Schweizer Privatbanken: Ein Ende goldenen Zeiten

Schweizer Privatbanken: Ein Ende goldenen Zeiten

, aktualisiert 08. Mai 2017, 16:20 Uhr
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Jahrzehntelang galten die Schweizer Banken als sicherer Hafen für unversteuerte Gelder - und die Kundschaft aus aller Welt bezahlte gerne für die Verschwiegenheit.

Quelle:Handelsblatt Online

Der Strukturwandel in der Vermögensverwaltung setzt auch Schweizer Privatbanken zu. Boomjahre, wie es sie vor der Finanzkrise gab, scheinen außer Reichweite. Alle Hoffnung ruht nun auf steigenden Zinsen und mehr Handel.

Zürich„Private Banker war einst der perfekte Beruf für den Schwiegersohn“, sagt ein langjähriger Bankmanager. „Das ist jetzt definitiv nicht mehr so.“ Denn die Zeiten, in denen der Job Sicherheit, Prestige und einen vollen Geldbeutel versprach, sind vorbei: Seit Jahren sorgt die weltweite Jagd auf Steuersünder für Negativschlagzeilen. Niedrigzinsen, die Handelsflaute bei den Kunden und die Konkurrenz durch neue Anbieter drücken die Erträge der Banken und bringen manche von ihnen gar in Existenznöte. Auch Schwergewichte wie UBS und Credit Suisse kommen nicht umhin, sich der neuen Wirklichkeit zu stellen: Denn selbst wenn es gelingt, in den kommenden Jahren über neue Gebührenmodelle, steigende Zinsen und handelsfreudigere Kunden einen Teil der Ausfälle wettzumachen - der Boom von vor der Finanzkrise dürfte sich nicht wiederholen.

Deutlich wird der Paradigmenwechsel auch bei einem Blick auf die Zahlen: Dem Schweizer Marktführer UBS gelang es zwar, das verwaltete Vermögen außerhalb von Nordamerika in den vergangenen fünf Jahren um ein Drittel zu steigern, doch das Ertragswachstum konnte damit nicht Schritt halten: die Bruttomargen sind im selben Zeitraum um etwa ein Fünftel eingebrochen. Viele kleinere Institute haben nicht überlebt: Seit Mitte der 90er-Jahre schrumpfte die Zahl der Schweizer Banken von über 400 auf zuletzt rund 270, wie aus Daten der Nationalbank hervorgeht.

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Grund für den Strukturwandel ist zum einen der Kampf gegen Steuerflüchtlinge: Jahrzehntelang galten die Schweizer Banken als sicherer Hafen für unversteuerte Gelder - und die Kundschaft aus aller Welt war bereit, für die Verschwiegenheit zu bezahlen. „Vor zehn oder 15 Jahren haben sich die Kunden nicht darum gekümmert, welche Gebühren sie bezahlt haben, weil sie 20 oder 30 Prozent Steuern sparen konnten“, sagt Peter Wild, der über 30 Jahre bei verschiedenen Privatbanken gearbeitet hat und nun als Managing Partner in einer Vermögensverwaltungsfirma reiche Familien betreut. Doch seit dem Ende des Bankgeheimnisses achten die Kunden verstärkt auf die Gebühren, die sie für die Verwaltung ihres Vermögens bezahlen und die Institute stehen im internationalen Preiswettbewerb. Wie sehr das Thema immer noch die Gemüter erhitzt, zeigt auch die Affäre um einen Schweizer Spionageeinsatz gegen deutsche Steuerfahnder.

Zudem ist das Vermögensverwaltungsgeschäft selbst aufwändig und teuer geworden: Die Banken müssen jeden einzelnen Kunden durchleuchten, um ja keine Schwarzgelder einzusammeln und damit neue rufschädigende und teure Rechtsverfahren zu riskieren. Darüber hinaus steigen die Anforderungen für den Anlegerschutz im Nachgang zur Finanzkrise. Entsprechend hoch sind die Kosten für Compliance und Regulierung.

Hinzu kommt die wachsende Konkurrenz durch Anbieter, die nicht wie die alteingesessenen Banken auf individuelle Beratung durch einen persönlichen Betreuer setzen, sondern den Computer befragen. Bei diesen Robo-Advisorn sind die Gebühren oft deutlich niedriger, was wiederum die traditionellen Branchenvertreter unter Druck bringt, ihre Preise transparent zu machen oder zu senken.


„Wie Stühlerücken auf der Titanic“

Doch es gibt auch Lichtblicke, wie die jüngsten Quartalsabschlüsse der Großbanken zeigen: Denn zu Jahresbeginn haben die zuvor risikoscheuen reichen Kunden zum ersten Mal seit langem wieder etwas mehr gehandelt und den Instituten damit zu steigenden Einnahmen aus Kundentransaktionen verholfen. Folglich fuhren UBS und Credit Suisse im ersten Quartal in der internationalen Vermögensverwaltung das beste Vorsteuerergebnis seit knapp zwei Jahren oder mehr ein.

Anlass zur Hoffnung geben auch die langsam wieder steigenden Zinsen. Damit sind die Kunden wieder mehr geneigt, in Zinspapiere zu investieren und ihr Geld nicht einfach bei der Bank ruhen zu lassen. Das käme den Banken sehr gelegen, denn sie müssen für die hohen Bar-Einlagen ihrer Kunden in Teilen Europas und Asiens Strafzinsen an die Zentralbanken bezahlen.

Aber die Institute sind auch selbst kreativ, um ihre Einnahmen zu steigern: Während sie ihr Geld früher zu einem guten Teil mit - zunehmend schrumpfenden - Transaktionsgebühren verdient haben, verkaufen sie den Kunden nun Beratungsmandate, bei denen diese eine Pauschale bezahlen. Davon erhoffen sie sich stabilere Erträge.

Aber selbst wenn Maßnahmen wie diese greifen, glauben Branchenkenner nicht an eine rasche Rückkehr der „guten alten Zeit“. „Es wird schwierig, dass die Erträge wieder an frühere Hochs herankommen. Das ist maximal unter dem Strich möglich, wenn die Banken ihre Kosten im Griff haben“, sagt der frühere Manager aus der UBS-Vermögensverwaltung, Carlo Grigioni. Ein Bankangestellter findet noch drastischere Worte: „Es fühlt sich an, wie Stühlerücken auf der Titanic. Wenn wir nicht mehr machen, dann rammen wir den Eisberg.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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