Skoda Superb Combi im Handelsblatt-Test: Eine Kombi voller guter Ideen

Skoda Superb Combi im Handelsblatt-Test: Eine Kombi voller guter Ideen

, aktualisiert 04. Februar 2016, 07:42 Uhr
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Wie VW Golf und VW Passat nutzt der neue Skoda Superb den flexiblen modularen Querbaukasten des Volkwagens-Konzerns – dehnt ihn aber auf die aktuell großzügigsten Dimensionen aus. Und hält jede Menge überraschende Detaillösungen bereit.

von Frank G. HeideQuelle:Handelsblatt Online

Im Detail, da steckt ja der Teufel. Aber da wohnt auch die Liebe. Wie der Skoda Superb gerade als Combi beweist. Beim Raumangebot und Ideenreichtum dieser Mittelklasse können sich Premiummarken noch was abgucken.

DüsseldorfViel Platz zu fairen Preisen, das kann Skoda. Und damit macht die tschechische VW-Konzerntochter es den Produkten des Wolfsburger Stammhauses seit Jahren immer schwerer, denn Skoda ist schon lange kein Geheimtipp mehr, keine billiges Ostblock-Schnäppchen. Der Octavia als Golf-Gegenspieler und der neue Superb als Herausforderer des Passat, das sind Duelle, die vor allem bei den Kombis mit harten Bandagen ausgetragen werden. Denn das sind die meistverkauften Modelle, da geht es auch um den immer wichtiger werdenden Firmenfahrzeug-Flottenmarkt.

Aber muss man Kombi-Fahrer oder Skoda-Fan sein, um den neuen Superb so zu finden, wie sein Name es verspricht? Nein, die dritte Generation des nutzwertigen Lademeisters werden auch alle gut finden, die einen leichten Aufräumfimmel haben, Sauberkeit und Ordnung lieben.

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Die klassische Messgröße für den Kombi ist der Stauraum, und da fährt unser Superb-Testwagen in diesem Segment rekordverdächtige 1.950 Liter vor, 660 sind es in Normalstellung der Sitze. Man möchte ein „Hallo?“ hinschmettern, und das späte Echo käme als „Kauf mich!“ zurück. Die weit nach oben schwingende Heckklappe des Combi öffnet nun allen, die einen Fuß unter der Heckstoßstange schwenken, und natürlich den Aufpreis gezahlt haben.

Sie blicken in einen Schlund auf Niveau des Mercedes E-Klasse-T-Modells. Passat, Mondeo und Insignia überbietet der Tscheche. Zwei Details stören aber: Die Ladefläche wird nicht ganz eben, und ich finde keinen geplanten Stauraum für ihre Abdeckung. Und lerne beim Blick in die Aufpreisliste: Für 220 Euro mehr wäre beides dank eines variablen Ladebodens kein Problem mehr.

Überhaupt, die Extras und ihre Aufpreise, das ist das große Thema bei diesem Skoda, der unglaublichen Detailreichtum bietet: Wir hatten noch keinen Testwagen, der mit mehr Zurrhaken und -ösen, mehreren variable Gepäcknetzen und mehr zusätzlichen Staufächern aufwarten konnte, als dieser Superb. Wenn in diesem Kofferraum nach dem Wochenendeinkauf noch etwas herumpoltert, dann muss der Fahrer ordnungsverweigernder Messie sein.

Zusätzlich zur sicheren und komfortablen Ambiente-Beleuchtung jeder noch so kleinen Ecke legt Skoda eine LED-Taschenlampe in den Kofferraum. Natürlich lädt sie automatisch in ihrer Halterung. Den Regenschirm in der Tür und den Eiskratzer mit Lupenfunktion in der Tankklappe kennt man ja schon, natürlich sind sie als „simply clever“-Basics in Generation Drei wieder mit an Bord. Ebenso wie zahlreiche Stromanschlüsse und eine Durchreiche in der 60:40 geteilten Rücksitzlehne, die getrennt abklappbar ist.

Unter dem Ladeboden, den ich mit integriertem Haken und Gummizug an der Heckklappe fixiere, liegen statt des früher üblichen Ersatzrades weitere riesige Staufächer. Und an den Seiten der Ladefläche, direkt vor den schmal gehaltenen Radhäusern, gibt es praktische Klappwinkel mit Klett. Mit denen klemme ich ungleichmäßiges Sperrgut ein. Das reinste Kinderspiel, auch mit nur einer freien Hand völlig problemlos.

Rollen wir den Superb weiter von hinten auf und kommen zur Rücksitzbank. Wer hier Platz nimmt, fühlt sich ein bisschen wie in einer S-Klasse, nur mit billigerem Leder. Die Beinfreiheit ist gewaltig, selbst wenn ein großgewachsener Fahrer seinen Sitz weit nach hinten schiebt. Im A6 Avant und im 5er Touring habe ich nicht schlechter gesessen, aber da hatte ich das vorausgesetzt. Im Skoda ist es immer noch eine gelungene Überraschung, dass man die Beine übereinanderschlagen kann.

Nachdem ich mich zurecht geräkelt habe, klappe ich die Mittelarmlehne aus schwarzem Kunstleder runter und öffne ihr Frontfach. Hier liegt, ebenso wie im Handschuhfach, ein grüner Kugelschreiber. Natürlich rappelt und klappert er nicht einfach herum, hier waren Ingenieure am Werk, und sie haben zwei zierliche Greifarme eingebaut. Man muss kein Journalist sein, um diesen liebevollen Umgang mit dem Schreibwerkzeug ein bisschen zu bewundern. Haben die wirklich an jedes kleine Detail gedacht?

Bleiben wir zur Überprüfung der Frage noch auf dem Rücksitz. Im dunklen Fond, dem ein Glasdach aus der umfangreichen Aufpreisliste sicher gut getan hätte, fällt der Blick auf eine Kunststoffhalterung an der Kopfstütze des Beifahrersitzes. Hier klemme ich mein Smartphone ein und freue mich über den angenehmen Widerstand des Kugelgelenks, das mein Telefon im richtigen Winkel hält.

Später, nach dem Download verschiedener Skoda-Apps, was dank WLAN im Auto kein Problem ist, tausche ich Smartphone gegen Tablet. Die erweiterbare Halterung hält auch das gut fest, sie wandert nun aus der Kopfstützrückseite in die Armlehne der Rückbank, rastet satt in eine Halterung ein.

Dank Mirror Link, Android Auto und all dem anderen modernen Kram halte ich mich nun in einer Art Überraschungsei auf Rädern auf. Gebastelt habe ich schon mit der Halterung und den Geräten, jetzt könnte ich den Fahrer damit überraschen, dass ich von hinten aus drahtlos in Navigation und Musikauswahl eingreife, Verkehrsmeldungen lese, Ausweichrouten prüfe.

Für Eltern formuliert: Denken Sie angesichts der selbstbewussten Aufpreisliste direkt an die nächste Urlaubsfahrt. Sie wollen ja nicht mehr erleben, dass die Bratzen vor lauter Langeweile von hinten mit Chips werfen. Falls doch mal Unruhe entsteht: Gekühlte Erfrischungsgetränke gibt es nicht nur aus dem Handschuhfach, auch die tiefe Ablage unter der Fahrer-Armlehne ist klimatisiert.


Gelenkt und geleitet wie von Mutti

Vorne im Skoda habe ich den Eindruck, dass die Tschechen es nicht nur mit der bürgerlichen Mitte aufnehmen wollen, sondern sich auch am Premiumsegment orientieren. Die Monitorgröße des erstklassigen Multimedia-Infotainments spricht dafür, die Auswahl an modernsten Assistenz- und Sicherheitssystemen ebenfalls. Der Fahrer wählt aus fünf verschiedenen Fahrmodi, ein Eco-Trainer erzieht freundlich zu vernünftiger Fahrweise während der Spurführungsassistent sanft die Lenkung korrigiert.

Es bleibt Zeit und Muße, sich dem Verbrauch zu widmen, denn vom Müdigkeitsassistenten beobachtet und einer Notbremshilfe vor dem Auffahren bewahrt, bleibt mir als Fahrer sonst nicht viel. Der Außenspiegel blinkt, wenn der Spurwechsel nicht empfehlenswert erscheint, und die Verkehrszeichenerkennung ermahnt zur Einhaltung des Tempolimits.

Eine freundliche Frauenstimme sagt mir so unmissverständlich wie die eigene Mutter, wo es langgeht. Wenn ich es doch mal krachen lassen will, dann nur noch mit der mehr als 600 Watt starken Canton-Surroundanlage und ihren 12 Lautsprechern, die die Mittelklasse zur Beatbox mutieren lassen. Ansonsten fährt und führt mich der Superb ebenso unaufgeregt wie bequem. Sogar die Start-Stopp-Automatik scheint einen Modus „vorauseilender Gehorsam“ zu kennen, sie schaltet im Eco-Modus schon beim Ausrollen ab und beherrscht auf der Autobahn auch die Segel-Funktion.

Selten habe ich ein Auto gefahren, in dem mir die Beschleunigung von 0 auf 100 (7,7 Sek.) oder die Endgeschwindigkeit (235 km/h) so egal waren. Weil so ein bisschen Rolls-Royce-Feeling im Alltag aufkommt: Es war stets für alle Fahrsituationen ausreichend Leistung vorhanden. Das entspannt enorm. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass der Zwei-Liter-Turbodiesel im Testwagen bis zu 190 PS Leistung stets bereitwillig gibt, aus der Fülle des Motorenangebots würde für mich aber auch eine Nummer kleiner voll in Ordnung gehen.

Ein Passat der neuesten Generation, der mittlerweile Echtholzeinlagen im Armaturenbrett zeigt, mag noch einen Hauch mehr Raumangebot suggerieren. Doch der Superb Combi hält auch auf den vorderen Plätzen mit klassischen Stärken dagegen: Stauraum, Nutzwert, Ideen- und Detailreichtum.

Die Ablage fürs Smartphone vorne ist gummiert, da rutscht und rappelt nichts. Links vom Steuer, das auch sehr gut erreichbare Schaltpaddles für die sechs DSG-Gangstufen anbietet, ist ein Klappfach, das nimmt den Fahrzeugschlüssel dankbar auf, und es zeigt zwei Einschübe, etwa für Park- und Tankkarte. Keine Frage, beim Superb steckt nicht der Teufel im Detail, da wohnt die Liebe. Und zwar die zum aufgeräumten, picobello sauberen Auto.

Bester Beweis dafür: In der Fahrertür-Seitenablage ist ein kleiner schwarzer Mülleimer eingehängt. Natürlich hat er einen Deckel, es soll ja nicht miefen. Klappt man ihn auf, entdeckt man eine perfekt passende Mülltüte. Wahnsinn, oder? Dass Skoda sich traut, sowas ohne Abfalltrennung anzubieten! Muss noch mal auf die Optionsliste gucken, ob es nicht noch drei andersfarbige Tönnchen und Tütchen gibt.


Parken lassen statt parken

Selbstverständlich ist die Mittelarmlehne ebenso gut verstellbar wie der Fahrersitz und das Lenkrad. Wer hier nicht die perfekte Sitzposition findet, sollte auf Bus oder Fahrrad umsteigen. Die Übersicht ist gut, wem sie, wie bei modernen Autos üblich, nicht groß genug ausfällt, der verlässt sich auf die Unterstützung von sensiblen Parkpiepsern und schärfstens aufgelöste Bilder der Rückfahrkamera. Letztere lässt sich auf verschiedene Betrachtungswinkel einstellen, was an engen Stellen mehr ist als eine Spielerei.

Unser Testwagen parkte per Assistent sogar vollständig autonom ein. Knopfdruck, Blinker setzen, Rückwärtsgang rein, schon zirkelt der Superb in eine Längslücke rechts hinter mir, dass es eine Freude ist. Warum er mit Querparklücken auf großen und überwiegend freien Supermarkt- und Baumarkt-Parkplätzen aber oft ein Erkennungsproblem hat, bleibt ein Geheimnis seiner Entwickler.

Abschließend bewältigte der Superb noch die wichtigsten Testkategorien: Der Überführungsfahrer, obwohl zum Stillschweigen verpflichtet, fand den Wagen einfach überragend, „und ich fahre privat seit Jahren nur Mercedes.“

Und, noch wichtiger, meine Frau: Sie findet den grauen Superb unspektakulär bis zu dem Zeitpunkt, als die Heckklappe automatisch hochfährt, unser Hund begeistert über die niedrige Ladekante hineinspringt, einmal am Gepäcknetz schnüffelt und dann wedelnd Platz macht. Kann losgehen, soll das heißen, das Auto wurde offiziell abgenommen. Als ich sage, dass man jetzt einen Pferdeanhänger mit bis zu 2.200 Kilo anhängen könnte, ist der Deal so gut wie perfekt. Mir persönlich ist wichtiger, dass die Anhängerkupplung sauber und platzsparend unter dem Fahrzeug verschwindet, bis man sie wirklich braucht.

Fazit: Der Name ist Progamm. Anders als sein Image es suggeriert ist der Superb nicht preiswert im Sinne von billig. So wirkt der leicht auf 50.000 Euro zu konfigurierende Mittelklassekombi nur, wenn man aufwärts vergleicht, also mit Passat, Avant, T-Modell und Touring. Im Vergleich mit anderen klassischen Importmarken wie Hyundai, Toyota, oder Peugeot, verliert er das Preisduell.

Die Basisvarianten des Superb sind wesentlich sparsamer ausgestattet als unser Testwagen. Will man mehr von diesen tollen Detaillösungen, dem nutzwertigen Luxus, so ist der Preisvorteil gegenüber dem Wettbewerb schnell dahin. Manche Extras sind sowieso den gehobenen Motorisierungen vorbehalten. Der Teufel steckt in diesem Fall nicht im Detail, er grinst böse aus der Aufpreisliste.

Technische Daten

Motor und AntriebVierzylinder-Turbodiesel, Common Rail, quer eingebaut,


DSG 6-Gang-Automatik, Frontantrieb
Hubraum1.968 cm³
Leistung140 kW (190 PS) bei 3.500 - 4.000 U/min
Max. Drehmoment400 Nm bei 1.750 - 3.250 U/min

Fahrleistungen

Höchstgeschwindigkeit235 km/h
Beschleunigung 0 - 100 km/h7,7 Sek.


Verbrauch & Emissionen

Innerorts in l/100 km5,4
Außerorts in l/100 km4,1
Kombiniert in l/100 km4,6
CO2-Emission in g/km119
EnergieeffizienzklasseA

Maße und Gewichte

Länge4.856 mm
Breite1.864 - 2.031 mm
Höhe1.477 mm
Radstand2.841 mm
Spurweite v / h1.584 / 1572 mm
Wendekreis11,7 m
Leergewicht1.555 kg
Zul. Ges.gew.2.140 kg
Anhängelast750 - 2.200 kg
Dach-/Stützlastmax. 100/90 kg
Ladeflächenlängemax. 2.067 mm
Tank66 L.
Stauvolumen660 - 1.950 L.
Quelle:  Handelsblatt Online
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