will niemand große Risiken eingehen.

Für clevere Investoren wie die Hamburger Berenberg Bank ist der Zeitpunkt gekommen, wieder einzusteigen. „Wir sehen in dem Markt ein interessantes Chancen-Risiko-Profil“, sagt Tobias Bittrich, Leiter Corporate Banking. Die Privatbank hatte in der Vergangenheit kein großes Portfolio in der Schifffahrt aufgebaut, wohl aber eine gute Expertise. Die nutzt sie jetzt, um ihr Engagement hochzufahren. 

„Weil viele Investoren den gesamten Schifffahrtsbereich meiden, sind am Markt Überrenditen zu erzielen“, sagt Bittrich. Berenberg erhöht daher sein eigenes Kreditbuch um ein Drittel und eröffnet zudem Investoren die Möglichkeit, insgesamt dreistellige Millionenbeträge in Schiffskredite zu investieren.

Quelle:  Handelsblatt Online
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