Sierens Welt: Eigentor mit U-Booten

Sierens Welt: Eigentor mit U-Booten

, aktualisiert 14. April 2016, 16:28 Uhr
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Unser Korrespondent, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China-Spezialisten. Er lebt seit über 20 Jahren in Peking.

von Frank SierenQuelle:Handelsblatt Online

Australien will U-Boote kaufen, unter anderem um China besser zu kontrollieren. Doch ausgerechnet die Chinesen helfen den Deutschen dabei, den lukrativen Auftrag zu ergattern. Weil China noch einen größeren Gegner hat.

PekingDie Globalisierung treibt seltsame Blüten. Diesmal geht es um U-Boote, Australien, China, Japan und die USA. China und Australien streiten sich um Grenzen im Südchinesischen Meer. Australien steht dabei Seite an Seite mit den USA und Japan. Canberra will neue U-Boote kaufen, auch, um die Aktivitäten der Chinesen besser überwachen zu können. Ein 50 Milliarden Dollar-Auftrag. Die Deutschen, die Franzosen und die Japaner bieten mit. Die Waffensysteme kommen in jedem Fall aus den USA.

Politisch war die Lage eigentlich klar: Der Auftrag geht an Japan, den alliierten Nachbarn. Das passt auch den USA, die aber auch nichts gegen die Deutschen haben. Wären da nicht die Chinesen. Und würden nicht 30 Prozent der australischen Exporte nach China gehen und Premierminister Malcolm Turnbull nicht ausgerechnet diese Woche einer 1000 (!) köpfigen Delegation durch China reisen, um neue Milliardengeschäfte abzuschließen.

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Insofern ist es wichtig, was die Chinesen wollen, obwohl Australien die Boote auch wegen ihnen kauft. Peking wiederum freut sich, dass die Australier China den Hof machen, sonst hätte Peking nicht diese Woche die „australische Woche“ in China ausgerufen.

Was die U-Boote betrifft hat Peking eine klare Haltung. Unter keinen Umständen darf Japan den Auftrag bekommen. Das hat der Außenminister Wang Yi schon öffentlich betont. Diese Position hat sich im Laufe dieser Woche noch gefestigt: Am vergangenen Wochenende haben sich die Außenminister der G7 Länder in Tokio getroffen und China wegen seiner Aktivitäten im Südchinesischen Meer kritisiert. Und sie sind, wen wundert es, zu dem Ergebnis gekommen, dass man China deutlicher Paroli bieten sollte.

Ohne China zu erwähnen, lehnten die G7-Minister „einschüchternde, zwangsweise oder provokativ einseitige Maßnahmen“ ab, die den Status quo verändern könnten. Peking hat sich geärgert und den Rädelsführer gleich ausgemacht: Tokio. Der japanische Botschafter wurde umgehend ins Außenministerium einbestellt. Von den anderen G7 Ländern mussten nur die Stellvertreter antanzen.


Mehr, mehr, mehr für Australien

Wie gut, dass Außenminister Frank-Walter Steinmeier wegen eines Schadens an seinem Flugzeug in China (!) viel spät in Tokio ankam. Da konnte er natürlich nicht mehr ausgleichend eingreifen. Jedenfalls ist die Lage nun klarer denn je. Die Amerikaner sind neutral. Die Chinesen derzeit die besten U-Bootverkäufer der Deutschen und die Australier hören auf beide.

Premierminister Shinzo Abe hat also mit der G7 Aktion zwar Washington einen Gefallen getan, aber gleichzeitig seine Chancen stark verringert, den U-Boot Auftrag zu bekommen. Er hat seine politischen Interessen den wirtschaftlichen geopfert. Danke aus Deutschland. Denn die Australier denken da offensichtlich anders.

Thyssen Krupp, Siemens und Co, die die U-Boote herstellen, haben ihre Hausaufgaben jedenfalls längst gemacht. Niemand kann die U-Boot-Produktion tiefer in die Kundenländer lokalisieren als die Deutschen. Und das bedeutet: Mehr Arbeitsplätze und mehr Technologie für Australien.

Beruhigend zu wissen, liebe Franzosen und Japaner, dass die deutsche Industrie diesen geo-strategischen Zufällen nicht völlig ausgeliefert ist. Denn: Es hätte auch ganz anders kommen können.

Unser Korrespondent, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China Spezialisten. Er lebt seit 20 Jahren in Peking.

Quelle:  Handelsblatt Online
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