Sierens Welt: Kein Platz für den dicken Max

Sierens Welt: Kein Platz für den dicken Max

, aktualisiert 27. April 2017, 13:51 Uhr
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An dem Gipfeltreffen der ASEAN-Staaten in Manila nimmt neben Gastgeber Rodrigo Duterte (l.) auch der Sultan von Brunei, Hassanal Bolkiah (r.) teil.

von Frank SierenQuelle:Handelsblatt Online

Südkorea hat sich im Konflikt mit dem kommunistischen Norden von den USA die Zügel aus der Hand nehmen lassen. In Südostasien ist das anders. Die ASEAN-Staaten nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand.

ManilaChina und die USA streiten längst über die Köpfe in Seoul und Pjöngjang hinweg. Nach der Absetzung von Präsidentin Park Geun-hye und vor den Neuwahlen am 9. Mai ist Seoul wie gelähmt.
In Südostasien ist das schon seit einiger Zeit anders. Inzwischen machen die ASEAN-Staaten ihre eigene Politik, ohne sich zu nah an die USA oder China anzulehnen. Das ist auch derzeit in Manila auf der ASEAN-Tagung zum 50. Gründungsjubiläum offensichtlich. ASEAN ist mit 625 Millionen Menschen größer als die Europäische Union mit 510 Millionen. Der gemeinsame Binnenmarkt ohne gemeinsame Währung ist schon heute der drittgrößte Wirtschaftsraum der Welt.

Und gerade auch, weil die ASEAN-Länder sich nicht in den Machtkampf zwischen China und den USA reinziehen lassen, ist die Region eine der friedlichsten der Welt. Dabei könnten die Länder kaum unterschiedlicher sein: Das Öl- und gasreiche Minisultanat Brunei und das unübersichtliche Inselreich der Philippinen. Ein armes Land wie Laos und das Finanzzentrum Singapur, der kommunistische Ein-Parteien-Staat Vietnam ebenso wie die weltgrößte muslimische Demokratie Indonesien. Mehr als 240 Millionen Muslime, 150 Millionen Buddhisten und 120 Millionen Christen kommen (noch) gut miteinander aus.
Ihre Unabhängigkeit mussten sich die ASEAN-Länder hart erkämpfen. Die fünf Gründungsmitglieder waren 1967 alle amerikanische Alliierte. Heute hat nur noch Singapur enge Beziehungen zu den USA. Die Politiker des Stadtstaates würden sich jedoch nicht als US-Alliierte bezeichnen. Auf der anderen Seite des Spektrums stehen die Thailänder, die inzwischen so enge Beziehungen zu Peking haben, dass sie chinesische U-Boote und Panzer statt amerikanische kaufen.

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Aus dieser Machtbalance heraus, ist es trotz großen Differenzen offensichtlich einfacher, sowohl den Machtanspruch der USA in Asien, als auch die Konflikte mit China über das Südchinesische Meer zu versachlichen. Die Philippinen, die derzeit den ASEAN-Vorsitz haben, sind dabei, ein Modell für die Zusammenarbeit mit China zu entwickeln – mit Spielregeln, die überzeugen: Spannungen friedlich managen. Weder die Probleme mit China ausblenden, noch die Chancen, die China bietet, unterschätzen. Einen regelmäßigen Gesprächskanal schaffen, um über unterschiedliche Auffassungen offen reden zu können. Und gemeinsame Spielregeln entwickeln, die verhindern, dass der Streit über die Inseln im südchinesischen Meer doch noch aus dem Ruder läuft. Das ist nicht einfach, aber lohnenswert und durchaus ein Modell für Korea: Gewinnt die Opposition am 9. Mai, sind die Chancen groß, dass der neue südkoreanische Präsident wieder eine ähnliche Politik durchsetzt. Dann ist weniger Platz für Politiker, die unbedingt den dicken Max spielen wollen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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