Schülerwettbewerb econo=me: Die Angst vor den niedrigen Zinsen

Schülerwettbewerb econo=me: Die Angst vor den niedrigen Zinsen

, aktualisiert 01. Juni 2017, 14:20 Uhr
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Über Finanzen wissen viele Jugendliche nur wenig.

von Stefani HergertQuelle:Handelsblatt Online

Die Werke der Preisträger des diesjährigen Schülerwettbewerbs econo=me zeigen: Übers Sparen nachzudenken, kann auch Spaß machen. Es zeigt sich, dass auch die Wirtschaft klugen Nachwuchs bestens gebrauchen kann.

Drei Jugendliche sitzen in einem Café und unterhalten sich übers Geld. Das Mädchen in der Runde hat sich gerade ein neues Smartphone bestellt. Bei Cola, Limo und Wasser kommen die drei ins Grübeln, ob es nicht doch besser wäre, mehr zu sparen. Nur wie und wo? Weil sie allein nicht weiterkommen, machen sie einen Termin beim Bankberater, der ihnen unter anderem erklärt, warum es keine so gute Idee ist, Geld zuhause zu bunkern und wie man es stattdessen anlegen könnte.

Der Bankberater ist in Wirklichkeit ein Wirtschaftslehrer eines Gymnasiums in Lüneburg, die Jugendlichen seine Schüler und zugleich Schauspieler in einem Filmbeitrag für den Schülerwettbewerb econo=me, den die Flossbach von Storch Stiftung und die Initiative „Handelsblatt macht Schule“ gemeinsam ausschreiben. In diesem Jahr ging es um den Sinn und Unsinn des Sparens und die Frage, ob sich das Geldzurücklegen angesichts von Minizinsen überhaupt noch lohnt.

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Mit ihrem Zehnminüter über die drei Jugendlichen haben die Neuntklässler der Wilhelm-Raabe-Schule den ersten Platz in der Sekundarstufe I gewonnen. Michael Ebert, Lehrer für Politik und Wirtschaft an dem Gymnasium, hat seinen Schülern von dem Wettbewerb erzählt. „Das ist ein gutes Thema, das wir im Unterricht nicht so richtig behandeln“, sagt er. Ihr Videoprojekt haben die neun Schüler selbständig umgesetzt, mit ihrem Lehrer haben sie sich nur wenige Male getroffen. Nur weil sie in echten Banken nicht drehen durften, übernahm er schließlich den Part des Bankmitarbeiters.

Filme waren eine beliebte Form beim diesjährigen Wettbewerb. Auch die Zweitplatzierten, Neuntklässler des Karl-Theodor-von-Dalberg-Gymnasiums in Aschaffenburg zeigten ihre Sicht aufs Sparen in einem dreieinhalb Minuten. „All I need is money“ wiederum war das Motto von Neuntklässlern des Jakob-Brucker-Gymnasiums in Kaufbeuren, die mit ihrem Film auf den dritten Platz kamen.


Webseite mit eigenem Youtube-Kanal

Eine ganze Webseite samt Video haben die Schüler der 12. Klasse des Martin-Schleyer-Gymnasium im baden-württembergischen Lauda-Königshofen erstellt – und wurden dafür mit dem ersten Platz in der Sekundarstufe II belohnt. „Sparship“ heißt ihre „Plattform im Internet, die sich ausgiebig mit der Problematik der Nullzinspolitik und dem Sinn und Unsinn des Sparens befasst“ – inklusive eigenem Youtube-Kanal.

Eine Webseite haben auch die Zehntklässler des Aventinus-Gymnasium im bayerischen Burghausen gestaltet, mit der sie den zweiten Platz in der Gruppe der älteren Schüler erreicht haben. Für die haben sie auch mehr als 100 Menschen zu ihrem Sparverhalten befragt.

Nicht weniger kreativ waren fünf Elftklässler des Bayernkollegs in Schweinfurt, mit ihrem Film über die „Censusphobie“, der Angst vor niedrigen Zinsen, kamen sie auf den dritten Platz. Dass es ein Film werden würde, sei sofort klar gewesen, berichtet ihr Lehrer Andreas Goller. „Wir wollten aber keinen Erklärfilm drehen, sondern das Thema auf lockere Art näherbringen.“ Im Film sieht man unter anderem eine Psychiaterin, die die vermeintliche neue Krankheit erklärt, sowie Betroffene wie den Sparer Max und den Banker Stephan. In einem kurzen Erklärteil mit selbst gestalteten Zeichnungen gehen die Schüler aber dennoch in die Tiefe.

Die Idee für den Film war schnell gefunden, berichtet Lehrer Goller. Für ihr Projekt hätten sich die Jugendlichen unter anderem mit dem Chef einer Sparkasse getroffen. Geplant wurden an wenigen Samstagen, gedreht an nur einem Tag, als Kulisse dienten Räume in der Schule. Auch für Goller war es eine neue Erfahrung. „Wir haben schon viele Unternehmensplanspiele gemacht, aber noch nie einen Filmdreh. Das fand ich faszinierend.“

Ob es Zufall ist, dass die meisten Gewinnerteams aus Bayern und Niedersachsen kommen? Die beiden Bundesländer zählen zu den wenigen in der Republik, in denen es ein echtes Schulfach Wirtschaft gibt. Gleichzeitig haben Studien immer wieder gezeigt, dass Jugendliche und auch Erwachsene in Deutschland oft nur wenig über wirtschaftliche Zusammenhänge wissen. Ein allgemeines Schulfach Wirtschaft wäre zumindest ein Anfang, meint Kurt von Storch, Mitgründer der Vermögensverwaltung Flossbach von Storch. „Was wir brauchen ist ein Umfeld, das wirtschaftliche Themen wertschätzt. Und dass derjenige, der sich für diese Themen interessiert, sich nicht dafür schämen muss.“ An den Schulen der Preisträger scheint das Realität zu sein.

Quelle:  Handelsblatt Online
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