Singapur-Special: Stabilitätsanker in Südostasien

Singapur-Special: Stabilitätsanker in Südostasien

, aktualisiert 31. Oktober 2011, 13:10 Uhr
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Die Monetary Authority of Singapore agiert anders als die meisten Zentralbanken.

von Finn Mayer-KuckukQuelle:Handelsblatt Online

Die Zentralbank von Singapur schafft die Rahmenbedingungen für den wirtschaftlichen Erfolg des Stadtstaates. Dabei geht die Monetary Authority of Singapore anders vor als die meisten Zentralbanken.

PekingDas Leben eines Zentralbankers kann ganz einfach sein – sogar im Jahr vier einer weltweiten Finanzkrise. „Der stabile Singapur-Dollar ist der Stabilitätsanker für unsere kleine, offene Wirtschaft“, sagte Notenbankchef Tharman Shanmugaratnam vor zwei Wochen auf einer Rede. „Die Monetary Authority of Singapore wird weiterhin die Basis für diese wirtschaftliche Stabilität legen.“

Der Singapur-Dollar ist keine gewöhnliche südostasiatische Währung, sondern ein Symbol für die Stärke und Unabhängigkeit des Stadtstaates. Obwohl Singapur nur rund fünf Millionen Einwohner hat, sehen die umliegenden Staaten die harte Devise als Leitwährung. Es war ein besonders kluges Finanzmanagement, mit dem Singapur sich diesen Status über Jahrzehnte erarbeitet hat. 

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Im Kern des Phänomens Singapur-Dollar befindet sich die Währungsbehörde, die Monetary Authority of Singapore (MAS). Ihr Chef ist zugleich Finanzminister und Vizepremier des Landes. Shanmugaratnam und seine Vorgänger steuern die Währung mit eindeutigen Vorgaben zum Wohl der einheimischen Wirtschaft. Während andere Zentralbanken weltweit wie die Fed in New York oder die EZB in Frankfurt derzeit mit der Vielzahl der an sie gestellten Anforderungen hadern, weiß die MAS genau, wo ihre Ziele liegen und was sie zu tun hat.

Wie jede Zentralbank übernimmt die MAS die Geldversorgung der Geschäftsbanken und damit der Wirtschaft. Anders als andere Zentralbanken ist ihr wichtigstes Werkzeug jedoch nicht der Zins, sondern das Management des Außenwerts. Da die Wirtschaft wegen der globalen Krise derzeit zu schwächeln droht, nimmt die MAS derzeit beispielsweise das Tempo aus der Aufwertung der eigenen Währung.  Hier liegt auch die zweite große Aufgabe der Institution: Sie kümmert sich um die Devisenbeziehungen zu den anderen Währungen.

Die MAS orientiert sich an einem Korb internationaler Währung wie Dollar, Yen und Euro, wenn sie den Wechselkurs des Singapore-Dollar festlegt. Das Ziel ist dabei einerseits Geldwertstabilität, andererseits die Schaffung günstiger Bedingungen für den Export. Der Gesamtwert der umlaufenden Geldmenge des Stadtstaates ist durch Devisenreserven abgesichert. Singapur genießt damit maximale Sicherheit gegen internationale Währungs- und Finanzkrisen.


Kein Paradies für Steuersünder

Die MAS ist zwar eine Behörde, doch sie ist wie ein Unternehmen organisiert – darin ähnelt sie allen Regierungsinstitutionen des Stadtstaates. Die Verzahnung mit der Politik erfolgt durch das Personal - daher die Personalunion des MAS-Chefs mit dem Amt des Vizepremiers und des Finanzministers. Die personelle Verflechtung erhöht die Schlagkraft der finanzpolitischen Entscheidungen: Der Servicestaat Singapur liefert Entscheidungen aus einem Guss.

Die MAS ist zudem eine ungewöhnlich mächtige Zentralbank. Sie versieht auch die Aufgaben der Finanzaufsicht ihres Landes und hat beispielsweise kürzlich einen Hedgefonds einfrieren lassen, dessen Geschäftspraktiken nicht den Regeln entsprach. Auch der maßgebliche Konjunkturbericht kommt jedes Vierteljahr von der Geldbehörde. Sie agiert auch als Förderbank und finanziert den Staat durch die Ausgabe von Anleihen.

Die MAS als Bankaufsicht hat auch die Aufgabe, die Rolle Singapurs als Finanzoase zu steuern. Einerseits will die Tropenstadt internationales Kapital anziehen und fördert auch die Verwaltung von Privatvermögen. Andererseits will Singapur nicht in den Geruch kommen, ein Paradies für Steuersünder zu sein – es soll alles korrekt zugehen. „Wir stellen sicher, dass sich Wirtschaftsverbrechen in Singapur nicht lohnen“, sagt Ravi Menon, der Geschäftsführer der MAS. „Wer den hart erarbeiteten Ruf Singapurs als Zentrum finanzieller Integrität gefährdet, muss mit ernsten Konsequenzen rechnen.“  Im Zweifelsfall sorgt die MAS jedoch dafür, dass die Banken in dem Stadtstaat sehr vertraulich operieren können. Im Verein mit der Finanzbehörde schafft sie auch sonst gute Bedingungen. Die Steuern auf Kapitalerträge sind sehr niedrig.

So wird die Monetary Authority auch weiter dafür Sorge tragen, dass in Singapur beste Standortbedingungen für die Real- wie für die Finanzwirtschaft herrschen. Es zeichnet sich auch ab, dass der Singapore-Dollar seine einzigartige Stellung als Ankerwährung der Region weiter ausbauen kann. Mit der Verschiebung der weltweiten Machtzentren nach Asien gewinnt er sogar an Prestige. „Singapur befindet sich so in einer exzellenten Position, um als eines des führenden Finanzzentren der Region weiter zu wachsen“, sagt Singapurs Finanzvorstand Shanmugaratnam.

Quelle:  Handelsblatt Online
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