Singapore Exchange: Respekt vor dem Börsen-Tiger

Singapore Exchange: Respekt vor dem Börsen-Tiger

, aktualisiert 08. November 2011, 15:30 Uhr
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Die Zentrale der Singapore Exchange.

Quelle:Handelsblatt Online

Westliche Börsen begegnen der Konkurrenz aus Singapur mit Respekt. Spätestens die politische Intervention bei der versuchten Übernahme eines Konkurrenten zeigt, wie groß der Name Singapur in der Börsenwelt schon ist.

MumbaiAustralien zittert vor Singapur - wohl kaum etwas illustriert die Stärke des Stadtstaats als Börsenstandort besser, als die gescheiterte Übernahme der Australischen Börse Australian Securities Exchange. Die Singapore Exchange (SGX) wollte es sich vor knapp einem Jahr rund sechs Milliarden Euro kosten lassen, beim australischen Konkurrenten einzusteigen. Doch im April zog der australische Finanzminister Wayne Swan persönlich die Notbremse: „Der Zusammenschluss ist nicht im nationalen Interesse Australiens. Lasst es uns klar sagen: Das ist keine Fusion.“

Die neu entstandene Börse wäre die viertgrößte der Welt und klar unter der Kontrolle Singapurs gewesen. Schon vorher ist der Börsenplatz als Käufer ausländischer Handelsplätze in Erscheinung getreten. Schon 2007 hatte die SGX ebenso wie die deutsche Börse einen Anteil von fünf Prozent an der größten indischen Börse gekauft, der Bombay Stock Exchange. Zudem betreibt der Handelsplatz ein Vertretungsbüro in Beijing und eins in London.

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Dabei ist die Erfolgsgeschichte der Singapore Exchange noch gar nicht so alt. In ihrer heutigen Form existiert das Unternehmen erst seit 1999. Damals ging es aus einer Fusion der Währungsbörse Singapore International Monetary Exchange, der Aktienbörse Stock Exchange of Singapore und der Clearingstelle Securities Clearing and Computer Services hervor.

Internationalste Börse Asiens

Der größte Konkurrent des Börsenplatzes Singapur ist Hongkong. Zwar liegt Tokio ähnlich nah am Stadtstaat, wird jedoch nicht als ähnlich gefährlich wahrgenommen, weil die Händler sich dort mehr auf den Binnenmarkt konzentrieren. Die SGX jedoch wirbt offen damit, dass mehr als 40 Prozent der dort gelisteten Unternehmen ihren Hauptsitz außerhalb Singapurs haben.

Damit ist die Börse in der gesamten asiatisch-pazifischen Region führend. Geht es nach der Zahl der dort gelisteten unternehmen, ist die Börse Singapur zwar noch weit von der Größe der Konkurrenten in Mumbai, Australien oder Korea entfernt, bei einer Zahl schlägt die Börse Singapur jedoch ihre Konkurrenten bereits jetzt um Längen. Mit 311 von 771 gelisteten Unternehmen Ende September 2011 hält der Börsenplatz den unangefochtenen Rekord - nicht nur prozentual, sondern auch nach der absoluten Anzahl der Unternehmen. Nächst größerer Konkurrent wären die Australier, bei denen 92 von 1929 Unternehmen aus dem Ausland kamen. Zum Vergleich: An der Deutschen Börse hatten gerade einmal 76 der 673 gelisteten Unternehmen ihren Sitz im Ausland, an der sehr international ausgerichteten NYSE Euronext betrug die Quote im September 517 zu 1794.


Die Hedgefonds ins Land holen

Diese Offenheit kommt dem Börsenplatz Singapur noch an anderer Stelle entgegen. Im Oktober 2010 entschied ein indisch-amerikanisches Konsortium sich für den Stadtstaat als Standort für seine neue Rohstoffbörse. Obwohl die damals gegründete Singapore Mercantile Exchange (SMX) der lokalen Börse Konkurrenz macht, haben die Behörden die Zulassung sehr erleichtert - anders als an den anderen angedachten Standorten wie etwa China.

Ebenfalls angelockt von Singapur werden die Hedgefonds-Manager. In Europa steigt ihre Steuerlast, während ihr Geschäft immer stärker reguliert wird. In Singapur steigt die gesamte Abgabenbelastung kaum über 20 Prozent. Wie gerne der Stadtstaat die im Westen oft gescholtene Anlageform empfängt, zeigt das Stadtviertel Nepal Hill. In der Top-Lage sollen die Manager der Finanz-Kolosse residieren. Im vergangenen Jahr soll das Volumen der Hedgefonds weltweit rund 1,5 Billionen Euro betragen haben. Singapurs Anteil davon waren rund 50 Milliarden - viel Potenzial für eine Steigerung von Marktanteilen.

Auch technisch ist Singapur schon längst Weltspitze. Mit einem neuen Handelssystem, dessen Einführung im vergangenen Jahr begonnen hatte, schlägt die SGX den bisherigen Geschwindigkeits-Spitzenreiter Nasdaq um fast das doppelte. Im computergestützten Handel sind in Singapur Ausführungszeiten von 90 Millionstel Sekunden möglich. Käufe und Verkäufe am deutschen Xetra-System dauern im Schnitt dagegen vier bis sieben tausendstel Sekunden.

Das neue System hat die Börse Singapur geschätzte 150 Millionen Euro gekostet - und demonstriert, dass der Stadtstaat auch auf diesem Feld die Tugenden hoch hält, die ihn gesamtwirtschaftlich so stark gemacht haben: Keine Angst vor Investitionen, keine Angst vor der internationalen Öffnung und schnelle Entscheidungen. Das Kapital strömt längst nach Singapur, und der Börsenplatz ist gerüstet.

Quelle:  Handelsblatt Online
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