Smartphone-Bank: N26 will bis Jahresende 800.000 Kunden haben

Smartphone-Bank: N26 will bis Jahresende 800.000 Kunden haben

, aktualisiert 24. März 2017, 16:53 Uhr
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Das Fintech-Startup N26 hat große Pläne für die Kundengewinnung.

von Elisabeth AtzlerQuelle:Handelsblatt Online

Die Berliner Smartphone-Bank N26 hat ehrgeizige Ziele. In den nächsten Jahren will das Finanz-Start-up einige Million Kunden haben. Ende dieses Jahres könnten es schon 800.000 sein, sagt der N26-Chef.

Frankfurt N26 zählt zu den Finanz-Start-ups, die etablierte Banken direkt angreifen. Mit Erfolg, wie die Berliner Firma vor wenigen Tagen zeigte. Die Smartphone-Bank verbucht nach eigenen Angaben mehr als 1.000 neue Kunden täglich und hat die Kundenzahl innerhalb eines Jahres auf 300.000 verdreifacht.

In diesem Tempo oder sogar noch schneller soll es weitergehen. „Bis Jahresende wollen wir 500.000 bis 800.000 Kunden haben“, kündigt N26-Chef und Firmengründer Valentin Stalf an. „Dieses Jahr geht es verstärkt um Wachstum, nachdem es letztes Jahr ganz wichtig war, die Banklizenz zu erhalten“, sagte er dem Handelsblatt. Stalf ist sich sicher, dass N26 in den nächsten Jahren „auf einige Millionen Kunden wachsen“ wird. Das Girokonto von N26 läuft allein über das Smartphone.

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Stalfs Unternehmen zählt zu den so genannten Fintechs. Während viele dieser jungen Finanztechnologiefirmen mit Banken kooperieren und auch auf die Zusammenarbeit angewiesen sind, ist N26 ein direkter Konkurrent. Angesichts des Wachstums wird N26 von den etablierten Geldhäusern genau beäugt. So versucht die Sparkassen-Finanzgruppe mit ihrer Konto-App Yomo dem Fintech Paroli zu bieten. Yomo aktuell aber noch in der Testphase.

N26 ist mittlerweile in 17 Ländern Europas aktiv. 30.000 Kunden hat die Bank beispielsweise inzwischen in Frankreich. Zwei Drittel der Kunden kommen bisher allerdings aus Deutschland. „Wir haben noch keinen richtigen Fokus auf das Marketing in anderen Ländern gesetzt, aber bauen jetzt Teams dafür in Frankreich, Spanien und Italien auf“, sagte Stalf.

Mittlerweile hat die junge Bank, die Anfang 2015 gestartet ist und zunächst Number 26 hieß, die Dienstleistungspalette erweitert. Internationale Überweisungen sind möglich, in eigener Regie werden Konsumentenkredite bis zu 25.000 Euro vergeben. Bei Vermögensanlagen kooperiert N26 beispielsweise mit dem Fintech Vaamo.

Hier will Stalf nachlegen: „ Wir wollen auch die Produktpalette ausbauen und die vollen Dienstleistungen einer Bank anbieten. Wer Ende des Jahres ein N26-Konto eröffnet, soll alle typischen Bankdienstleistungen auch bekommen.“ Derzeit kooperiert die Smartphone-Bank neben Vaamo mit der Finanztechnologiefirma Transferwise, aber auch mit dem Versicherer Allianz. „Zudem werden wir bald mit drei weiteren Fintechs zusammenarbeiten.“


Kunden nach Kündigung zurückgewonnen

Zahlen zur geschäftlichen Entwicklung des Unternehmens, das 200 Mitarbeiter beschäftigt, gibt es nicht. Bislang standen aber die Provisionen im Vordergrund, die N26 vom Mastercard-Einsatz ihrer Kunden erhält - das Transaktionsvolumen seit Gründung beläuft sich auf drei Milliarden Euro. Zunehmend dürfte das Unternehmen auch von Zinsmargen profitieren.

Wie es bei neugegründeten Unternehmen üblich ist, musste aber N26 bei bestimmten Punkten nachsteuern. die Firma hat zweimal deutliche Kritik eingesteckt. So verschätzte sich der Newcomer bei der Beurteilung der Geldabhebe-Praxis seiner Kunden. N26 sorgte im vergangenen Juni für Aufsehen, weil das Fintech rund 500 Kunden die Kontoverbindung gekündigt hatte - vor allem weil sie aus Sicht der Smartphone-Bank zu häufig Bargeld abgehoben hatten. Viele Kunden machten daraufhin in den sozialen Netzwerken ihrem Unmut Luft. Die Bank konnte aber einen Teil von ihnen zurückgewinnen: „Über 60 Prozent der Kunden, denen wir gekündigt hatten, haben wieder ein N26-Konto eröffnet“, sagte Stalf.

Da die Bank an kein Netz von Geldautomaten angeschlossen ist und für jede Abhebung Gebühren anfallen, sah es sich danach gezwungen, die Zahl der kostenlosen Abhebungen zu begrenzen. Heute müssen Kunden für häufiges Abhebungen eine Gebühr zahlen.

Im Dezember dann legte ein IT-Wissenschaftler Sicherheitsprobleme bei N26 offen. Kundendaten konnten manipuliert und ganze Konten übernommen werden. Selbst Transaktionen konnte der Sicherheitsforscher, der viel Aufmerksamkeit beim Jahreskongress des Chaos Computer Club bekam, in seinem Versuch ausführen. Dass es nun ausgerechnet bei N26 so große Sicherheitslücken gab, gilt auch in der Szene als Überraschung. Eigentlich sind Fintechs für besonders clevere Anwendungen bekannt. Sie müssen sich zudem erst das Vertrauen ihrer Kunden erarbeiten, weshalb Sicherheitslücken als besonders großes Problem erscheinen. N26 schloss die entdeckte Sicherheitslücke später.

Quelle:  Handelsblatt Online
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