„Spar-Schweinerei“ oder notwendiges Übel?: Warum ich am Bankautomaten gern zahle

„Spar-Schweinerei“ oder notwendiges Übel?: Warum ich am Bankautomaten gern zahle

, aktualisiert 03. April 2017, 18:51 Uhr
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Weil die Europäische Zentralbank den Leitzins auf null gesenkt hat, funktioniert das ursprüngliche Geschäftsmodell der Banken nicht mehr.

von Andreas DörnfelderQuelle:Handelsblatt Online

Sparkassen und Volksbanken stehen in der Kritik, weil manche von ihnen Gebühren fürs Geldabheben nehmen. Doch die Reaktionen sind übertrieben und die Wut der Kunden unbegründet. Ein Kommentar.

„Gebühren-Schock“. „Abzocke“. „Spar-Schweinerei“. So geraten derzeit Sparkassen und Volksbanken in die Schlagzeilen. Der Grund: Manche von ihnen verlangen Gebühren fürs Abheben am Automaten. Die Sparkasse Erding nimmt doch tatsächlich 29 Cent von ihren Kunden, wenn die mehr als viermal im Monat Geld ziehen. Oder die Volksbank Lahr: Wer öfter als alle zwei Wochen abhebt, zahlt 40 Cent. Skandal!

Ernsthaft?! Ein Kiosk nimmt 80 Cent für die „Bild“ (die ausführlich über den „Sparkassen-Hammer“ berichtete). Ein Wirt verlangt 2,50 Euro für ein Bier. Von dem Geld bezahlt der Kioskbetreiber seinen Laden und die „Bild“ ihre Redaktion. Der Wirt zahlt seine Kneipe und die Brauerei Wasser, Hopfen und Malz.

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Und die Sparkassen und Volksbanken? Wovon sollen die ihre Leute bezahlen? Die Lieferwagen, die täglich durch die Gegend fahren, damit uns jeder Automat zuverlässig Euro ausspuckt?

Die Banken können doch froh sein, dass wir ihnen unser Geld überhaupt bringen, mögen einige jetzt denken. Und so war es auch tatsächlich mal – als das ursprüngliche Geschäftsmodell noch funktionierte: Die Leute brachten ihr Geld und bekamen Zinsen. Die Bank verlieh das Geld weiter und nahm dafür höhere Zinsen. Doch seit die Europäische Zentralbank den Leitzins auf null gesenkt hat, ist die Spanne zwischen den beiden Sätzen so stark geschrumpft, dass kaum eine Regionalbank noch davon leben kann. Viele mussten sich zusammenschließen und Filialen dichtmachen. Weil das nicht reicht, erhöhen sie nun ihre Gebühren.

Ich finde das richtig. Die Sparkassen stellen mir 25.000 Automaten hin, ich nutze sie regelmäßig und würde gern dafür zahlen. Ich nutze auch das Onlinebanking und zahle dafür. Jedenfalls viel lieber als eine hohe Pauschale für ein Konto mit Leistungen, die ich nicht brauche. Wenn jeder zahlt, was er nutzt, ist es effizient. All denen, die sich aufregen, wenn jemand Geld für eine Leistung nimmt, rate ich: Einfach mal einen Monat für lau arbeiten.

Quelle:  Handelsblatt Online
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