Sennheiser: Mit 3D-Klang in die Zukunft

Sennheiser: Mit 3D-Klang in die Zukunft

, aktualisiert 21. Juni 2017, 16:48 Uhr
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Das Smart Headset Ambeo von Sennheiser verspricht dreidimensionalen Klang.

von Katrin TerpitzQuelle:Handelsblatt Online

Audiospezialist Sennheiser konzentriert sich stärker auf moderne Soundsysteme für jedermann. Weil sich das Familienunternehmen von unprofitablem Geschäft getrennt hat, sank der Umsatz. Der Gewinn legte aber kräftig zu.

DüsseldorfStereo oder Dolby Surround? Schnee von gestern. Wahre Audiofreaks hören in 3D. In der Zentrale von Sennheiser in Wedemark bei Hannover lässt sich schon einmal hineinlauschen in die Klangwelt der Zukunft. Ob Rockfestival oder Orchesterkonzert – der Zuhörer denkt, er ist live dabei. Wechselt er seine Position im Raum, so kommen bestimmte Instrumente oder das Johlen des Publikums näher. Virtuelle Realität für die Ohren sozusagen.

„3D-Audioformate werden das große Zukunftsthema der Audiobranche sein – ob bei der Aufnahme, der Produktion oder der Wiedergabe“, betont Daniel Sennheiser, der mit seinem Bruder Andreas den Audiospezialisten in dritter Generation leitet. Mit dem Ambeo Smart Headset, das in Kürze auf den Markt kommt, soll 3D-Audio auch für jedermann erlebbar werden. „Am Ende geht es darum, Audioerlebnisse zu ermöglichen, die so real sind, dass man den Unterschied zwischen Realität und Reproduktion nicht mehr feststellen kann“, sagt Andreas Sennheiser.

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Das Familienunternehmen ist einer der weltweit führenden Hersteller von Kopfhörern, Mikrofonen und drahtloser Übertragungstechnik. Weltweit beschäftigt Sennheiser rund 2800 Mitarbeiter, etwa die Hälfte davon in Deutschland.

Künftig will sich der Audiospezialist verstärkt auf den Bereich Consumer Electronics konzentrieren. Bisher wurde etwa die Hälfte des Geschäfts mit professioneller Ausrüstung gemacht. Doch den schlecht laufenden Geschäftsbereich Aviation (zum Beispiel Kopfhörer für Piloten) hat Sennheiser im vergangenen Jahr geschlossen. Die Entscheidung war bereits Ende 2015 gefallen.

Infolgedessen sank der Umsatz 2016 erstmals nach zwei Rekordjahren. Er ging um 3,8 Prozent auf 658,4 Millionen Euro leicht zurück. Ein weiterer Grund für den Rückgang: Sennheiser trennte sich von ausgewählten Drittmarken bei Profi-Systemen. Und in Japan lief die staatliche Förderung für die Umrüstung von drahtlosen Mikrofonsystemen aus. Insgesamt schrumpfte der Umsatz im Profi-Bereich um 9,1 Prozent auf 316,3 Millionen Euro.

Audiosysteme für Endverbraucher sind nun das stärkste Standbein von Sennheiser. Hier stieg der Umsatz auf 342,1 Millionen Euro, ein leichtes Plus von 1,7 Prozent zum Vorjahr.

Trotz des Umsatzrückgangs konnte Sennheiser seine Ertragskraft deutlich steigern: Der Gewinn vor Steuern legte im Geschäftsjahr 2016 gegenüber dem Vorjahr um 4,6 Millionen auf 34,9 Millionen Euro zu.


Drahtlose Kopfhörer auf dem Vormarsch

Der globale Markt für Kopfhörer wächst derzeit kräftig. Der Trend geht hin zu hochpreisigen Produkten, was Premium-Anbietern wie Sennheiser in die Hände spielt. Laut Futuresource Consulting stieg der Umsatz weltweit um rund 20 Prozent auf 13,4 Milliarden Dollar. 2016 war Sony Marktführer mit 19 Prozent Anteil an der Produktion. Beats, das seit 2014 zu Apple gehört, führte mit 24 Prozent am Umsatz. Obwohl die meisten Kopfhörer für unter 25 Dollar verkauft werden, legte die Preisklasse von 100 bis 199 Dollar um 41 Prozent im vergangenen Jahr am stärksten zu.

Immer mehr Kopfhörer kommen ohne Kabel aus. 2016 funktionierten laut Futuresource Consulting schon 21 Prozent aller verkauften Headsets drahtlos. Ein Trend, den auch Sennheiser aufgreift: „In wenigen Jahren werden kaum noch Kabel nötig sein – eine Entwicklung, die wir in unseren Produkten reflektieren“, sagt Andreas Sennheiser. Das Unternehmen will zum Beispiel mit kabellosen Kopfhörern, die Außengeräusche schlucken, oder mit drahtlosen digitalen Mikrofonen für Profis der Konkurrenz einen Schritt voraus sein.

Das Familienunternehmen hat deshalb seine Forschung und Entwicklung erneut gestärkt: Mit 54,5 Millionen Euro investierte Sennheiser 16 Prozent mehr als im Vorjahr. 266 verschiedene Erfindungen kamen 2016 aus dem Hause Sennheiser. Getüftelt wird auf in vier Forschungszentren weltweit – hauptsächlich auf dem neuen Innovation Campus in Wedemark.

„Unsere Mitarbeiter sollen jenseits dessen forschen, was existiert“, sagte Andreas Sennheiser dem Handelsblatt vor einem Jahr. „Gleichzeitig bieten wir den Freiraum, einfach zu schauen, was geht. Dann entsteht eine Kreativität, die ansteckend wirkt.“ Die Mitarbeiter von Sennheiser sollen nicht stur Projekte abarbeiten. „Sie sollen Spaß haben, Spuren im unberührten Schnee zu hinterlassen.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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