Skandal um malaysischen Staatsfonds: Der junge Banker und die Staatsaffäre

Skandal um malaysischen Staatsfonds: Der junge Banker und die Staatsaffäre

, aktualisiert 22. April 2016, 15:57 Uhr
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Bei dem Fonds sollen rund vier Milliarden Dollar veruntreut worden sein.

von Mathias PeerQuelle:Handelsblatt Online

Der Ex-Mitarbeiter einer Schweizer Bank gerät in Südostasien in einen milliardenschweren Finanzskandal. Sein einstiger Arbeitgeber ist in dubiose Geschäfte verwickelt. Die könnten einen Regierungschef zu Fall bringen.

BangkokDie Ausmaße dieses Finanzskandals sind selbst für erfahrene Staatsanwälte nur schwer zu fassen: Es geht um einen milliardenschweren Untreueverdacht, die politische Zukunft eines Regierungschefs und dubiose Geschäfte rund um den Globus. In diesem unüberschaubaren Geflecht findet sich nun ein junger Mann wieder, der von der Lage überfordert zu sein scheint: „Wen soll ich betrogen haben?“, fragte der 33-jährige Ex-Banker am Freitag per Videoschaltung aus seiner Gefängniszelle einen Richter in Singapur. „Bis heute verstehe ich nicht, weshalb mir diese Vorwürfe gemacht werden.“

Der Mann, der vorerst in Untersuchungshaft bleiben muss, arbeitete in Singapur für die Schweizer Privatbank BSI und ist nun offenbar mitten in eine Staatsaffäre geraten: Er ist laut dem Finanzdienst Bloomberg die erste Person, die sich infolge der weltweiten Ermittlungen rund um Unregelmäßigkeiten bei dem malaysischen Staatsfonds 1Malaysia Development Berhad (1MDB) einer Anklage gegenüber sieht.

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Singapurs Staatsanwaltschaft wirft ihm Geldwäsche vor. Der Beschuldigte habe eine signifikante Rolle bei der Weiterleitung großer Geldsummen und beim Verschleiern von Transaktionen gehabt, hieß es in einer Mitteilung. Er selbst soll durch illegale Geschäfte umgerechnet rund 130.000 Euro erhalten haben. BSI wollte die Vorwürfe gegen den ehemaligen Mitarbeiter nicht kommentieren. Er habe die Bank 2014 verlassen, teilte eine Sprecherin auf eine Anfrage des Handelsblatts mit.

Verglichen mit dem Betrag, der bei 1MDB verschwunden sein soll, ist das jedoch geradezu mickrig: Die Schweizer Bundesanwaltschaft, die in dem Fall ermittelt, sieht ernsthafte Anhaltspunkte dafür, dass bei dem Fonds rund vier Milliarden Dollar veruntreut wurden. Malaysische Regierungskritiker sehen den Premierminister des Landes, Najib Razak, im Zuge des Skandals im Zwielicht und fordern seinen Rücktritt. Er hatte mysteriöse Zahlungen im Umfang von mehreren hundert Millionen Dollar auf sein Privatkonto erhalten. Sowohl er als auch 1MDB wiesen Vorwürfe über mögliches Fehlverhalten zurück.


Tessiner Bank BSI im Zentrum der Affäre

Eine wesentliche Verbindung zu der Affäre hat offenbar die Bank BSI aus dem Tessin, für die der nun angeklagte 33-Jährige als Kundenberater tätig war. Sie verwaltete Konten von 1MDB und dessen Geschäftspartnern. Im Zuge der Ermittlungen waren in Singapur bereits die Konten eines weiteren Mitarbeiters der Bank eingefroren worden. Angeklagt wurde die Bank nicht. Eine Anfrage des Handelsblatts zu dem Fall beantwortete die Bank am Freitag nicht. Auf Anfrage teilt die Bank mit, sich zu Anti-Geldwäsche-Kontrollen zu bekennen und mit Behörden zu kooperieren.

Das Institut hatte in den vergangenen Wochen seine wichtigsten Führungskräfte in der für das Asien-Geschäft zuständigen Niederlassung in Singapur verloren. Regionalleiter Hanspeter Brunner verabschiedete sich im März überraschend in den Ruhestand; der für das operative Geschäft zuständige Manager Gary Tucker wechselte zurück nach Europa. Auch weitere Führungskräfte stehden Medienberichten zufolge vor ihrem Abschied.

Der ehemalige BSI-Mitarbeiter, dessen Konten im Zuge der Affäre eingefroren wurden, machte seinem früheren Chef Brunner schwere Vorwürfe. „Ich bekomme das Gefühl, dass Sie versuchen, mich zum Sündenbock für Vorgänge zu machen, von denen das Management wusste“, schrieb er laut Gerichtsdokumenten im vergangenen August in einer E-Mail an Brunner. Er fügte hinzu, dass es sich bei den Vorgängen um nichts Illegales gehandelt habe.

Bei der Anhörung seines ehemaligen Kollegen, der nun angeklagt wurde, sagte der Vertreter der Staatsanwaltschaft, Kwek Mean Luck, der Fall sei ohne Zweifel die komplexeste grenzüberschreitende Ermittlung, mit der es seine Behörde je zu tun gehabt habe.

Der Anklagte kommentierte die Geschehnisse mit den Worten: „Ich bin nur ein Banker.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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