Sieben Tipps für den Arbeitsalltag: Wie Sie gelassen bleiben und eine Eskalation vermeiden

Sieben Tipps für den Arbeitsalltag: Wie Sie gelassen bleiben und eine Eskalation vermeiden

, aktualisiert 15. Februar 2017, 10:08 Uhr
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Anschreien ist im Berufsleben in der Regel zu vermeiden.

von Carina KontioQuelle:Handelsblatt Online

Wer wünscht sich nicht, auch in emotional aufgeladenen Situationen gelassen zu bleiben und souverän zu handeln. Das Tolle ist: Wir sind unseren Emotionen nicht automatisch ausgeliefert. So bleiben Sie cool.

KölnCholerische Chefs, wutschnaubende Kollegen: Wehe, wenn sie losgelassen werden. Und jetzt mal Hand aufs Herz: Wer kennt das nicht, dass man am liebsten ausrasten möchte, wenn der Chef mal wieder total ungerecht ist oder der Computer zum 100. Mal nicht funktioniert? Schließlich kann es sehr befreiend sein, den Emotionen freien Lauf zu lassen, oder?

Grenzwertig wird es zumindest dann, wenn Sie Kollegen beleidigen oder bedrohen. Das kostet nicht nur Sympathiepunkte, sondern Sie riskieren damit auch Ihren Job. Nun ist Ärger am Arbeitsplatz leider keine Seltenheit – wie also vernünftig umgehen mit der Wut?

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Die gute Nachricht: Auch wenn wir manchmal den Eindruck haben, dass uns alles überrollt und wir immer wieder in altbekannte Muster fallen: Wir sind unseren Emotionen nicht automatisch ausgeliefert, weiß Psychologin und Coach Tanja Volke-Groh. Die folgenden Tipps, die die Expertin kürzlich in einem Fachbeitrag der Haufe-Akademie skizziert hat, können helfen, einen Weg aus der Emotionsspirale zu finden:

1. Identifizieren Sie Ihre persönlichen „roten Knöpfe”. Was sind Ihre Reizthemen?

Volke-Groh empfiehlt Mitarbeitern, herauszufinden, was die auslösenden Situationen sind, die Sie immer wieder auf die Palme bringen. Volke Groh: „Fragen Sie sich auch, was eigentlich hinter dem vordergründigen Gefühl steckt. Welches Bedürfnis, welche Verletzung oder Befürchtung liegt unter der Oberfläche und wühlt Sie eigentlich so sehr auf?“

2. Kennen Sie Ihre körperlichen Reaktionen auf stressige Situationen?

Wissen Sie, wie Sie körperlich auf Ärger und Konfliktsituationen reagieren? Volke Groh rät, sich bewusst zu machen, wo der Stress für Sie körperlich spürbar wird. Lernen Sie, ihn bewusst wahrzunehmen und üben Sie sich in Achtsamkeit. „Der Schlüssel der Achtsamkeit liegt in der Qualität der Aufmerksamkeit, die wir jedem Moment entgegenbringen.“ (Jon Kabat-Zinn)

3. Finden Sie heraus, welche subjektiven Bewertungen und Glaubenssätze Ihr Leben bestimmen

„Glaubenssätze sind im Unterbewusstsein abgespeicherte, feste Überzeugungen, die früh im Leben entstanden sind – durch Vorbilder, Erziehung etc. und unsere Gefühle, Entscheidungen und täglichen Handlungen entscheidend beeinflussen“, sagt die Expertin in ihrem Beitrag. Volke-Groh empfiehlt, manche dieser Glaubenssätze im Erwachsenenalter noch einer bewussten kritischen Prüfung zu unterziehen. „Prüfen Sie ehrlich, welche Glaubenssätze Sie tatsächlich über sich bestimmen lassen möchten. Finden Sie heraus, was Ihre persönlichen 'Antreiber' sind und lernen Sie, diese in 'Erlauber' umzuformulieren.“


Optimismus als Grundhaltung

4. Gestalten Sie die Beziehungen so, dass Sie sich selbst treu bleiben

Im nächsten Schritt geht es darum, zum „Beziehungsmanager” zu werden. Das bedeutet, dass Sie sich auf die Persönlichkeit Ihres Gesprächspartners einstellen, Gespräche in positive und zielführende Bahnen lenken und lernen Feedback zu geben und anzunehmen. Denn, so formuliert es der US-Psychologe Daniel Goleman: „In Zukunft werden wir nicht mehr nur daran gemessen, wie klug wir sind oder welche fachliche Expertise wir haben, sondern vor allem daran, wie geschickt wir mit uns selbst und anderen umgehen.” Nutzen Sie also die volle Kapazität Ihres Gehirns, emotional und kognitiv. Volke Groh: „Aus der Gehirnforschung wissen wir, dass wir im Stress nur Teile unseres Gehirns nutzen – so, als würde der Gehirnaufzug nicht bis ganz nach oben fahren in den Neokortex und so im Stammhirn, Mittelhirn und limbischen System hängen bleiben.“

5. Lernen Sie Methoden wirksamer Selbstführung – die neue Gelassenheit

Die Psychologin beschreibt in ihrem Beitrag das ABC-Modell von Dr. A. Ellis, wonach wir wissen, dass nicht andere Emotionen bei uns auslösen, sondern wir selbst. Volke-Groh erklärt: „Die Situationsanalyse von emotionalen Konfliktsituationen in Ihrem Arbeitsalltag ist die Basis, um Strategien zum Umgang mit Reizthemen zu entwickeln. Lernen Sie hilfreiche Mentaltechniken für Ihren Alltag kennen und anwenden.“ Dabei soll Achtsamkeit helfen, die Herausforderungen der Arbeitswelt nachhaltig zu bewältigen und ein gesünderes und glücklicheres Leben zu führen. „Achtsamkeitsübungen sorgen so für einen geringeren Krankheitsstand, eine innovationsfreundliche Firmenkultur, ein besseres Betriebsklima und eine höhere Zufriedenheit mit sich und Ihrer Arbeit“, so Tanja Volke-Groh.

6. Stärken Sie Ihre Resilienz: Optimismus als Grundhaltung

Resilienz oder psychische Widerstandsfähigkeit ist die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass diese Fähigkeit nicht angeboren ist, sondern im Laufe unseres Lebens erlernt wird. „Das heißt im Umkehrschluss, dass wir unsere Resilienz stärken können. Zentrale Resilienzfaktoren sind beispielsweise die Selbstwirksamkeit, also die Überzeugung, dass wir Einfluss auf unser Leben haben“, erklärt die Psychologin. „Resilienz bedeutet auch, raus aus der Opferhaltung und Verantwortung zu übernehmen für das eigene Leben und Handeln, aufgrund des Selbstvertrauens, genug Stärke für die Lösung in sich zu haben.“ Wichtig ist auch, um Hilfe bitten zu können, denn soziale Kontakte, emotionale Bindungen und stabile Beziehungen sind ein wichtiger Grundpfeiler gelebter Resilienz.

7. Und zu guter Letzt: Trainieren Sie Ihre Stimme

„Unsere Stimme kommt aus dem Zentrum unseres Körpers und deshalb können wir sie nur schlecht verstellen“, weiß die Psychologin. „Es heißt, dass ein Mensch, der an seiner Stimme arbeitet, am Kern seiner Persönlichkeit arbeitet. Und: Stimme schafft Stimmung.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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