Sierens Welt: Garantiert fälschungssichere Milch

Sierens Welt: Garantiert fälschungssichere Milch

, aktualisiert 13. Oktober 2016, 13:48 Uhr
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Handelsblatt-Korrespondent Frank Sieren freut sich über deutsche Importmilch.

von Frank SierenQuelle:Handelsblatt Online

In China gilt Subventionsmilch aus Deutschland als sauber und sicher – und als lecker. Deshalb verkauft sie sich gut. Die Chinesen jedoch wissen nicht, dass sie dafür dem deutschen Steuerzahler danken können.

PekingSeit einiger Zeit steht bei uns in Peking Oldenburger Milch auf dem Tisch. Oder genauer die Marke heißt „Oldenburger seit 1964“. Darauf zu sehen ist eine gefleckte Kuh auf einer Wiese dahinter ein holsteinisches Bauernhaus. Und: Quality Made in Germany. 100 Prozent hergestellt, verpackt und versiegelt in Deutschland. Oldenburger könne man vertrauen.

Lange haben wir chinesische Milch getrunken. Nun Oldenburger. Wegen der Kinder. Denn bei Milch aus dem Ausland vertrauen wir darauf, dass sie nicht gepanscht ist. Damit wir die Milch also jeden Morgen in Kaffee und Müsli genießen können, wird sie uns von einem dieser Elektrodreiradfahrer des E-Commerce-Händlers JD nach Hause geliefert. Das ist nicht billig, was aber nicht an der Freihauslieferung liegt. Die gute Oldenburger kostet hier stolze 9,08 chinesische Yuan der Liter, das sind umgerechnet 1,21 Euro. Bei Edeka kostet der Liter 65 Cent. Bei Aldi sogar nur 46. Die Oldenburger ist also mehr als doppelt so teuer, wie die H-Milch von Aldi. Das ist normal für Importprodukte in China. Für fälschungssichere Milch zahlen auch Chinesen gerne mehr, vor allem seitdem es immer wieder Lebensmittelskandale gegeben hat.

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Chinesische Freunde überraschten uns deshalb neulich am Kaffeetisch mit der Frage, ob die Oldenburger Milch „echt“ sei. Ich konnte nur antworten, dass sie von DMK, dem größten Milchhersteller Deutschlands, kommt. Der würde sich wehren, wenn Fälschungen seiner Milch in China auftauchen würden. Also hoffentlich.

Allerdings gelten die höheren Preise nur für speziell vermarktete Milch und nicht etwa für die gesamten 1,6 Millionen Tonnen EU-Milch, die pro Jahr nach Ostasien geliefert werden, auch um den chinesischen Milchboom zu befriedigen. Es ist also doch nicht so schlimm, dass ihnen genetisch das Verdauungsenzym Laktase fehlt, um den Milchzucker abzubauen. Auch ihr Körper kann sich in Maßen an die Milchlaktose gewöhnen. Konnte China 2009 noch über 90 Prozent seines Bedarfes an Milchprodukten selbst decken, sind es jetzt nur noch gut 70 Prozent. China ist nun mit großem Abstand der größte Milchprodukteimporteur der Welt. Allein im vergangenen Juli stiegen die Importe um 35 Prozent an.

Die meiste importierte Milch aus der EU ist billiger, als lokal produzierte. Das liegt wiederum an unserem Milchüberschuss. Durch jahrelange Subventionen haben die europäischen Bauern zu viel Milch produziert. Die muss jetzt weg, fast zu jedem Preis und in jeder möglichen Form, als Pulver oder als H-Milch. Schade nur, dass ausgerechnet die Oldenburger Milch so teuer ist. Dennoch denke ich jeden Morgen, wenn ich die Milch in meine Schüssel voll Müsli gieße: Vor allem Brüssel macht es möglich, dass ich in Peking sichere deutsche H-Milch trinken kann. Ein Dankeschön hiermit an Agrarkommissar Phil Hogan und auch an die deutschen Steuerzahler. Also, das wäre doch nun wirklich nicht nötig gewesen.

Unser Korrespondent, der Bestseller-Autor Frank Sieren („Geldmacht China“), gilt als einer der führenden deutschen China Spezialisten. Er lebt seit 20 Jahren in Peking.

Quelle:  Handelsblatt Online
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