Schneller schlau: Streng riechender stellarer Tempobolzer

Schneller schlau: Streng riechender stellarer Tempobolzer

, aktualisiert 09. Februar 2017, 13:01 Uhr
Bild vergrößern

Auf dem Bild des Weltraumteleskops Hubble ist das vom Stern in zwei Richtungen abströmende Gas (weiß bis gelbbraun) gut zu erkennen. (Foto: ESA/Hubble & NASA)

von Thomas TröschQuelle:Handelsblatt Online

Was stinkt nach faulen Eiern und ist fast eine Million km/h schnell? Die Antwort liegt rund 5000 Lichtjahre von der Erde entfernt und ist vom Weltraumteleskop Hubble ins Visier genommen worden.

Gleich in doppelter Hinsicht atemberaubend ist das astronomische Objekt, das sich hinter der trockenen Bezeichnung OH 231.8+04.2 verbirgt. Zum einen ist dieser rund 5000 Lichtjahre entfernte Nebel reich an Schwefelverbindungen, die für ihr strenges Aroma berüchtigt sind – was dem Gebilde den englischen Beinamen „Rotten Egg Nebula“ bescherte.

Zum anderen erreichen die Gase dieses gigantischen faulen Eis Geschwindigkeiten, die einem buchstäblich den Atem verschlagen. Aber der Reihe nach.

Anzeige

Ursprünglich war OH 231.8+04.2 ein Stern, der unserer Sonne ähnelte. Solche vergleichsweise kleinen Himmelslichter beenden ihr Dasein als Planetarische Nebel – ein Name, der zu Zeiten entstand, als Astronomen noch Planeten hinter den farbenprächtigen Nebelgebilden vermuteten.

Planetarische Nebel bestehen aus den äußeren Gasschichten eines Sterns, der seinen Brennstoff – Wasserstoff – aufgebraucht hat. Während der Kernbereich des Sterns zu einem Weißen Zwerg zusammenfällt, verteilt sich das Gas im All und wird durch die Strahlung des sterbenden Sterns zum Leuchten gebracht – ein Planetarischer Nebel ist geboren.

Für Astronomen ist OH 231.8+04.2 ein seltener Glücksfall, denn er befindet sich genau in der Phase des Übergangs zwischen Stern und Nebel. Sein Gas hat sich noch nicht weiträumig im All verteilt, sondern strömt in zwei Säulen in entgegengesetzter Richtung vom Stern ab. Dabei erreicht es extrem hohe Geschwindigkeiten von fast einer Million Kilometer pro Stunde.


Blick in die Zukunft der Sonne

Dieser Zustand, von Forschern auch „Protoplanetarischer Nebel“ genannt, dauert nach astronomischen Maßstäben nur einen Wimpernschlag – spätestens in 1000 Jahren wird die Entwicklung zum Planetarischen Nebel abgeschlossen sein. Einige 10.000 Jahre später hat sich das Gas dann so weit im Raum verteilt, dass der Nebel unsichtbar wird.

Für uns ist OH 231.8+04.2 nicht nur ein gut zu beobachtendes „Labor“ zur Erforschung der Sternentwicklung, er liefert uns auch Anschauungsmaterial für das Schicksal unserer eigenen Sonne. Denn auch unser Zentralgestirn wird in einigen Milliarden Jahren seinen Kernbrennstoff verbraucht haben und sich dann zu einem Planetarischen Nebel entwickeln.

Von der Erde aus wird man dieses Schauspiel allerdings wohl nicht mehr bestaunen können: Unser Planet wird vermutlich schon lange vorher von der sich ausdehnenden Sonne geschluckt werden.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%