Schneller schlau: Ein Mammut als Stolperfalle

Schneller schlau: Ein Mammut als Stolperfalle

, aktualisiert 02. Februar 2017, 15:08 Uhr
Bild vergrößern

Darstellung von zwei Mammuts in der Schillathöhle im südniedersächsischen Süntel. Nicht alle Arten der urzeitlichen Rüsseltiere waren Giganten.

von Thomas TröschQuelle:Handelsblatt Online

Wir kennen Mammuts als die mächtigen Bewohner eiszeitlicher Kaltsteppen. Doch nicht alle Vertreter dieser urzeitlichen Rüsseltiere waren Giganten. Auf einer Insel im Mittelmeer lebte einst sogar ein echter Mammut-Zwerg.

Elefanten sind zwar die größten heute lebenden Landtiere, an die Körperdimensionen ihrer ausgestorbenen Vorfahren reichen sie jedoch nicht heran. Das Steppenmammut etwa, das vor über 500.000 Jahren durch die eiszeitliche Landschaft stapfte, war mit bis fünf Metern Größe und einem Gewicht, das Forscher auf bis zu 10 Tonnen schätzen, deutlich imposanter als alle heute lebenden Rüsseltiere.

Hätte es diesen Giganten vor etwa 700.000 Jahren auf die Insel Kreta verschlagen, wäre er dort möglicherweise über einen engen Verwandten gestolpert. Und das ist in diesem Fall durchaus wörtlich gemeint, denn das Kreta-Zwergmammut (Mammuthus creticus) lebte etliche Etagen tiefer: In Körpergröße und Gewicht ähnelte es eher einem heutigen Schaf und wäre von seinem großen Vetter nicht unbedingt als seinesgleichen wahrgenommen worden.

Anzeige

Dabei dürften beide Arten auf einen gemeinsamen Vorfahren zurückgehen. Einst, das haben Forscher rekonstruiert, könnten die Ahnherrn des Mini-Mammuts Kreta schwimmend erreicht haben. Doch warum entwickelte sich aus den durchaus mächtigen Anfängen letztlich eine derart kleinwüchsige Art?

Dahinter steckt ein Phänomen, das Forscher mit dem Begriff „Inselverzwergung“ umschreiben. Manche Arten, die isoliert auf einer Insel existieren, werden im Lauf der Zeit immer kleiner, verglichen mit Verwandten, die in weniger abgeschiedenen Lebensräumen existieren.

Die Wissenschaft kennt etliche Beispiele einer solchen Verzwergung, von Rentieren über Flusspferde bis hin zum Menschen – hier gilt der auf der indonesischen Insel Flores entdeckte Homo floresiensis als Beispiel. Auch unter den Rüsseltieren lassen sich weitere Beispiele finden, etwa den einst auf Sizilien und Malta beheimateten Sizilianischen Zwergelefanten, der sogar noch kleiner war als das Kreta-Zwergmammut.

Gemeinsam ist all diesen Arten, dass sie Lebensräume bevölkerten, in denen – bedingt durch die Insellage – oft nur begrenzte Nahrungsressourcen zur Verfügung standen. Andererseits bot die Isolation oft auch besseren Schutz, weil die Zahl möglicher Feinde oder Konkurrenten überschaubar blieb. Dadurch fehlte aber auch die Notwendigkeit, sich mit entsprechender Größe im Wettbewerb um Nahrung und Lebensraum durchzusetzen.

Übrigens kennt die Wissenschaft auch den gegenteiligen Effekt, den sogenannten Inselgigantismus, bei dem isoliert lebende Arten größer werden als ihre Verwandten in anderen Lebensräumen. Biologen haben daraus die „Inselregel“ abgeleitet: Kleinere Tiere werden auf Inseln oft größer, größere dagegen kleiner als vergleichbare Arten auf dem Festland.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%