Skoda Kodiaq im Handelsblatt-Test: Großgemacht, um hohe Erwartungen zu erfüllen

Skoda Kodiaq im Handelsblatt-Test: Großgemacht, um hohe Erwartungen zu erfüllen

, aktualisiert 24. November 2016, 07:16 Uhr
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Der Neue gibt den großen Bruder des Yeti und steht in Verbindung mit einem 125 PS-Benziner, Frontantrieb und ordentlichen Basisausstattung ab 24.490 Euro in der Preisliste. In Deutschland macht wohl der stärkste Diesel (ab 37.040 Euro) das Rennen um die Gunst der Käufer. 190 PS vermitteln in Verbindung mit 400 Newtonmeter Drehmoment eine gewisse fahrerische Gelassenheit.

von Florian HückelheimQuelle:Handelsblatt Online

Skoda bringt sein erstes echtes SUV nach mehr als drei Jahren Entwicklungszeit auf die Straße. Der Druck ist enorm: Einen Problembären kann sich die Marke nicht leisten. Eine Ausfahrt verrät, was der Kodiaq bietet.

Palma de MallorcaFangen wir doch einfach mal da an, wo die wenigstens Tester beginnen. Nein, nicht beim Kühlergrill, dessen Design Skodas Hoffnungsträger vom Superb geerbt hat. Auch nicht beim unerschöpflich wirkenden Stauraum oder dem angenehm neutral abgestimmten Fahrwerk. Starten wir in Sitzreihe Drei. Da sind wir ganz unter uns.

In diesen intimen Platzverhältnissen lässt sich das große Ganze viel besser betrachten. Denn erstmals überhaupt ist es erlaubt, viel mehr gewollt, dass hier Menschen mitfahren können ohne dabei gegen die Straßenverkehrsordnung zu verstoßen. Gut dreieinhalb Jahre haben die Tschechen an ihrem ersten Fullsize-SUV gefeilt. Herausgekommen ist ein 4,70 Meter langes und mindestens 1,5 Tonnen schweres Reisemobil für viel „wenn“ und mit wenig „aber“.

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Auf der dritten Sitzreihe können durchaus zwei kurz geratene Erwachsene platznehmen, wenn es nötig ist. Aber sie sollten sich überlegen, wie lange sie es auf den viel kindertauglicheren Sitzen auszuhalten gedenken. Hier ist das Leder der Sitze genau so dick wie überall sonst im Wagen und ich sitze in den ersten Minuten sehr gut.

Schade, dass ich vergessen habe, die Rückbank in Reihe Zwei die vollen 18 Zentimeter nach vorne zu schieben. Rückenlehne und Kniescheibe sagen sich auf mallorquinischer Landstraße so regelmäßig Hallo.

Säße ich nicht hier, würde der Kodiaq 765 Liter Gepäck schlucken, nur 270 sind es mit sieben ausgeklappten Sitzen. Spart man sich 750 bis 890 Euro (je nach Ausstattungslinie) für die dritte Sitzreihe, so passt gefühlt der namensgebende Alaska-Braunbär in den Kofferraum des Kodiaq: Satte 2065 Liter und Gegenstände bis 2,8 Meter Länge finden dann Platz im hochbeinigen Tschechen.

Verkaufsmesslatte ist der Superb

Damit wird deutlich, dass der Neuling in Skodas Modellpalette zu Unrecht mit dem VW Tiguan oder dem Seat Ateca verglichen wird: Von den Genannten trennen ihn natürlich zwei Sitzplätze und mindestens 400 Liter Stauvolumen, die der Kodiaq mehr schafft. Ahnlich groß ist der Abstand zum sogar zehn Zentimeter längeren VW Touareg.

Und selbst ein Volvo XC90, der mit seiner Ausstattung und seinem Preis Klassen höher rangiert, unterliegt dem nutzwertigen Tschechen mit 200 Litern im Laderaum-Duell. Am nächsten im eigenen Haus kommt ihm dann noch der Superb Combi mit 1950 Litern maximalem Stauvolumen. Das zeigt, wie gewissenhaft man am Stammsitz in Mladá Boleslav mit der Markenphilosophie „Immer ein bisschen mehr Auto“ sein zu wollen, nimmt.

Dass sich der Kodiaq mehr als nur ein bisschen im nach wie vor boomenden SUV-Segment behaupten soll, ist bei der Präsentation des Modells zu spüren. Die erste echte Neuentwicklung soll sich bezahlt machen, einen Ladenhüter kann und will man sich nicht leisten. Mit Zahlen sind die Markenvertreter noch sparsam unterwegs. „Wenn die Begeisterung unserer Kunden genau so groß ist wie die unserer Händler, werden wir noch viel Freude mit dem Wagen haben“, sagt Frank Jürgens, Sprecher der Geschäftsführung von Skoda Deutschland.

An anderer Stelle ist zu erfahren, dass die Verantwortlichen erwarten, dass sich der Kodiaq nicht schlechter als der bislang größte Wagen im Portfolio, der Superb, verkaufen soll. Demnach müssten es spätestens 2018 circa 110.000 Stück weltweit pro Jahr auf die Straße schaffen.


Nutzwert soweit die Hände reichen

Doch genug vom Zahlen- und Laderaumausflug. Hier hinten in Reihe Drei dröhnen die Bässe der Canton-Lautsprecher eh viel zu sehr. Vorne spielt die Musik - von der wageninternen Festplatte, dem Handy, USB-Sticks, Speicherkarten, Digitalradio, ach, die Liste ist so lang.

Ehe ich aussteige, bleibt mein Auge an einer eigenwillig designten Kofferraumbeleuchtung hängen. „Warum mit so einem Kästchen?“, frage ich mich, bevor mir ein Licht aufgeht: Der ominöse Anbau ist eine kleine Akku-Taschenlampe. Kein Flutlicht, aber immerhin ein Retter für verloren geglaubte Münzen unter den Sitzen.

„Simply clever“ nennt die Volkswagen-Tochter Lösungen wie diese, von denen im Kodiaq mehr als 30 zu finden sind: Den Eiskratzer im Tankdeckel kennt man längst, zum Beispiel vom schnellen Octavia RS230. Dicke Gummi-Noppen im Flaschenhalter der Mittelkonsole sind da schon neuer. Sie verzahnen beispielsweise große PET-Flaschen so, dass man sie einhändig öffnen kann.

Selbst dem Nackenhörnchen macht Skoda den Garaus: In der zweiten Sitzreihe klappt man Teile der eigenen Kopfstütze so nach vorne, dass der Kopf nicht ungelenk jeder Kurve folgt.

So, endlich draußen, ab auf den Fahrersitz.

Vorne links sitzt es sich doch immer noch am Besten. Fußraum satt, zwei Pedale für den rechten Fuß zur Wahl. Den Gang wählt der Bär selbst und absolut ruckfrei aus sieben Fahrstufen im DSG. Zu den bekannten Fahrprofilen (Eco, Comfort, Normal, Sport, Individual), gesellt sich erstmals ein Schnee-Profil für die Allradversion.

Sinnvoll für Skiurlauber, denn den großen Wagen schieben je nach Ausstattung und Motorisierung zwischen 1,5 und 1,8 Tonnen Leergewicht (voll beladen max. 2472 Kilogramm) beim Druck auf die Bremse kräftig weiter.

Das Fahrwerk bemüht sich nach Kräften, Wank- und Eintauchbewegungen bei Lastwechseln zu unterbinden. Zwingt man das Gefährt nicht zum Schieben über die Vorderräder, bleibt ein handlicher und entspannter Gesamteindruck zurück, der sicher auch von den gut 2,8 Metern Radstand herrührt. Mir gab das Lenkrad zwar etwas zu wenig Rückmeldung über den Fahrbahnzustand, doch das wird die wenigsten Besitzer wirklich stören.


Der Bär braucht Bewegung

Im 2.0-Liter-Diesel mit Allrad und 150 PS ist der Kodiaq in jedem Profil etwa gleich dynamisch unterwegs, im Sportmodus ist einzig die Federung etwas straffer, das DSG schaltfreudiger (6 Stufen bei den kleinen Benzinern, 7 Stufen bei allen Diesel) und die Lenkung zumindest gefühlt ein wenig direkter.

Bergauf hat das schnell schaltende Getriebe viel Mühe mit der Masse des Wagens. Auf ähnlich steiler Strecke wird deutlich, dass der 1,4-Liter-Turbobenziner mit Zylinderabschaltung und gleicher Leistung nicht an den Durchzug des Selbstzünders herankommt. Wüsste man es nicht besser, man würde beide Maschinen unterschiedlich stark einschätzen - was gewissermaßen auch stimmt, denn der Diesel hat mit 340 Newtonmeter deutlich mehr Drehmoment (Benziner: 250 Nm).

Das treibt den Verbrauch: Bei ständigem Auf und Ab braucht der Benziner gute zehn Liter, der Diesel führt eine betonierte Sieben vor dem Komma. Auf flacher Strecke und ohne Zuladung vermitteln beide Aggregate hingegen einen ausreichend dynamischen Eindruck, um kommod über die Autobahn gleiten zu können. Beide Maschinen brauchen dann gut zwei Liter Treibstoff weniger pro 100 Kilometer.

Wer mehr will und die Zuladung oder Endgeschwindigkeit des Kodiaq öfter ausreizen möchte, greift lieber zum 190-PS-Diesel oder zum 180-PS Zwei-Liter-TSI. Die Einstiegsmaschine, ein 125 PS Turbo-Benziner, erscheint mir als keine echte Option: Sie dürfte sich schon bei wenig Last in die oberen Drehzahlregionen vorarbeiten und dort bleiben, um den Wagen in Bewegung zu halten.

Großer Schritt zum vernetzten Auto

Mittlerweile lohnt sich bei Skoda der Blick aufs erweiterte Multimedia-Angebote. Neu sind so genannte „Care Connect“-Dienste, die ab der zweithöchsten Ausstattungslinie „Ambition“ serienmäßig an Bord sind. Mittels einer eingebauten SIM-Karte im Auto und der passenden App lassen sich mobil Infos zu Tankfüllstand, Beleuchtung, Türen, und Parkposition abrufen. Routen für das Navi werden optional aus der Ferne aufgespielt, was im Test reibungslos funktionierte. Ganze 14 Jahre lang sind diese Dienste sowie ein Notrufassistent für den Halter gratis.

Die neue Konnektivität zeigt, wes' Kind der Kodiaq ist: Modularem Querbaukasten sei Dank findet sich unter dem tschechischen Gewand eine Menge VW-Technik, die sowohl beim Infotainment als auch bei den Fahrassistenzsystemen unaufgeregt funktioniert: Spurhalter, dynamische Geschwindigkeitsregelung mit Abstandhalter, 360-Grad-Kamera mit Abstandssensoren für enge Parkmanöver, Tot-Winkel-Assistent, Stau-Assistent, Ausparkassistent, und Anhänger-Rangier-Assistent sind auf Wunsch mit an Bord. Und soll gemeinsam mit den großzügigen Abmessungen und dem guten Raumgefühl im Inneren dazu beitragen, dass dieses Modell vor allem auf dem wichtigen chinesischen Markt punktet.

Fazit: Der Kodiaq wird kein Problem-Bär werden. Man merkt sowohl am Gesamtpaket als auch an den Details, dass er dazu gebaut wurde, hohe Erwartungen zu erfüllen und sie vielleicht sogar zu übertreffen. Wie weit er im SUV-Segment vorfahren kann, werden die Vorbestellungen zeigen. Sicher ist, dass im Kodiaq auch in Reihe Drei noch genug Platz ist, um es dort ein Weilchen auszuhalten.

Skoda Kodiaq Style

Technische Daten

MotorVierzylinder in Reihe, Turbo-Diesel
Hubraum1.968 cm³
Leistung110 kW /150 PS bei 3.500-4.000 U/min
Max. Drehmoment340 Nm bei 1.750-3.000 U/min
AntriebAllrad
Getriebe7-Gang-Automatik
Preisab 38.040 Euro (Modellreihe ab 25.490 Euro)

Fahrleistungen

Höchstgeschwindigkeit194 km/h
Beschleunigung 0 - 100 km/h10,2 Sek.

Verbrauch & Emissionen

Innerorts6,7 l / 100km
Außerorts5,1 l / 100km
Kombiniert5,6 l / 100km bei 147g CO2/km
EmissionsklasseEuro 6


Maße und Gewichte

Länge4.697 mm
Breite (inkl. Seitenspiegel)2.087 mm
Höhe1.676 mm
Radstand2.791 mm
Wendekreis11,6 m
Leergewicht als 7-Sitzer1.783 kg
Tank60 Liter
Stauvolumen (mit 3. Sitzreihe/


3. Reihe umgeklappt/


2. Reihe zusätzlich umgeklappt)
270/765/2.005 Liter


Quelle:  Handelsblatt Online
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