Sparkasse Hannover: Die nächste zückt den Rotstift

Sparkasse Hannover: Die nächste zückt den Rotstift

, aktualisiert 06. Oktober 2016, 13:43 Uhr
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Das Institut spürt „immensen Druck“ auf die Erträge.

von Frank Matthias DrostQuelle:Handelsblatt Online

Wenn der Vorstandschef und der Verwaltungsratschef einer der größten deutschen Sparkassen gemeinsam ein öffentliches Statement ankündigen, liegt Spannung in der Luft. Die Sparkasse Hannover enttäuschte nicht.

HannoverDie Sparkasse Hannover, nach der Bilanzsumme von 13,6 Milliarden Euro die sechstgrößte Sparkasse Deutschlands, zieht Konsequenzen aus der Dauerniedrigzinsphase und dem „immensen Druck“ auf die Erträge. Bis 2019 will das Institut 200 Stellen abbauen, kündigte Vorstandschef Heinrich Jagau auf einer Pressekonferenz in Hannover an.

Parallel soll die Zahl der Standorte im Großraum Hannover um 20 auf 99 sinken. Letztlich wird die Sparkasse noch über 1.340 Stellen oder 1.600 Mitarbeiter verfügen. Auf der Basis einer Verständigung mit Verdi aus dem Jahr 2014 reduzierte die Sparkasse die Zahl der Stellen bereit um 200. Wie zuvor soll es keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Man setzt auf sozialvertragliche Lösungen.

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Damit befindet sich die Sparkasse Hannover in guter Gesellschaft. Denn auch viele private Banken betreiben einen umfangreichen Arbeitsplatzabbau. Die Welt der Banken und Sparkassen, ihrer Kunden und ihrer Beschäftigten verändere sich in einem bisher unbekannten Maße, heißt es bei der Sparkasse. Gleichzeitig betonte Vorstandschef Jagau, dass die Kosteneinsparungen „aus einer Position der Stärke“ vorgenommen werden.

In der Tat ist die Sparkasse Hannover alles andere als ein Sanierungsfall. Das Institut ist solide aufgestellt, die Liquiditätsversorgung ist kein Problem. Im vergangenen Jahr lag das Betriebsergebnis vor Bewertung bei 110 Millionen Euro, sechs Millionen Euro unter Vorjahresniveau.

Allerdings kann das Institut auch nicht die Augen davor verschließen, dass der Zinsüberschuss in diesem Jahr um 35 Millionen Euro fällt. Die Cost-Income-Ratio – das Verhältnis von Kosten zu Ertrag – liegt derzeit bei 75 Prozent. Um einen Euro Ertrag zu erzielen, muss die Sparkasse 75 Cent aufwenden – ein relativ hoher Wert in der Branche. Die jetzt angepeilte Zielmarke liegt bei deutlich unter 70 Prozent.

Wenn die Erträge nicht steigen, müssen die Kosten reduziert werden. Mit dieser Einsicht hatte auch der Verwaltungsrat kein Problem. Einstimmig stimmte das Gremium den Sparplänen zu, hieß es. Gleichzeitig stellte der Verwaltungsratsvorsitzende, Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD), klar: „Diese Sparkasse wird auch in Zukunft ihr Eigenkapital selbst verdienen. Dafür muss sie rechtzeitig ihre Wettbewerbsfähigkeit auch unter schwierigen Rahmenbedingungen sichern.“

Vor diesen Herausforderungen steht nicht nur die Sparkasse Hannover. „Jedes Geschäftsmodell einer deutschen Bank steht derzeit auf dem Prüfstand“, sagte der Präsident des Bankenverbands VÖB, Gunter Dunkel, kürzlich dem Handelsblatt.

Den Prozess der schleichenden Ertragsverschlechterung hatte der Präsident der Finanzaufsicht Bafin, Felix Hufeld, auf einer Handelsblatt-Tagung anschaulich beschrieben: Je länger die Niedrigzinsphase dauere, desto größer werde der Anteil von langfristigen niedrigverzinsten Krediten in den Büchern der Banken. „Wenn die Zinsen weiter so niedrig bleiben, und davon ist im Moment auszugehen, dann werden sich die Ergebnisse noch deutlich verschlechtern – trotz der immer noch guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen“, fügte er hinzu. Außerdem müssen sich die Kreditinstitute noch dem Wettbewerb mit ihren digitalen Herausforderern, den Fintechs, stellen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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