Schneller schlau: Alien-Gruß aus der Urzeit

Schneller schlau: Alien-Gruß aus der Urzeit

, aktualisiert 26. Januar 2017, 15:19 Uhr
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Mit seinem dreieckigen Kopf ähnelt das Urzeit-Insekt einem Alien.

von Thomas TröschQuelle:Handelsblatt Online

Mit einer verblüffend einfachen Zeitmaschine ist dieser exotisch anmutende Fremde 100 Millionen Jahre durch die Zeit gereist, um uns seine Geheimnisse anzuvertrauen. Ein Rätsel lässt sich allerdings nicht lösen.

Aliens, die per Zeitmasche in Vergangenheit oder Zukunft reisen, sind ein beliebter Science-Fiction-Stoff. Für George Poinar ist diese Fiktion nun Realität geworden: Der Wissenschaftler der Oregon State University hat ein Alien entdeckt, das an Bord einer Zeitmaschine aus einer fernen Vergangenheit bis in unsere Gegenwart gereist ist. Mehr noch: Poinar gelang es sogar, das so fremd anmutende Wesen zu fotografieren und ihm einige seiner Geheimnisse zu entlocken.

Der Name des Zeitreisenden ist, wie es sich für ein Alien gehört, ein wenig kompliziert: Aethiocarenus burmanicus. Dafür ist die Zeitmaschine, mit deren Hilfe der Fremde rund 100 Millionen Jahre überbrückte, von verblüffender Einfachheit: ein kleines Stück Bernstein, das im fernen Myanmar – einst Burma – entdeckt wurde.

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Das gelbe Mineral, heute ein beliebter Schmuckstein, tropfte vor Urzeiten als Harz von den Bäumen. Wer das Pech hatte, klein genug zu sein, um von einem Harztropfen umschlossen zu werden, blieb nach dem Aushärten des Harzes wie in einer Zeitkapsel gefangen für die Ewigkeit. Vieles, was wir heute über die Welt vor Urzeiten wissen, stammt aus solchen Bernstein-Funden.

Auch Aethiocarenus burmanicus muss vor 100 Millionen Jahren zur falschen Zeit auf dem falschen Ast gesessen haben. Ein einzigartiger Glücksfall für Insektenforscher Poinar: „Ich habe so etwas noch nie gesehen. Es dürfte in der Welt der Insekten einzigartig sein“, so der Forscher, dessen Wort Gewicht hat, gilt er doch als einer der führenden Experten für in Bernstein eingeschlossene Fossilien.


Auf eine Frage gibt die Zeitmaschine keine Antwort

Vor allem der dreieckige Kopf mit den markanten Glubschaugen fasziniert den Wissenschaftler: „Die Ähnlichkeit des Kopfes mit der typischen Art, wie Aliens porträtiert werden, ist verblüffend. Der lange Hals, die riesigen Augen und der seltsam längliche Kopf erinnern mich an E. T.“ Einst muss die Kombination aus großen Augen und beweglichem Kopf dem Insekt eine gute Rundumsicht ermöglicht haben, sodass es Fressfeinde schon früh erspähen konnte.

Von denen dürfte es im Lebensraum von A. burmanicus einige gegeben haben: Das flügellose Tierchen bevölkerte einst die Rinde von urzeitlichen Bäumen, wo es seinerseits auf Milben und kleine Würmer Jagd machte. Als zusätzlichen Schutz besaß A. burmanicus winzige Drüsen im Nacken, aus denen es wohl ein Sekret absondern konnte, dass Feinden den Appetit auf den Insektenhappen verderben sollte. Auch diese Drüsen sind im klaren Bernstein gut zu erkennen.

Bleibt die Frage, warum ein so gut gerüstetes Lebewesen schließlich doch ausstarb. Poinar vermutet eine Veränderung im Lebensraum der Tiere – etwa das Verschwinden der von A. burmanicus bevorzugten Bäume. Leider gibt die Zeitmaschine, mit der das Insekt in unsere Tage gereist ist, auf diese Frage keine Antwort.

Quelle:  Handelsblatt Online
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