Schneller schlau: Kosmischer Geisterfahrer rast durchs Sonnensystem

Schneller schlau: Kosmischer Geisterfahrer rast durchs Sonnensystem

, aktualisiert 30. März 2017, 13:07 Uhr
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Die Nasa-Illustration zeigt den Planeten Jupiter und einige seiner Trojaner - Asteroiden, die auf der Umlaufbahn des Planeten in gleicher Richtung die Sonne um kreisen. (Illustration: Nasa/JPL-Caltech/dpa)

von Thomas TröschQuelle:Handelsblatt Online

Er ist klein, schnell – und rast auf ungewöhnlicher Bahn durch unser Sonnensystem: Als eine Art kosmischer Geisterfahrer umkreist der Asteroid 2015 BZ509 unsere Sonne. Auf seiner ungewöhnlichen Bahn lauern Gefahren.

Geisterfahrer gibt es nicht nur auf unseren Autobahnen – auch in unserer kosmischen Nachbarschaft sind ein paar dieser gefährlichen Irrläufer unterwegs. Während sich fast alle Objekte unseres Sonnensystems – Planeten, Asteroiden, Kometen – in derselben Richtung um die Sonne bewegen wie die Erde, kreisen einige Himmelskörper in entgegengesetzter Richtung um unser Zentralgestirn.

2015 BZ509 ist so ein Kandidat: Er zählt zu den etwa 100 von einer Million bekannten Asteroiden, die sich entgegen der üblichen Flugrichtung durchs All bewegen. Astronomen zählen ihn zur Klasse der Trojaner – so werden Asteroiden genannt, die der Bahn eines Planeten um die Sonne folgen, dabei aber auf sicherem Abstand zu ihm bleiben.

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Jupiter, der größte Planet unseres Sonnensystems, hat auch die meisten bekannten Trojaner – rund 6000. Einer davon ist 2015 BZ509, den Astronomen jetzt mit dem Large Binocular Telescope in Arizona aufspürten. Dass er sich so vergleichsweise nah bei einem planetaren Schwergewicht aufhält, macht ihn in der Schar der kosmischen Geisterfahrer einzigartig – wirft aber auch Fragen auf. Denn die Gravitation des riesigen Planeten müsste den kaum drei Kilometer großen Brocken eigentlich längst aus seiner Bahn geworfen oder eingefangen haben.

Tatsächlich konnten Forscher um Paul Wiegert von der Universität von West-Ontario aber nachweisen, dass 2015 BZ509 seit mindestens einer Million Jahren stabil Kurs hält – und dies wohl auch noch mindestens eine Million Jahre lang weiter tun wird. Was also sorgt dafür, dass der Asteroid kein Opfer seiner ungesunden Fahrweise wird?


Störeffekte heben sich auf

Die Forscher sehen den Schlüssel dafür in den regelmäßigen Begegnungen zwischen Jupiter und seinem kleinen Begleiter. „Relativ nahe Begegnungen mit Jupiter finden zweimal während jedes Orbits statt, eine innerhalb und die andere außerhalb von Jupiters Umlaufbahn“, erläutert Martin Connors von der kanadischen Athabasca-Universität, einer der an der Erforschung von 2015 BZ509 beteiligten Forscher.

Beide Begegnungen stören zwar die Asteroidenbahn, doch mit jeweils gegenteiligem Effekt, sodass sich die Störungen letztlich gegenseitig aufheben. So bleibt 2015 BZ509 stabil auf Kurs und nähert sich dem Riesenplaneten nie mehr als 176 Millionen Kilometer an – etwa der Abstand Erde – Sonne und damit eine Entfernung, in der Jupiters Gravitation keinen nachhaltigen Schaden anrichten kann.

Trotzdem bleibt noch vieles an 2015 BZ509 rätselhaft. So wissen die Forscher zum Beispiel noch nicht, wie der Asteroid auf seine ungewöhnliche Umlaufbahn gelangte. Der kleine Geisterfahrer könnte also noch für einige Überraschungen gut sein.

Quelle:  Handelsblatt Online
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