Skandinavische Banken: Wo Manager viel leisten und wenig verdienen

Skandinavische Banken: Wo Manager viel leisten und wenig verdienen

, aktualisiert 19. März 2017, 15:46 Uhr
Bild vergrößern

Das Gehalt des Chefs der Nordea Bank ist ein Beispiel für ein unter Bankmanagern vergleichsweise geringes Einkommen.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Bankmanager Nordeuropas verdienen nur einen Bruchteil der Gehälter andernorts – dabei liefern sie Top-Leistungen ab. Die Lohnzurückhaltung liegt auch am kritischen Blick der skandinavischen Öffentlichkeit.

SkandinavienEinige der besten Banken der Welt werden von Managern geführt, die nur einen Bruchteil dessen verdienen, was ihre Kollegen bei bekannteren Finanzhäusern bekommen. Das zeigen jetzt veröffentlichte Jahresberichte, die belegen, dass die Vorstandschefs der sechs größten Banken Nordeuropas im vergangenen Jahr nur etwa die Hälfte der Gelder ihrer ausländischen Kollegen verdienten – obwohl ihre Institute die europäischen Ranglisten dominieren durch Ertrags- und Eigenkapitalstärke. Das geht aus Berechnungen des Nachrichtendienstes Bloomberg hervor.

Bestes Beispiel hierfür ist Casper von Koskull, CEO der Nordea Bank, der einzigen für das globale Finanzsystem systemrelevanten Bank Skandinaviens. Er bekam 2016 2,46 Mio. Euro (2,61 Mio. Dollar) an festen und variablen Bezügen, Pensions- und anderen Leistungen. Bankinvestoren wiederum konnten sich über eine Rendite von 16 Prozent freuen.

Anzeige

Auch Thomas Borgen, Vorstandschef der Danske Bank, deren Marktwert heute größer ist als jener der Deutschen Bank, wird vergleichsweise bescheiden bezahlt. Er erhielt rund 2,6 Mio. Dollar, darunter Pensionszulagen. Das entspricht weniger als der Hälfte dessen, was sein Pendant zum Beispiel bei der britischen Großbank Lloyds Banking Group bekam. Die Summe liegt auch etwa 40 Prozent unter den Bezügen des Chefs der britischen Standard-Chartered-Bank.

Hintergrund der niedrigen Zahlungen ist auch das politische und soziale Umfeld. So ist die schwedische Regierung überzeugt, dass eine zu hohe Bezahlung von Managern, etwa „exzessive Bonus-Programme und insbesondere Programme, bei denen es profitabel ist, unverantwortliche Risiken einzugehen“, zu einem öffentlichen Aufschrei führen könnte, wie Finanzminister Per Bolund sagte.

Grundsätzlich liegen die Bezüge der Top-Verdiener bei den Nord-Banken rund ein Drittel unter dem europäischen Durchschnitt, zeigen Daten der European Banking Authority (EBA). Die Gesamtbezüge finden sich im unteren Drittel der Ranglisten wieder.

Die bestbezahlten skandinavischen Banker erhalten auch weniger als ihre Kollegen in Griechenland, Zypern, Spanien und Großbritannien, zeigt die Studie aus dem Februar. Für sie wurde die Bezahlung in 22 europäischen Ländern im Jahr 2015 unter die Lupe genommen.


Viele Händler verdienen mehr

Schaut man sich die Erträge der nordischen Finanzinstitute an, liegt der Schluss nahe, dass kein Bankmanager hohe Bezüge einstreichen muss, um überdurchschnittlich gute Arbeit zu leisten. Andere Studien deuten sogar darauf hin, dass eine höhere Bezahlung befördern könnte, dass genau solche Risiken eingegangen werden, die die Banken schon in der letzten Finanzkrise an den Rand des Abgrunds brachten.

Beispielswiese verdiente der Chef der Danske Bank, Thomas Borgen, sogar weniger als die Top-Händler britischer Großbanken, die später für die Manipulation des Referenzzinses Libor ins Gefängnis kamen. So bekam Jay Merchant, ein früherer Barclays-Händler, der im vergangenen Juli verurteilt wurde, 2007 rund 2,2 Mio. Pfund (2,7 Mio. Dollar) – rund 100.000 Dollar mehr als Borgen im Jahr 2016.

Die Aktien von Danske kletterten seit Jahresbeginn um rund 15 Prozent nach oben, was deutlich über dem Sechs-Prozent-Zuwachs beim Bloomberg-Index für europäische Banken im selben Zeitraum liegt.

John Armour, Professor für Recht und Finanzen an der Oxford University, ist der Meinung, dass es bei den Vergütungs-Praktiken von Banken noch viel zu reformieren gibt. Die Vorteile, die das Eingehen großer Risiken mit sich bringt, würden in den meisten Fällen deutlich über den Nachteilen potenzieller Verlusten liegen. Das gelte besonders für Manager. „Anstatt die Bezahlungen nach oben hin zu begrenzen, sollten wir uns auf die Abwärts-Seite konzentrieren“, fordert er. Oder einfacher ausgedrückt: Bankmanager sollten, falls etwas schief läuft, die finanziellen Folgen am eigenen Leib zu spüren bekommen.

In dieselbe Richtung gehen die Vorschläge einer Reihe von Finanzinvestoren. Immer öfter rebellieren Anteilseigner in Großbritannien und den USA auf Hauptversammlungen gegen aus ihrer Sicht schlechte Vergütungsregeln. Mächtige Versicherungen und Investmentgesellschaften – darunter Fidelity, Aberdeen, Calpers und Henderson – wollen 2017 den Druck auf Unternehmen erhöhen, um Gehaltsexzesse zu unterbinden und die Transparenz zu stärken. Auch in Deutschland ist die Debatte angekommen, glaubt die Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz: „Die Aktionäre sind deutlich kritischer geworden. Und das gilt nicht nur für Privatanleger. Auch viele institutionelle Investoren vertreten heute aktiv ihre Stimmrechte.“

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%