Soros und Icahn: Starinvestoren rüsten sich gegen Börsen-Crash

Soros und Icahn: Starinvestoren rüsten sich gegen Börsen-Crash

, aktualisiert 18. Mai 2016, 15:25 Uhr
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Der Anlagefonds des Multimilliardärs wappnet sich am Terminmarkt gegen einbrechende Börsenkurse.

von Georgios KokologiannisQuelle:Handelsblatt Online

Hat die mehr als siebenjährige Hausse ihren Höhepunkt überschritten hat? Wall-Street-Legenden George Soros und Carl Icahn wetten jedenfalls schon gegen den US-Aktienmarkt. Profitieren können auch Privatanleger.

New York/FrankfurtEs ist ein Warnsignal für Anleger: Starinvestoren verlieren offenbar das Vertrauen in eine Fortsetzung der inzwischen mehr als siebenjährigen Hausse an der Wall Street - und wappnen sich zunehmend gegen fallende Aktienkurse.

So hat der prominente Multimilliardär George Soros im ersten Quartal die Investments seiner Anlagefirma in US-Aktien um mehr als ein Drittel verringert und gleichzeitig seine Spekulationen auf einen Einbruch des Leitindexes S&P 500 deutlich ausgebaut. Das geht aus einer aktuellen Pflichtmitteilung an die US-Aufsichtsbehörde „Securities and Exchange Commission“ (SEC) hervor.

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Demnach hat Soros‘ Hedgefonds im ersten Jahresquartal seinen Bestand an sogenannten „Put-Optionen“, die sich auf den Indexfonds SPDR S&P 500 beziehen, auf 2,1 Millionen Stück mehr als verdoppelt. Solche Terminmarktkontrakte ermöglichen es Investoren, an fallenden Börsenkursen Geld zu verdienen. Im vierten Quartal 2015 besaß der Fonds erst eine Millionen solcher Put-Anteile.

Parallel dazu ist der Wert der öffentlich bekanntgegebenen Aktien-Beteiligungen von Soros' Fonds Management der jüngsten Pflichtmitteilung zufolge um 37 Prozent auf 3,5 Milliarden Dollar (3,1 Milliarden Euro) zurückgegangen.

Investorenlegende und Ex-Hedgefonds-Manager Soros, der mit Börsenspekulationen ein Vermögen von 24 Milliarden Dollar aufbaute, hat vor fünf Jahren externen Anteileignern ihr Geld zurückgezahlt und nutzt seine Firma inzwischen nur noch zur Verwaltung seines eigenen Kapitals. Ein Soros-Sprecher lehnte zwar laut Angaben des Wirtschaftsdienstes Bloomberg einen Kommentar zum Strategieschwenk des Fonds ab.


Wo Multimilliardär Soros jetzt Gefahr wittert

Allerdings hatte Soros Anfang des Jahres vor Risiken aus China gewarnt, die weltweit den deflationären Druck erhöhen und Aktiennotierungen fallen lassen würden: Die schuldenfinanzierte Wirtschaft des Landes erinnere an die Situation in den USA - bevor die Probleme an den Kreditmärkten 2008 eine globale Krise auslösten, sagte Soros damals.

Zu den größten Profiteuren eines Crashs an den US-Börsen dürfte derzeit neben Soros auch der ebenfalls weltbekannte Milliardär und aktivistische Investor Carl Icahn gehören. Ein Anlagefonds des 80-Jährigen verfügte zum Ende des ersten Jahresquartals über eine Netto-Shortpositionierung von 149 Prozent. Die Abwärtswetten übersteigen laut der neuesten Pflichtmitteilung also die sonstigen Portfoliobestandteile um rund das Anderthalbfache, dienen also nicht nur als Absicherungsinstrument für vorhandene Aktenbestände, sondern in erster Linie als knallharte Wette auf einen Börsenabsturz.

Das zeugt davon, dass auch Icahn weit pessimistischer eingestellt ist als noch Ende 2015. Damals lag die Netto-Shortpositionierung bei nur 25 Prozent. Ein Jahr zuvor betrug der Bestand an Aktien-Leerverkäufen, Put-Optionen und ähnlichen Finanzinstrumenten bei insgesamt nur vier Prozent. Einen möglichen Auslöser für einen Crash wittert der Multimilliardär offenbar in nachlassenden Konjunkturstützen.
So warnte Icahn vergangenen Freitag auf dem US-Fernsehsender CNBC vor einem nahenden „Tag der Abrechnung“ für den amerikanischen Aktienmarkt, falls die amerikanische Bundesregierung die Wirtschaft nicht mit Ausgabenerhöhungen stimuliere.

Nachvollziehen lässt sich das Anlageverhalten der Großinvestoren an der Wall Street, weil Vermögensmanager, die mehr als einhundert Millionen Dollar in Aktien in den USA verwalten, innerhalb von 45 Tagen nach Quartalsende ein sogenanntes „Form 13F“ bei der dortigen Börsenaufsicht SEC einreichen müssen. Hier werden solche hochgewichtete Aktien sowie Optionen und Wandelanleihen auflistet.


Was für ein Auslaufen der jahrelangen Hausse spricht

Die Chancen dafür, dass die Abwärtswetten von Soros und Icahn aufgehen, stehen nicht schlecht: Anders als ihre europäischen Pendants notieren die wichtigsten US-Aktienindizes inzwischen trotz zahlreicher Kursrisiken wieder nah ihren Allzeithochs vom vergangenen Jahr. Doch damit haben sie auch nach Ansicht der meisten anderen Experten ihr weitesgehend Potenzial ausgeschöpft: Eine Umfrage des Finanzinformationsdienstes Reuters macht das klar. Die befragten Analysten prognostizieren im Schnitt einen Jahresendstand von etwa 2.100 Punkten beim S&P 500 - also nur minimal oberhalb des aktuellen Niveaus von 2050 Zählern. „Das Potenzial des US-Aktienmarktes ist begrenzt, und es gibt Abwärtsrisiken“, warnten jüngst etwa die Investmentstrategen von Axa-Investment Managers.

Gegen eine ausgedehnte Fortsetzung der Hausse spricht auch die schwache Ertragsentwicklung der Unternehmen. Dadurch sind US-Aktien teuer: Gemessen an der Ertragsentwicklung in zwölf Monaten, liegt das Verhältnis der Kurse zu den Gewinnen mit knapp 17 klar über dem Durchschnittswert von 14,7.

Ein weiteres Abwärtsrisiko für Dow Jones & Co. stellt die Unsicherheit im Zuge der Präsidentschaftswahlen im Herbst dar: Experten von Fidelity International haben ähnliche historische Börsensituationen unter die Lupe genommen und kommen unter anderem zu dem Ergebnis, dass in der Vergangenheit der Aktienmarkt im letzten Jahr der zweiten Amtszeit eines Präsidenten regelmäßig Federn lassen musste. Zudem dürfe die Rhetorik und die durch den Wahlkampf geschürte Verunsicherung kurzzeitig Volatilität auslösen, so die Fachleute der Fondsgesellschaft.

Dazu kommen die eingeleitete Leitzinswende in den USA, die zusätzlichen Druck auf die Notierungen ausübt. So haben Spekulationen auf eine baldige US-Zinserhöhung an diesem Mittwoch Aktienanlegern weltweit zu schaffen gemacht. Am Vorabend hatten zwei führende US-Notenbanker zwei bis drei Zinserhöhungen im laufenden Jahr in Aussicht gestellt. Nun warten Investoren nervös auf die Veröffentlichung der Protokolle der jüngsten US-Notenbanksitzung am heutigen Abend. Von den Mitschriften erhoffen sie sich Hinweise darauf, ob die Fed schon im Juni den Schlüsselsatz anheben wird.

Wie Privatanleger von einem Börsen-Absturz profitieren

Auch skeptische Privatanleger können es den Multimilliardären gleichtun und ihre US-Aktien und –Fonds gegen ein mögliches Ende der Wall Street-Hausse sichern – oder sogar unmittelbar davon einem Crash profitieren. Zwar ist Privatanlegern in der Regel der direkte Zugang zu den Warenterminmärkten in New York versperrt, wo entsprechende Put-Optionen gehandelt wird. Doch Optionsscheine, Hebelprodukte und Zertifikate bieten eine Alternative zu den Terminkontrakten der Profis. Optionsscheine und ähnliche Hebelpapiere eignen sich aber aufgrund enormer Verlustrisiken nur für besonders risikobereite Spekulanten. Anlagezertifikate sind hingegen für vorsichtigere „Bären“ geeignet.

Dazu zählen etwa „Reverse-Bonuszertifikate“. Sie bieten Pessimisten sogar dann noch Renditechancen, wenn es an der Wall Street anders als es von Iahn und Soros offensichtlich erwartet wird, noch etwas weiter aufwärts gehen sollte.

Zum Beispiel eine Reverse-Bonus-Variante, die sich auf den S&P 500 bezieht (WKN: VS8B1F). Dieses spezielle Anlagepapier liefert bis Mitte Dezember dieses Jahres selbst dann knapp siebeneinhalb Prozent Rendite, wenn der US-Aktienindex kaum von der Stelle kommt - oder crasht. Einzige Bedingung: Der S&P 500 darf zu keinem Zeitpunkt um rund ein Zehntel zulegen und die Marke von 2.300 Punkten erreichen - sonst drohen deutliche Verluste.

Eine offensivere Alternative bietet ein ähnliches Produkt, mit dem eine deutlich höhere Rendite bis Ende des Jahres drin ist (WKN: VS8R2W): Mehr als 19 Prozent Ertrag lassen sich damit erreichen. Allerdings liegt hier die alles entscheidende Sicherheitsschwelle schon bei 2.200 Punkten. Berührt der S&P 500 diese Marke bis zum Laufzeitende auch nur ein einziges Mal, dann geht der Bonusmechanismus verloren und das Zertifikat wird danach mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Verlustbringer.

Beide aufgeführten Zertifikate sind nicht währungsgesichert, so dass eine Aufwertung des US-Dollars in den kommenden Monaten zusätzliche Rendite im Portfolio des Käufers generieren kann – eine Abwertung die Rendite aber umgekehrt schmälern würde.

Quelle:  Handelsblatt Online
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