Sitzung der US-Notenbank : Bilanzabbau der Fed dürfte wieder Thema sein

Sitzung der US-Notenbank : Bilanzabbau der Fed dürfte wieder Thema sein

, aktualisiert 03. Mai 2017, 14:15 Uhr
Quelle:Handelsblatt Online

Die Federal Reserve möchte ihre Bilanz verkleinern und hofft, dass das nicht allzu viel Tumult auf den Märkten verursacht. In der heutigen Fed-Sitzung dürfte der Schritt zur Sprache kommen. Analysten sind skeptisch.

Washington/FrankfurtDie Vorsitzende der Federal Reserve, Janet Yellen, möchte die 4,5 Billionen Dollar umfassende Bilanzsumme der US-Notenbank auf „geordnete und vorhersehbare Weise“ verringern, um die Risiken für die Wirtschaft zu begrenzen. Die Hürden, das zu erreichen, liegen jedoch hoch. Denn wie schnell die Reduzierung vorangeht und wann sie endet, liegt nicht in der Macht der Fed allein. Dies könnte bedeuten, dass den Finanzmärkten und der Wirtschaft turbulentere Zeiten bevorstehen als von Yellen und ihren Kollegen erhofft.

„Wir wissen nicht so recht, wie das vor sich gehen wird“, sagte Richard Clarida, globaler Strategieberater bei Pimco. Es gebe nicht allzu viele Präzedenzfälle für die Lage, in der sich die Fed befindet. Die Notenbanker werden bei der Sitzung am Mittwoch des zinspolitischen Offenmarktausschusses wahrscheinlich ihre Diskussionen vertiefen, wann und wie die Anleihebestände der Fed verkleinert werden sollen. Der Offenmarktausschuss dürfte seine Leitzinsen vorerst unverändert lassen, nachdem es im März eine Erhöhung auf 0,75 Prozent bis ein Prozent gab.

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Die Reaktion an den Finanzmärkten auf die Bilanzstrategie war bislang gedämpft. Das stützte die Hoffnungen der Notenbanker, die Bilanzverkleinerung lasse sich ohne größere Probleme bewerkstelligen. Die meisten Offenmarktausschuss-Teilnehmer möchten noch in diesem Jahr mit der Verringerung der Bestände an US-Staatsanleihen und mit Hypotheken besicherten Wertpapieren beginnen, zeigte das Protokoll der März-Sitzung.

Die Fed-Mitglieder glauben, dass Investoren die Bilanzverkürzung bereits einkalkulieren, so dass die Marktreaktion bei dem tatsächlichen Beginn begrenzt sein sollte. Doch einige Fed-Beobachter geben zu Bedenken, dass das Finanzministerium mehr Einfluss auf die Auswirkungen einer Verringerung des 2,5 Billionen Dollar schweren Portfolios an US-Staatspapieren hat.

Denn das Ministerium muss entscheiden, wie es die Finanzierung ausgleicht, die verloren geht, wenn die Fed die Erlöse aus fälligen Anleihen nicht mehr reinvestiert. Anleger könnten einen Einblick in die Pläne erhalten, wenn das Finanzministerium am Mittwoch seinen vierteljährlichen Auktionskalender bekanntgibt. Im Rahmen des so genannten „Refunding Announcement“ werden oft die Pläne für das Schuldenmanagement bekantgegeben.

US-Finanzminister Steven Mnuchin eröffnete die Möglichkeit, dass die USA Anleihen mit 50 Jahren Laufzeit oder noch länger begeben könnte, um von den niedrigen Zinsen zu profitieren und die Finanzierungslücke zu schließen. Im Interview mit Bloomberg TV sagte er, eine Arbeitsgruppe befasse sich mit dem Thema ultra-langlaufende Anleihen, weil dies „durchaus sinnvoll für uns“ sein könne.


Sind Anleihen mit ultralangen Laufzeiten die Lösung?

Die Begebung einer 50-jährigen Anleihe im vierten Quartal bei gleichzeitiger Fed-Bilanzverkürzung wäre eine effektive Strategie, meinte Gemma Wright-Casparius, die sich bei Vanguard Group für Investments in US-Staatsanleihen verantwortlich ist. „Es ist ein guter Zeitpunkt, beides miteinander zu verbinden.“

Sollte die Regierung mehr kurzlaufende Papiere, so genannte Bills, begeben, würde das für Finanzmärkte und Wirtschaft ein „Gratisgeschenk“ sein, erklärte Lou Crandall, Chefökonom von Wrightson. Die kurzfristigen Zinsen blieben verankert durch die Fed and wären somit nicht stark beeinträchtigt durch das höhere Angebot an Kurzläufern.

Gibt das US-Finanzministerium stattdessen mehr länger laufende Wertpapiere aus, würde dies für Aufwärtsdruck auf die Renditen von Treasuries und von Unternehmensanleihen sowie auf die Hypothekenzinsen sorgen - was wiederum Auswirkungen auf den Häusermarkt und die breite Wirtschaft hätte.

Verkompliziert wird die Sache noch durch die angestrebte Absenkung der 1,8 Billionen Dollar umfassenden Bestände an hypothekenbesicherten Anleihen. Solche Papiere können vorzeitig fällig werden, wenn Hauseigentümer umziehen oder ihre Hypotheken refinanzieren, erklärte Clarida von Pimco. Wenn die Fed ihre Positionen hier vorhersehbar verringern möchte, müsste sie ihre Bestände aktiv managen und nicht nur passiv hinnehmen, was am Markt geschieht.

„Einige ihrer Ziele stehen womöglich im Widerstreit“, sagte Mike Fratantoni, Chefökonom der Mortgage Bankers Association. Seiner Einschätzung nach wird – wenn die Bilanzverkürzung einsetzt – der 30-jährige feste Hypothekenzins im kommenden Jahr auf mehr als fünf Prozent steigen, verglichen mit derzeit 4,2 Prozent.

Ob die Absenkung der Bilanzsumme nun reibungslos verläuft oder nicht, das endgültige Volumen wird teilweise auch von der globalen Nachfrage nach liquiden Mitteln bestimmt werden, was außerhalb der Kontrolle der Fed liegt. Es wird auch davon beeinflusst, wie viele Reserven die Geschäftsbanken halten möchten, wie der ehemalige Fed-Mitarbeiter Eric Swanson erklärte.

„Es ist schön, wenn die Fed Klarheit schafft“, sagte Swanson, der nun Professor an der University of California in Irvine ist. „Aber in diesem Fall ist das nicht möglich.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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