Sierens Welt: G20 – Chinas Meilenstein

Sierens Welt: G20 – Chinas Meilenstein

, aktualisiert 01. September 2016, 16:31 Uhr
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Für China ist der anstehende Gipfel von großer Bedeutung.

von Frank SierenQuelle:Handelsblatt Online

Für China ist der G20-Gipfel ein großes Ereignis in seiner langen Geschichte – unabhängig davon, wie die Ergebnisse letztlich ausfallen. Auf dem Weg zu alter Stärke ein wichtiges Signal in die Welt.

Die geschichtliche Bedeutung des G20-Gipfels im chinesischen Hangzhou könnte aus der Perspektive Pekings kaum größer sein: Noch nie in dessen langer Geschichte sind so viele und so mächtige Politiker in das Reich der Mitte gereist und noch nie hatte China so großen weltpolitischen Gestaltungsspielraum wie am kommenden Wochenende.

Deshalb ist Peking so stolz auf den Gipfel. Deshalb wird er so gründlich vorbereitet. Das Ereignis knüpft an die großen alten Zeiten des Reiches an: Damals war China so groß und wirtschaftlich so stark, dass es die Kaiser nicht nötig hatte, Länder fernab ihrer Grenzen zu erobern.

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Doch der chinesische Hof überschätzte sich und wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von westlichen Kolonialmächten in die Knie gezwungen. Ein Bürgerkrieg schwächte China so sehr, dass die Japaner keine Mühe hatten, im 2. Weltkrieg über das Land herzufallen. Als China kapitulierte, schaffte es Mao Zedong zwar, das Land wieder zu einen. Der Leidensweg jedoch war noch nicht zu Ende. Millionen Menschen starben bei Maos Aufbruchskampagnen. Erst sein Nachfolger Deng Xiaoping sah ein, dass China nur mit Hilfe des Westens seine alte Größe wiedererlangen kann – es folgte ein unglaublicher wirtschaftlicher Wiederaufstieg.

Lange saß Peking am Katzentisch der Weltpolitik, bis sie plötzlich der größte Gläubiger der Weltmacht USA waren. 2008 überzeugten sie die westlichen Industrienationen, von einem G8- auf einen G20-Gipfel umzustellen. Ein Format, in dem China nunmehr eine zentrale Rolle spielt. Für die Chinesen ein Meilenstein in der Geschichte.

Das bedeutet leider nicht, dass bei diesem Gipfel auch historische Entscheidungen fallen. Auch Peking kann nichts daran ändern, dass die weltpolitische Lage schwierig ist. Doch Präsident Xi Jinping weiß immerhin, was er will: Die Spielregeln einer stabil wachsenden Weltwirtschaft formen. Die alten Mächte hingegen wollen sich lieber mit den Schwächen ihres neuen Wettbewerbers China beschäftigen.

Die größte Schnittmenge an Pragmatismus findet Peking derzeit in Berlin. Eine der gemeinsamen Fragen: Wie kann man verhindern, dass sich Staaten mit Steuerangeboten an Großkonzerne gegenseitig ausstechen? Die jüngste Brüsseler Entscheidung, dass Apple 13 Milliarden Euro Steuern nachzahlen muss, zeigt den Spielraum, der letztlich entsteht. Washington wirft Brüssel nun vor, sich wie eine „supranationale Institution“ aufzuspielen. Doch genau die braucht die Welt. Und ohne Peking sind solche Institutionen nicht mehr denkbar.

Es dauert allerdings, sie zu entwickeln. Das wird weder Peking an diesem Wochenende noch Deutschland im nächsten Jahr schaffen, wenn der Gipfel in Hamburg stattfinde. Der Erfolg lässt sich dennoch an einer Frage messen: Um wie viel ist man auf diesem Weg vorangekommen?

Unser Korrespondent der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China Spezialisten. Er lebt seit über 20 Jahren in Peking.

Quelle:  Handelsblatt Online
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