Schneller schlau: Als Pilze in den Himmel wuchsen

Schneller schlau: Als Pilze in den Himmel wuchsen

, aktualisiert 07. Juni 2016, 14:07 Uhr
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Wie Bäume ragten die riesigen Pilze in der Landschaft auf. (Illustration: Mary Parrish; National Museum of Natural History/University of Chicago)

von Thomas TröschQuelle:Handelsblatt Online

Mit diesem Pilz ließe sich vermutlich eine ganze Kleinstadt versorgen. Allerdings weiß niemand, ob er tatsächlich essbar wäre. Und das ist nicht das einzige Rätsel, das uns der Riesenpilz Prototaxites aufgibt.

Nehmen wir an, Prototaxites wäre nicht vor Jahrmillionen ausgestorben. Und nehmen wir weiter an, ein eifriger Pilzfreund unserer Tage würde es schaffen, ein Exemplar dieses urzeitlichen Landbewohners zu einem schmackhaften Tellergericht zu verarbeiten. In diesem hypothetischen Fall hätte der gute Mensch eine Mahlzeit geschaffen, die wohl eine Kleinstadt satt machen würde.

Tatsächlich halten die vor etwa 400 Millionen Jahren existierenden Prototaxiten den Rekord als größte Pilze der Erdgeschichte – wenn es sich bei den Organismen, deren riesige Fossilien auf uns gekommen sind, denn tatsächlich um Pilze handelte. Dafür gibt es handfeste Indizien, die aber nicht alle Wissenschaftler restlos überzeugen. Doch der Reihe nach.

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Bis zu neun Meter hoch, so haben Forscher rekonstruiert, ragten die Urzeitpilze einst auf. In der Welt des Devon, wie Wissenschaftler diesen Zeitabschnitt der Erdgeschichte nennen, müssen sie ein beeindruckendes Bild abgegeben haben – umso mehr, als sich die Pflanzen, Moose und Flechten jener Tage kaum über den Boden erhoben.

Die bis zu ein Meter dicken Stämme der Prototaxiten ragten als einsame Giganten aus diesem Zwergenwuchs auf. Die Riesen brauchten sich um ihre Zukunft zunächst keine Sorgen zu machen: Landwirbeltiere, deren hungrige Mäuler das Wachstum der Riesenpilze hätten stören können, betraten erst gegen Ende des Devon-Zeitalter die Bühne der Erdgeschichte.

Pilze so groß wie Bäume – das war für manchen Wissenschaftler allerdings eine sehr obskure Vorstellung. Und so entwickelten sich nach der Entdeckung des ersten Prototaxiten-Fossils gegen Ende des 19. Jahrhunderts mehrere Theorien darüber, was der urzeitlichen Riesenorganismus denn nun eigentlich war: Baum, Riesenalge, Flechte – oder eben doch ein Pilz?


Sein langsames Wachstum wird ihm zum Verhängnis

Den stärksten Beleg für die Pilz-Theorie lieferten Wissenschaftler der Universität Chicago vor einigen Jahren. Sie entdeckten, dass Prototaxiten eine andere Zusammensetzung an Kohlenstoffisotopen aufwiesen als die Pflanzen, die zur gleichen auf der Erde wuchsen.

Das deutet auf eine völlig andere Ernährung der Giganten hin: Während Pflanzen auf die Photosynthese zur Energiegewinnung setzen, holten sich die Prototaxiten ihre Nährstoffe wohl aus abgestorbener Biomasse – ganz so, wie Pilze es heute noch tun.

Für die Pilz-Theorie spricht auch, dass die Prototaxiten nach Pilz-Art eher langsam wuchsen. Genau das wurde den Giganten dann schließlich auch zum Verhängnis: Als gegen Ende des Devon die ersten pflanzenfressenden Tiere die Erde bevölkerten, waren die Riesenpilze nicht in der Lage, Fraßschäden durch rasches Wachstum zu kurieren.

Und so verschwand der größte Pilz der Erdgeschichte allmählich aus der Landschaft, lange bevor ihn ein Mensch zu einem Pilzgericht hätte verarbeiten können.

Quelle:  Handelsblatt Online
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