SIS und Unify: Wie Atos von Übernahmen und Glücksgriffen profitiert

SIS und Unify: Wie Atos von Übernahmen und Glücksgriffen profitiert

, aktualisiert 27. April 2016, 12:19 Uhr
von Axel HöpnerQuelle:Handelsblatt Online

Seit der Übernahme der schwächelnden Siemens-Sparte SAS ist der Atos-Konzern auf Erfolgskurs. Jetzt wollen die Franzosen das Kunststück mit Unify, einer weiteren kriselnden Siemens-Sparte, wiederholen.

HannoverAls der französische Atos-Konzern vor fünf Jahren die Siemens-IT-Tochter SIS übernahm, waren viele skeptisch. Über lange Jahre hatte Siemens versucht, die schwächelnde Sparte auf Erfolgskurs zu bringen, vergeblich.

Die Integration bei Atos aber gelang vergleichsweise geräuschlos. Auch dank der Akquisition sei Atos heute „das am stärksten wachsende IT-Unternehmen in unserem Sektor“, sagte Atos-Deutschland-Chef Winfried Holz dem Handelsblatt auf der Hannover Messe. Bei der frisch erfolgten Übernahme von Unify, einer weiteren seit langem kriselnden Ex-Siemens-Sparte, will Atos nun das Kunststück wiederholen.

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Der Kommunikationssoftware-Spezialist Unify, der Unternehmen zum Beispiel eine Art Skype für die sichere Kommunikation über das Internet anbietet, hatte nach mehreren Restrukturierungsrunden zuletzt noch 5.000 Mitarbeiter. Der Finanzinvestor Gores und Siemens verkauften das Unternehmen im vergangenen Herbst für 366 Millionen Euro plus Schulden an Atos.

Schon vorher habe man von der Beratung über die System-Integration bis zum Betrieb der Infrastruktur und dem Verkauf von Hardware fast die gesamte Wertschöpfungskette angeboten, sagt Holz. Nun komme noch Unify hinzu. Man habe - auch dank SIS - inzwischen viel Erfahrung mit der Integration von Übernahmen. Dabei zähle vor allem „Tempo, Tempo, Tempo“.

Unify bringe eine gute Kundenbasis mit ein. In den vergangenen Jahren habe es wegen der vielen Restrukturierungsrunden und der Unklarheit über die langfristige Eigentümerstruktur Verunsicherung bei den Kunden gegeben, man spüre, dass diese nun vorbei sei.

Unify hatte 2012 noch rund 1,2 Milliarden Euro Umsatz gemacht. Atos legte im vergangenen Jahr um 18 Prozent auf knapp elf Milliarden Euro zu. Auch organisch blieb, anders als bei vielen Wettbewerbern, ein leichtes Plus. Der Nettogewinn stieg um die Hälfte auf 437 Millionen Euro. In Deutschland gab es allerdings ein Umsatzminus.


Weitere Akquisitionen nicht ausgeschlossen

Ganz vorbei ist die Phase der Unsicherheit bei den Mitarbeitern noch nicht. Ein bereits zuvor beschlossenes Restrukturierungsprogramm muss noch beendet werden, zudem könnte Atos noch einmal draufsatteln. Die IG Metall kritisierte zudem, dass bei Unify unter anderem der Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung aufgehoben werden soll. Holz ist allerdings zuversichtlich, dass der Konflikt begrenzt bleibt. Schließlich habe man bei der Integration von SIS gezeigt, dass man verlässlich sei und den Abwärtstrend stoppen könne.

Atos profitiert von der Zusammenarbeit mit Siemens. Gemeinsam wollen beide Unternehmen bei Industrie 4.0 eine Schlüsselrolle spielen. Auch für Siemens selbst hat Atos Cloud-Lösungen entwickelt. Auf der Hannover Messe verkündeten beide Unternehmen eine Kooperation in der Daten-Analyse aus Basis der Siemens-Plattform Sinalytics.

Der Ausbau des Cloud-Geschäfts ist für die IT-Dienstleister eminent wichtig. Denn durch die oft günstigeren Cloud-Lösungen kannibalisieren sie teilweise ihr traditionelles Geschäft. "Man muss Marktanteile gewinnen, um das Niveau zu halten und zu wachsen", drückt es Holz aus.

Der Markt ist insgesamt durchaus noch attraktiv. Laut Branchenverband Bitkom dürfte das Geschäft mit IT-Dienstleistungen, zu dem auch das Projektgeschäft und die IT-Beratung gehören, in diesem Jahr in Deutschland um 2,7 Prozent auf 38,2 Milliarden Euro steigen. Die Branche profitiere unter anderem davon, dass "derzeit die gesamte Wirtschaft auf digitale Geschäftsmodelle umstellt“, sagte Bitkom-Präsident Thorsten Dirks.

Atos will sich nun nicht nur auf die Integration von Unify konzentrieren. Man sei weiter schuldenfrei, weitere Akquisitionen seien nicht ausgeschlossen, sagt Holz. Zukäufe müssten aber in die Strategie passen und einen Wertbeitrag leisten. Und beim Kauf von schwächelnden Unternehmen ist da der Hebel nach oben größer - wenn die Integration denn gelingt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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