Schneller schlau: Warum fressen Seevögel eigentlich Plastik?

Schneller schlau: Warum fressen Seevögel eigentlich Plastik?

, aktualisiert 11. November 2016, 13:39 Uhr
Bild vergrößern

Der Duft von Algen, die auf im Meer treibendem Plastik wachsen, lockt die Vögel an.

von Thomas TröschQuelle:Handelsblatt Online

Plastikmüll im Meer stellt für Seevögel eine potenziell tödliche Gefahr dar: Der Kunststoff ist giftig und kann zudem den Verdauungstrakt schwer schädigen. Doch was macht den Kunststoff so verlockend für die Tiere?

Immer mehr Plastikmüll schwimmt in unseren Ozeanen: Pro Jahr gelangen rund acht Millionen Tonnen Plastik in die Meere. Dort überdauert der kaum zersetzbare Kunststoff über Jahrzehnte und bildet eine ständige Gefahr für Meerestiere und Vögel. Etwa 90 Prozent aller Seevögel, so schätzen Forscher, haben schon einmal Plastik verzehrt.

Für Tiere, die häufiger Plastik mit Futter verwechseln, kann das tödlich enden: Der Kunststoff vergiftet sie allmählich oder er blockiert ihren Verdauungstrakt, sodass sie schließlich verhungern.

Anzeige

Ebenso bekannt wie das Problem selbst ist auch die Tatsache, dass einige Vogelarten anfälliger dafür sind als andere. So stürzen sich Albatrosse besonders häufig auf im Meer treibende Plastikstückchen und verschlingen sie. Warum das so ist, haben Wissenschaftler der University of California jetzt herausgefunden.

Die Forscher ließen kleine Kugeln aus drei häufig verarbeiteten Kunststoffen für einige Wochen im Meer vor der kalifornischen Küste treiben. Anschließend wurden die Plastikkügelchen im Labor auf etwa vorhandene Duftstoffe untersucht. Denn Albatrosse und einige andere Seevogel-Arten spüren eine ihrer Lieblingsspeisen – Kleinkrebse – über einen Stoff namens Dimethylsulfid (DMS) auf. Diese schwefelhaltige, geruchsintensive Verbindung entsteht, wenn die kleinen Krebstiere selbst auf Nahrungssuche gehen und Algen fressen.

Mit ihren feinen Geruchssensoren können die Albatrosse Meeresgebiete aufspüren, in denen besonders viel DMS freigesetzt wird – und damit der Tisch für sie reich gedeckt ist. Doch genau das wird ihnen beim Plastikmüll zum Verhängnis: Wie die Forscher nachweisen konnten, bildet sich auf dem im Wasser treibenden Plastik mit der Zeit ein Algenteppich, der ebenfalls DMS freisetzt – und so die Vögel fatalerweise zum Fressen animiert.


Tödliche Geruchsfalle

Gestützt auf ihren Freilandversuch, werteten die Forscher Studien zu mehr als 13.000 Seevögeln aus. Und tatsächlich zeigte sich, dass Plastik sechs Mal häufiger in den Mägen von Vögeln zu finden war, die den DMS-Geruch zur Beutejagd nutzten, als bei Vögeln, die ihre Beute nur auf Sicht jagten. Der Plastikmüll im Meer wird für die Tiere zur potenziell tödlichen Geruchsfalle.

„Tiere haben normalerweise einen guten Grund für die Entscheidungen, die sie treffen“, so Matthew Savoca, der Leiter der Untersuchung. „Wenn wir wirklich verstehen wollen, warum Tiere im Meer schwimmendes Plastik fressen, müssen wir darüber nachdenken, wie Tiere ihre Nahrung finden.“

Denn das Problem betrifft nicht allein die Seevögel: Auch Fische, Meeresschildkröten und viele andere marine Lebewesen sind durch den Plastikmüll in unseren Ozeanen gefährdet.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%