Sierens Welt: Asien würde es Trump schwer machen

Sierens Welt: Asien würde es Trump schwer machen

, aktualisiert 02. Juni 2016, 11:12 Uhr
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China erhebt Ansprüche auf Inseln im Südchinesischen Meer. Das sorgt für Unruhe in Asien.

Quelle:Handelsblatt Online

Die USA verlieren in Asien an Einfluss, selbst treue Alliierte gehen auf Abstand. Auch wenn Donald Trump jetzt große Töne spuckt – an dieser Entwicklung dürfte er als US-Präsident auch nichts ändern, meint Frank Sieren.

PekingWas sagt Donald Trump eigentlich zum Konflikt mit China im Südchinesischen Meer, fragte mich neulich ein chinesischer Freund, als klar wurde, dass Trump nun tatsächlich der republikanische Präsidentschaftskandidat wird. Ich erinnerte mich sofort daran, dass er US-Truppen aus Japan und Südkorea abziehen will. Dafür hat ihn wiederum das nordkoreanische Regime als „weise“ gelobt.

Aber Trump wäre nicht Trump, wenn er nicht auch das Gegenteil behauptet hätte: Er will die „Macht des amerikanischen Militärs im Südchinesischen Meer gegen China stärken“. Entscheidend ist jedoch, welchen Spielraum er in diesem brisanten Konflikt überhaupt hat, sollte er tatsächlich gewählt werden.

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Trump wird nicht mit offenen Armen empfangen: Malaysia und Indonesien sind auf Abstand zu Washington gegangen. Die thailändische Militärregierung orientiert sich in Richtung Russland und China.

Immerhin: Washington kann Manila wieder als Alliierten verbuchen, nach 25 Jahren Abstinenz. Zwar genehmigte frühere Präsident Benigno Aquino III den Amerikanern - anders als erhofft - keine neue Militärbasis. Die US-Armee darf jedoch philippinische Stützpunkte nutzen. Die Freude währte allerdings nur kurz: Der jüngst gewählte Präsident Rodrigo Duterte geht nun schon wieder auf Abstand und bändelt mit China an.

Selbst mit den treuesten Alliierten hat es Washington nicht leicht. So haben die Australier wenig Spielraum in der China-Frage, 30 Prozent des Handels entfallen auf die Volksrepublik. In Südkorea sind zwar 28.000 US-Soldaten stationiert. Eine Äußerung von Vincent Brooks, dem dortigen US-Oberbefehlshaber, hat jedoch jüngst wieder eine Diskussion um Kosten und Sinn der US-Präsenz in Südkorea ausgelöst.

Nachdem Trump behauptet hat, es sei zu teuer, amerikanische Soldaten dort zu stationieren, antwortete der General: Im Gegenteil, dies sei sogar billiger, da Südkorea über die Hälfte der Kosten trage. Prompt diskutierten die Koreaner wieder, ob die Amis ihr Geld noch wert seien: 800 Millionen Dollar kostet die Sicherheit pro Jahr. Die rund zehn Milliarden, die Seoul für eine neue Airbase zahlt, sind dabei noch nicht eingerechnet.


Letzter Trumpf bereits gespielt

Der japanische Premier Abe steht derzeit noch am treusten zu den USA. Der Widerstand in Japans Bevölkerung gegen US-Soldaten wächst jedoch ebenfalls. Vergangene Woche hat das Parlament der Präfektur Okinawa, wo die meisten US-Truppen stationiert sind, mehrheitlich eine Resolution verabschiedet, die ihren kompletten Abzug vorsieht. 68 Prozent der Japaner will sogar, dass Japan seine militärischen Aktivitäten zurückfährt.

Der schwindende amerikanische Einfluss hat Barack Obama bewogen, kürzlich das Waffenembargo gegen Vietnam aufzuheben – und nun ausgerechnet die dortigen Kommunisten zu hofieren, von denen die USA einst besiegt wurden.

Obama hat damit den letzten amerikanischen Trumpf in der Region gespielt. Mehr geht nicht. Das wird auch Außenminister John Kerry merken, der am kommenden Sonntag zum 8. amerikanisch-chinesischen strategischen Dialog nach Peking reist.

Für Obamas Nachfolger wird der Spielraum noch geringer. Deutlicher denn je wird er zu spüren bekommen: Wie in Asien die Machtverhältnisse austariert werden, wollen die Asiaten selbst entscheiden. Und wenn sie Hilfe brauchen, melden sie sich. Gegen dieses neue Selbstbewusstsein kommt selbst der freche Trump nicht an.

Unser Korrespondent der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“) gilt als einer der führenden deutschen China-Spezialisten. Er lebt seit 20 Jahren in Peking.

Quelle:  Handelsblatt Online
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