Singapur-Special: Ein Millionär an jeder Ecke

Singapur-Special: Ein Millionär an jeder Ecke

, aktualisiert 03. November 2011, 17:18 Uhr
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Singapur ist das Land mit der höchsten Millionärsdichte weltweit.

Quelle:Handelsblatt Online

Mit Ende des jüngsten Haushaltsjahrs im März waren es 1,4 Billionen Singapur-Dollar (805 Mrd. Euro), die von Fondsmanagern in Singapur verwaltet wurden. Investoren fühlen sich von den Angeboten des Stadtstaats angezogen.

MumbaiNirgendwo in der Welt können Besucher beim Straßenspaziergang mit so hoher Wahrscheinlichkeit einem Dollar-Millionär begegnen, wie in Singapur. Rund jeder siebte Haushalt des Fünf-Millionen-Staats besitzt laut Global Wealth Report der Unternehmensberatung Boston Consulting mehr als eine Million US-Dollar. Damit ist Singapur das Land mit der höchsten Millionärsdichte weltweit - und gerade dabei, der Schweiz als Standort mit dem höchsten Durchschnittsvermögen der Millionäre den Rang abzulaufen.

Das Private Banking in Singapur boomt. Der Stadtstaat zieht mit seinen niedrigen Steuersätzen und überschaubaren Regulierungen für den Geldfluss immer mehr Kapital an. In sehr kurzer Zeit hat Singapur es auf einen respektablen zweiten Platz hinter der Schweiz bei den weltweit größten Vermögensverwaltern geschafft. Hinter London, New York und Hong Kong belegt es inzwischen stabil den vierten Platz auf dem renommierten Global Financial Centres Index (GFCI).

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Woher das Geld kommt, lässt sich nicht endgültig statistisch feststellen, weil die Finanzaufsicht MAS keine entsprechenden Statistiken führt. Viele Beobachter, insbesondere im angelsächsischen Raum, glauben an große Zuflüsse aus Europa, namentlich der Schweiz, seitdem dort das Bankgeheimnis mehr und mehr aufweicht.

Steuerparadies mit Fragezeichen

Insbesondere Schweizer Banken widersprechen und betonen, dass Singapur zum Beispiel Artikel 26 des Steuerabkommens der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) unterzeichnet hat, der den zwischenstaatlichen Informationsaustausch erleichtert. Dennoch liegt die Vermutung nahe, dass ein großer Teil des Geldzuflusses aus solchen Quellen stammt - de facto wird das Bankgeheimnis in Singapur überdurchschnittlich gut gehütet.

Direktere Konkurrenz bekommt der Finanzplatz Singapur jedoch nicht aus Europa, sondern aus der näheren Nachbarschaft. Insbesondere Hongkong ist der größte und auch einflussreichste Wettbewerber. Tokio verfolgt hingegen ein etwas anderes Geschäft, weil der Handel dort eher binnenorientiert ist.

Auch dieser Unterschied hat Singapur so schnell so erfolgreich gemacht: Die Führung hat akzeptiert, dass sei Finanzplatz von Ausländern dominiert wird und somit in Konkurrenz zur etablierten Börse tritt. Ebenfalls für Singapur spricht seine Akzeptanz für Hedge-Fonds. Während in Europa und den USA die Bestimmungen für diese Anlageform drastisch verschärft wurden, werden sie in Singapur liebend gerne akzeptiert.


Europäer stellen massiv ein

Auch die europäischen Banken reagieren entsprechend und versuchen bereits seit einigen Jahren, sich ihr Stück am Kuchen zu sichern. Neben der deutschen Bank stocken vor allem die Schweizer Institute ihre Präsenz in dem Stadtstaat massiv auf. So hat zum Beispiel das Schweizer Institut Julius Bär erklärt, dass Singapur sein zweiter Heimatmarkt sei. Auch Standard Chartered und Citibank stellen laufend Personal in Singapur ein.

Auf lange Sicht helfen könnte Singapur zudem, dass es keineswegs lax mit den heimischen Instituten umgeht. Noch schneller als von Basel III gefordert, werden die von dort stammenden Geldhäuser ihr Eigenkapital aufstocken, um Risiken für die systemrelevanten Banken zu minimieren. Mit 12,5 Prozent Eigenkapital und 9 Prozent Kernkapital liegen die Anforderungen an die Institute jeweils zwei Prozentpunkte über denen der europäischen Vereinbarung.

Das eher behutsame Vorgehen bei der Weitergabe von Finanzinformationen dürfte Singapur jedoch trotz dieser eher harten Bankenregelungen in absehbarer Zeit nicht aufgeben. Auch, wenn das Land sich nicht als Steuerparadies bezeichnen lassen möchte - auf die größte Millionärsdichte der Welt wird die Regierung ungern verzichten wollen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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